Sechs Fragen für neun Kandidaten
Im Vorfeld der Bundestagswahl fand das Quadrell der vier Kanzlerkandidatinnen und -kandidaten statt. Und was gibt es vor der Wahl für den Vorstand der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD)? Das »Nonell« natürlich! Neun Personen treten am Sonntag auf dem Jugendkongress in Hamburg an, um euch, die jungen Jüdinnen und Juden in Deutschland, für die kommenden zwei Jahre zu repräsentieren. Selten dürften die JSUD-Wahlen so spannend gewesen sein wie in diesem Jahr. Neben der Präsidentschaft werden auch vier Vorstandsposten neu besetzt: Zwei Vizepräsidenten, ein Schatzmeister und ein Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Nicht alle, die antreten, werden das Rennen also machen. Eure Stimme zählt! Doch wofür genau stehen die Kandidatinnen und Kandidaten? Wir haben mithilfe eures Feedbacks insgesamt sechs Fragen an sie formuliert:
- Was wäre das Allererste, das du in deinem neuen Amt tun würdest?
- Was sind deine konkreten Vorschläge und Ideen gegen den wachsenden Antisemitismus an Universitäten?
- Was hältst du von der revisionistisch-zionistischen Jugendgruppe Betar Germany? Sollte die Organisation ein Ansprechpartner für die JSUD sein?
- Wie könnte die JSUD Studierende und Young Professionals, die nicht in größeren jüdischen Gemeinden aktiv sind, besser erreichen?
- Willst du patrilineare Jüdinnen und Juden besser in die JSUD einbinden? Wenn ja, wie?
- Wenn du einen Wunsch für die JSUD frei hättest, welcher wäre das?
Wir lassen die Kandidatinnen und Kandidaten die Fragen in der alphabetischen Reihenfolge ihrer Nachnamen beantworten. Lest aufmerksam und wählt weise! Das geht dann am Sonntag ab 10 Uhr auf der JSUD-Vollversammlung, entweder vor Ort im Hamburg auf dem Jugendkongress der ZWST oder, falls ihr euch zuvor registriert habt, auch online.
Ron Dekel
- Mein Ziel ist es, die JSUD als starke, deutschlandweite Vertretung zu festigen. Ich werde den Austausch zwischen Regionalverbänden und dem Zentralrat stärken, um gemeinsam Strategien gegen Antisemitismus zu entwickeln. Zudem setze ich mich für ein Spendenkonto ein, das unabhängige Projekte der Regionalverbände ermöglicht und neue Räume für jüdisches Leben schafft. Es ist wichtig, diese Strukturen aufzubauen, um überregional eine laute Stimme gegen Antisemitismus sein zu können.
- Als Präsident werde ich den Austausch mit den Regionalverbänden intensivieren, um gemeinsame Forderungen an Kultusminister und Universitäten zu formulieren. So können wir als geeinte Stimme Druck ausüben und besonders in Regionen ohne starke studentische Vertretung Veränderungen bewirken. Zentrale Anliegen sind die verpflichtende Einführung von Antisemitismusbeauftragten an Unis und eine rechtliche Absicherung von Exmatrikulationen in schweren Fällen, damit Hochschulen konsequent gegen Antisemitismus vorgehen können.
- Mein Team Achdut und ich schließen jede Kooperation mit solchen Gruppierungen aus und unterstützen die Distanzierung von Betar. Durch innerjüdische Bildungsarbeit und Aufklärung wollen wir junge Jüdinnen und Juden für menschenverachtende Ideologien sensibilisieren. Dazu stehen wir klar zur Policy § 16 der JSUD gegen die AfD.
- Ich bin in einer Region ohne jüdische Institutionen aufgewachsen und kenne die Hürden des Einstiegs. Deshalb wollen Achdut und ich die Hatchala-Seminare der JSUD schnell wieder einführen. Sie sollen sowohl Aktive als auch Menschen ohne Anbindung unterstützen, ihnen Zugang zur Gemeinschaft ermöglichen und ihre Stimme im Kampf gegen Antisemitismus stärken.
- Mein Aktivismus wurde stark durch den Umgang mit patrilinearen Jüdinnen und Juden geprägt. Ich setze mich dafür ein, sie einzubinden, denn gerade in Zeiten wachsender Bedrohung müssen wir als jüdische Gemeinschaft geeint gegen Antisemitismus auftreten.
