Treffen

Unter Männern

Monatelang hat sich Moshe auf dieses Wochenende vorbereitet. Nach der Schule lernte der Achtjährige fünfmal die Woche etwa eine halbe Stunde lang, damit er für den Sijum Mischnajot eine gute Basis an Wissen mitbringt. 15 Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren kamen zur Abschlussveranstaltung der »Mischna Learning Foundation« nach Berlin zur Lauder-Jeschiwa »Beis Zion«. Ein Junge war sogar aus Wien angereist, um mit den anderen Kindern zu lernen. Etliche hatten kürzere Wege, da sie aus Deutschland kommen. »Das Ziel des Sijum ist es, Kindern mit unterschiedlichem Hintergrund ein Gefühl dafür zu vermitteln, worum es bei jüdischem Lernen eigentlich geht«, sagt Jeschiwa-Rabbiner David Kern. Bei diesem »friedlichen Wettstreit«, so Kern, können sich die Jungen messen, wie gut sie die Mischna gelernt und verstanden haben.

Kennenlernen Am Freitag trafen sie sich zum ersten Mal. »Obwohl sie sich größtenteils nicht kannten, war sofort der Kontakt da«, hat Kern beobachtet. Man habe ihnen angesehen, dass sie diesem Wochenende regelrecht entgegenfiebern. Als Erstes besorgten sie sich einen Ball und spielten mit anderen Kindern im Innenhof Fußball. Einige der Jungs haben zu Hause nur wenige Möglichkeiten, Tora und Talmud zu lernen, da es in ihren Regionen keine entsprechende Infrastruktur gibt. So können beispielsweise einige Kinder aufgrund ihres Wohnorts auch keine jüdische Schule besuchen.

Das Niveau sei diesmal sehr hoch gewesen, die Kinder hätten schon im Vorfeld viel gelernt, sagt Rabbiner Neir Roberg. Bereits am Freitag prüfte Roberg die ersten Kinder in einem Gespräch und fragte deren Wissen ab. Für den Wochenend-Sijum wurden die Kinder dazu motiviert, so viele Mischnajot wie möglich auswendig zu lernen sowie über ihre jeweilige Bedeutung zu referieren. »Nur auswendig zu lernen, reicht uns nicht, man muss auch den Inhalt verstehen«, sagt Kern.

Gewinner Der zwölfjährige David fiel dabei besonders positiv auf: Er hatte 104 Mischnajot bearbeitet – davon konnte er 40 auswendig aufsagen. Er wurde Sieger des Sonntags-Sijum. Allerdings war es nicht das erste Mal für ihn, dass er an einem derartigen Wettbewerb teilnahm, sondern schon das dritte Mal. Er war bereits bei Sijumim in Österreich und der Schweiz dabei. »Ich mag es, viel zu lernen«, sagte er.

Rabbiner Yoel Smith, der Direktor der Jeschiwa, findet es wichtig, die Kinder zusammenzubringen. Dadurch entwickeln sich neue Freundschaften, und die Jungs können sich gegenseitig motivieren. Was sie sehr viel weiterbringe, erzählt Smith. Schließlich seien sie eher aus Freude am Erfahrungsaustausch nach Berlin gekommen, als um des akademischen Wettkampfes willen, meint der Rabbiner. Aber nicht nur Lernen stand auf dem Programm: Neben dem Freitagnacht-Schabbaton unternahmen sie einen Rundgang zu einigen Sehenswürdigkeiten Berlins und einen Zoo-Besuch. Und es wurde auch viel gesungen und getanzt.

Ereignis Dabei bewiesen sie ihre Kondition. »Die Jungs tanzten noch, als sich die Erwachsenen müde an den Tisch setzten«, sagt Rabbiner Kern. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Auch etliche Eltern waren am Sonntag beim Abschluss dabei. Ein Vater kam sogar aus Süddeutschland angereist, um seinen Sohn bei der Feier zu erleben. »Es war ein Ereignis. Der Austausch unter den Kindern war so lebendig, und sie hatten eine Menge Spaß«, sagt ein Vater. Immerhin saßen acht Rabbiner, Dozenten und Lehrer mit an den Tischen. »Die Jungs waren sehr beeindruckt von der Ehre.« Der elfjährige Jonah aus Zürich sagte: »Ich finde es gut, mit den anderen Kindern zusammen zu sein. Zwar kommen wir aus verschiedenen Ländern, aber es kommt mir vor wie bei alten Freunden.«

Preise Als der achtjährige Moshe nach Hause kam, erzählte er sofort seinen Geschwistern von dem Wochenende und zeigte stolz die Preise, die er bekommen hatte. »Es war toll.« Sein sechsjähriger Bruder Yehuda, der dabei war, aber noch nicht mitmachen durfte, sagte: »Ich werde morgen anfangen, Mischna zu lernen.«

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