Projekt

Wissbegierig

Der »Jewish Educators Circle« soll auch ein Netzwerk für jüdische Pädagogen werden. Foto: Fotolia

Noch steckt das Projekt »Jewish Educators Circle« in den Kinderschuhen. Aber die 14 jüdischen Pädagogen, Erziehungswissenschaftler, Rabbiner und Museumsmitarbeiter, die sich ab Mitte Januar am Potsdamer Platz in den Räumen des American Jewish Committees (AJC) treffen werden, wissen schon sehr genau, was sie erreichen möchten: »Wir wollen jüdische Ethik vermitteln und eine Diskussion darüber anstoßen, wie diese Grundsätze zum Beispiel an Schulen weitergegeben werden können«, sagt Deidre Berger, Vorsitzende des AJC, die die Idee zu dem Kreis angeregt hatte. Außerdem könnten sich während der Treffen jüdische Pädagogen über ihre Erfahrungen »mit Themen, die ihr Arbeitsfeld betreffen« austauschen, heißt es in der Eigenbeschreibung der Gruppe.

Eigentlich hatte sich die Initiative schon vor drei Jahren mehr oder weniger regelmäßig zusammengefunden. Aber dann sei das Projekt aus vielerlei Gründen eingeschlafen.

Perspektive Nun soll es mit neuen Zielen weitergehen. Denn man habe das Gefühl gehabt, dass »doch wieder ein großer Bedarf besteht, dieses wichtige Thema der Ethik« aufzugreifen, sagt Berger. Jüdische Ethik, das vereine, betont sie, Religion, Werte und eben die jüdische Perspektive miteinander. In den vergangenen Jahren blieben zudem viele Fragen auch zum Thema Holocaust unbeantwortet. Das sehe man in Filmen und auch in der Literatur, beschreibt Deidre Berger ihre Erfahrungen.

»Die Schüler erfahren zwar, was vor 70 Jahren geschehen ist, aber sie wissen nicht wirklich, wen es betroffen hat. Auch wüssten nur wenige, welche Rolle Juden in der deutschen Geschichte eingenommen hätten. Allerdings, sagt die gebürtige Amerikanerin, solle es beim Jewish Educators Circle auch nicht ausschließlich um Vermittlung des Holocausts gehen.

Das sei zwar ein wichtiger Punkt – aber eben einer von vielen. Herausforderungen gibt es viele: So hätten Pädagogen zum Beispiel immer noch Berührungsängste, wenn es darum geht, jüdische Themen im Unterricht zu platzieren, sagt Berger.

Bundesländer Sie betont, dass die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland auf dem Gebiet der Pädagogik schon «viel Arbeit» geleistet habe, es gebe zudem neue Curriculum-Vorschläge vom Leo-Baeck-Institut, und auch der Zentralrat der Juden in Deutschland arbeite an Empfehlungen.

Bei 16 Bundesländern sei es allerdingsrelativ kompliziert, alle Vorschläge und besonders deren Umsetzung – also wie man jüdische Geschichte, Ethik oder andere Aspekte des Judentums Schülern vermitteln kann – nachzuvollziehen. Denn Bildung ist Ländersache. Und so unterscheidet sich der Lehrplan in Brandenburg von dem in Bayern.

Eine Art Vorbildfunktion für den Jewish Educators Circle nimmt die sogenannte Taskforce on Antisemitism des AJC ein. Im Rahmen dieses Expertenkreises, der sich mit Judenfeindlichkeit beschäftigt, sei auch das Bewusstsein dafür entstanden, Raum für jüdische Pädagogen zu schaffen, die miteinander über erziehungswissenschaftliche Schwerpunkte diskutieren können.

«Wir müssen einfach erkennen, dass es viele Ressourcen in der jüdischen Welt gibt, aus denen wir schöpfen können», sagt Berger. Es sei vieles möglich und «das Potenzial ist da, sich in Sachen Bildung auch überregional zu engagieren».

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