- Ich würde der JSUD wünschen, dass sie es schafft, sich nicht nur auf Berlin konzentrieren zu müssen, und es ihr gelingt, sich als echte deutschlandweite Vertretung für alle jungen Jüdinnen und Juden zu etablieren. Nur so kann die JSUD weiterhin auch eine laute und relevante Stimme bleiben, die sich gegen jeden Antisemitismus einsetzt.
Ron Dekel ist 23 Jahre alt, lebt in München und studiert Politikwissenschaft.
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Kiril Denisov
- Gemeinsam mit dem neuen Vorstand würde ich eine Liste an jüdischen Organisationen erstellen, mit denen wir eine Taskforce initiieren, um die Kooperationen für die nächsten zwei Jahre zu planen.
- Als jemand, der selbst seit Jahren als Referent Bildungsarbeit über Antisemitismus macht, wäre mein Vorschlag, unsere Aktiven zu qualifizieren, Workshops und Vorlesungen an Universitäten über die Geschichte und verschiedene Formen von Antisemitismus durchzuführen.
- Die JSUD sollte mit allen jüdischen Organisationen im Austausch stehen, jedoch mit klarer Abgrenzung zu extremen Positionen, die außerhalb unserer jüdischen und demokratischen Grundwerte stehen. Bei Betar Germany ist das eindeutig der Fall. Diese Gruppe ist in ihrem ideologischen Fundament eine Gefahr, insbesondere für marginalisierte Menschen in der jüdischen Gemeinde. Wenn man zudem die letzten Monate ihre Hetze gegen jegliche Jüdinnen*Juden beobachtet, die ihrer Weltanschauung nach zu links sind, dann wird ersichtlich, dass sie die Grundfesten unserer gesunden jüdischen Streitkultur bedrohen und damit Spaltung fördern.
- Ich selbst wuchs den Großteil meines Lebens außerhalb jüdischer Strukturen auf und fand erst im Erwachsenenalter zurück. Daher weiß ich, dass ein diverses Veranstaltungsangebot zentral ist. Die JSUD sollte in Kooperation mit lokalen jüdischen Strukturen niederschwellige, aber regelmäßige Events als auch mit überregionalen Organisationen größere Veranstaltungen wie Bildungsreisen ermöglichen.
- Patrilineare Jüdinnen*Juden sind für mich Jüdinnen*Juden. Ich stehe vollkommen hinter den Forderungen der bereits verabschiedeten JSUD-Policy, welche die umfassende Integration von patrilinearen Jüdinnen*Juden in die Studierendenunion und Zugang zu Aktivitäten der jüdischen Gemeinden als wichtiges Anliegen designiert. Auf jüdischen und öffentlichen Veranstaltungen sollten ihre Stimmen entschieden inkludiert werden und bei (medialen) Debatten, wo ihnen ihr Jüdischsein abgesprochen wird, ist es wichtig, sich solidarisch hinter sie zu stellen.
- Mein Wunsch wäre, dass Judenhass aufhört zu existieren und wir uns nicht mehr mit dem Kampf gegen Antisemitismus beschäftigen müssten, sondern uns stattdessen vollkommen dem Erhalt unserer diversen kulturellen und religiösen Traditionen widmen könnten.
Kiril Denisov ist 25 Jahre alt und studiert im Master of Education Politikwissenschaft und Russisch in Heidelberg.
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Jacob Horowitz
- Ich würde mit dem neuen Vorstand die Parteien kontaktieren, die an den Koalitionsgesprächen für die nächste Bundesregierung beteiligt sind. Es ist wichtiger denn je, junge jüdische Interessen in den nächsten Koalitionsvertrag einzubringen. Es muss mehr getan werden, um antisemitische Täter zu bestrafen und Universitäten sicherer für jüdische Studierende zu machen.
- Viele jüdische Studierende fühlen sich nicht wohl dabei, Antisemitismus an ihren Universitäten zu melden. Sie befürchten Konsequenzen und den Ausschluss aus dem universitären Leben. In meiner Zeit als Vizepräsident des Jüdischen Studierendenverbands Nordrhein-Westfalen konnte ich zusammen mit Nicole Pastuhoff für eine unabhängige Meldestelle für Antisemitismus an Hochschulen in NRW kämpfen. Auch andere Bundesländer haben Interesse bekundet, und gemeinsam mit den Regionalverbänden könnte man solche Stellen landesweit einrichten.
- Wir als Team »Koach« schließen uns dem Regionalausschuss in seiner Aussage an, dass es grundsätzlich gut ist, wenn es Betar Germany gibt. Eine Zusammenarbeit ist jedoch ausgeschlossen, wenn die Organisation, insbesondere von tonangebenden Personen, für Hass und Extremismus missbraucht wird. Die JSUD ist sowohl in ihrer politischen als auch zionistischen Ausrichtung überparteilich. Linke bis konservative Ausrichtungen des Zionismus sind willkommen, extremistische nicht.
- Wenn wir an Schabbatonim in Deutschland denken, ziehen wir oft in die großen Städte. Doch es gibt viele Universitätsstädte mit kleinen Gemeinden und jungen jüdischen Erwachsenen. Schabbatonim in kleineren Gemeinden, in Kooperation mit den jeweiligen Regionalverbänden, können diese Gemeinschaften stärken und beleben.
- Ja, ich möchte patrilineare Jüdinnen und Juden besser in die JSUD einbinden. Die Vollversammlung ist zwar bei der Stimmberechtigung an den Zentralrat und an die Halacha gebunden, dennoch bietet die JSUD Angebote für alle Jüdinnen und Juden an. Dieses Anliegen unterstütze ich ausdrücklich.
- Ich wünsche mir eine JSUD, die mehr zusammenhält. Gerade im aktuellen politischen Klima dürfen wir uns nicht spalten lassen. Unser Zusammenhalt ist der Schlüssel zu unserem Erfolg.
Jacob Horowitz ist 25 Jahre alt und studiert in Düsseldorf Humanmedizin.
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Deborah Kogan
- In der Vergangenheit mangelte es an effektiver Kommunikation und Konfliktlösung, was zu Spannungen und ineffizienter Zusammenarbeit führte. Mein erster Schritt wäre ein Mediationstraining für das gesamte Vorstandsteam, um eine respektvolle, lösungsorientierte Arbeitsatmosphäre zu schaffen – trotz Meinungsverschiedenheiten.
- Der wachsende Antisemitismus an Universitäten erfordert entschlossenes Handeln. Als Vorstand müssen wir eine klare Positionierung der Hochschulen, Antisemitismusbeauftragte und die Anerkennung der IHRA-Definition sowie konsequente Maßnahmen gegen Vorfälle einfordern. Zudem gilt es, jüdisches Leben durch Bildungsprogramme zu fördern und gegen israelbezogenen Antisemitismus zu kämpfen.
- Die JSUD steht für eine demokratische, pluralistische und inklusive jüdische Gemeinschaft. Gruppen wie Betar Germany, die rechtsextreme Positionen vertreten, widersprechen diesen Werten und haben keinen Platz in unseren Strukturen. Ich lehne eine Zusammenarbeit mit solchen Organisationen ab.
- Um jüdische Studierende und Young Professionals besser zu erreichen, sollte die JSUD auf regionale, digitale und niederschwellige Angebote setzen. Wir müssen Regionalverbände unterstützen, lokale Netzwerktreffen und digitale Austauschformate fördern. Eine stärkere digitale Präsenz über Social Media und Online-Formate ist entscheidend. Kooperationen mit Hochschulen und Mentoring-Programme können langfristige Bindungen schaffen.
- Die Integration patrilinearer Jüdinnen und Juden ist entscheidend für die Einheit der JSUD. Sie erfahren sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gemeinschaft Ausgrenzung. Ich schlage vor, Formate zu schaffen, die Identität und Ausgrenzung thematisieren sowie ein integratives Miteinander fördern. Obwohl die Satzung eine Teilnahme an den Wahlen ausschließt, ist es wichtig, ihre Erfahrungen in die Weiterentwicklung der JSUD einzubeziehen.
- Mein Wunsch für den JSUD-Vorstand ist eine Zusammenarbeit, die sich auf unsere gemeinsame Mission konzentriert. Unabhängig von individuellen Meinungen sollten wir die Interessen der jüdischen Studierenden vertreten und uns auf unser Ziel – eine gerechte, inklusive Gesellschaft – fokussieren, um mit voller Energie für die jüdischen Studierenden einzutreten.
Deborah Kogan ist 21 Jahre alt und studiert Europäische Medienwissenschaft in Potsdam.
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Alexandra Krioukov
- Ich würde mich mit allen zusammensetzen, um zu besprechen, wie wir in den nächsten zwei Jahren zusammenarbeiten, welche Ziele wir haben und wie wir sie erreichen. Danach sollten wir ein erstes Zoom-Meeting mit Aktiven organisieren, um ihre Perspektiven einzubeziehen.
- Das größte Problem sind neben antisemitischen Stimmen die vielen »neutralen« Zuschauer. Wir sollten versuchen, diejenigen zu erreichen, die offen für Dialog sind. Gegen extremistische und gewalttätige Personen muss das Haus- und Ordnungsrecht konsequent angewendet werden. Exmatrikulation ist der letzte Schritt, davor gibt es Hausverweise, Streichung finanzieller Mittel oder das Auflösen menschenverachtender Aktionen. Zudem sollte die JSUD gemeinsam mit den Regios Musteranträge für Studierendenparlamente erstellen und mit Hochschulgruppen sowie Jungparteien kooperieren.
- Meinungspluralismus endet bei Hass und Hetze – innerhalb und außerhalb unserer Community. Gruppen, die rechtsextreme Haltungen stärken, sind eine Gefahr, besonders auf der Führungsebene. Man kann ihnen nicht neutral begegnen und sollte ihre Haltung nicht legitimieren. Wer tolerant bleiben will, darf Intoleranz nicht tolerieren.
- Wir sollten stärker an neu gegründete Uni-Gruppen anknüpfen, die jüdischen Studierenden einen Safer Space bieten. Gleichzeitig brauchen wir mehr Angebote für Young Professionals, damit klar ist: Die JSUD vertritt alle von 18 bis 35 – nicht nur Studierende. Das EDA-Magazin zeigt, wie man Menschen eine Plattform bieten kann, um ihre Fähigkeiten einzubringen. Die JSUD sollte ein Raum sein, in dem Visionen vernetzt und realisiert werden können. Ein Outreach-Referat wäre sinnvoll, um die Zugänglichkeit der JSUD zu verbessern.
- Ja. Es wird schwer sein, unsere Satzungen zu ändern, aber wir müssen unsere Veranstaltungen inklusiv und angenehm für alle gestalten. Außerdem sollten wir patrilineare Jüdinnen und Juden unterstützen, wenn sie Ämter in anderen Organisationen anstreben. Auf regionaler und internationaler Ebene gibt es oft Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen.
- Eine Amtszeit, in der wir nicht ständig Krisen bewältigen müssen. Stattdessen sollten wir proaktiv Schwerpunkte setzen, mehr von der Politik fordern und mit Programmen und Angeboten stärker in die Community wirken.
Alexandra Krioukov ist 22 Jahre alt und studiert Jura in Berlin.
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Nicole Pastuhoff
- Mein vorrangiges Anliegen ist die Stärkung der Regionalverbände. Als ehemalige Präsidentin eines Regionalverbands kenne ich die Herausforderungen vor Ort und möchte die Ressourcen der JSUD gezielt nutzen, um den Regionalausschuss in seinen Kompetenzen zu fördern. Dazu gehören unter anderem der erleichterte Zugang zur Mikroförderung des Zentralrats sowie Region-spezifische Anfragen, die an die JSUD gestellt werden, den jeweiligen Regionalverbänden anzubieten.
- Ich möchte dieses Thema in den Koalitionsvertrag bringen. Darüber hinaus möchte ich dabei helfen, neue jüdische Hochschulgruppen aufzubauen und bestehende Initiativen zu unterstützen.
- Wir als Team »Koach« schließen uns dem Regionalausschuss in seiner Aussage an, dass es grundsätzlich gut ist, wenn es Betar Germany gibt. Eine Zusammenarbeit ist jedoch ausgeschlossen, wenn die Organisation, insbesondere von tonangebenden Personen, für Hass und Extremismus missbraucht wird. Die JSUD ist sowohl in ihrer politischen als auch zionistischen Ausrichtung überparteilich. Linke bis konservative Ausrichtungen des Zionismus sind willkommen, extremistische nicht.
- Um jüdische Studierende und Young Professionals auch in kleineren Gemeinden zu erreichen, hat die JSUD die Aufgabe, ihre Angebote gezielt auf lokale Standorte auszubreiten. Hierfür ist insbesondere die Kooperation mit den Regionalverbänden essenziell.
- Ich bin dafür, zwischen patrilinearen und halachischen Jüdinnen und Juden nicht zu unterscheiden. Als Organ des Zentralrats folgt die JSUD dessen Regularien, wodurch bei der Vollversammlung die halachischen Vorgaben gelten. Ich bedaure, dass dadurch nicht alle gleichberechtigt mitbestimmen können, insbesondere da die JSUD die Interessen aller jungen Jüdinnen und Juden vertritt. Dennoch bietet die JSUD viele Angebote für patrilineare Jüdinnen und Juden – diese gilt es auszubauen.
- Mein Wunsch für die JSUD ist, dass sie sich als politische Interessenvertretung verstärkt auch zu gesellschaftlichen Themen aus jüdischer Perspektive positioniert, ohne dass der Kampf gegen Antisemitismus ihre gesamte Energie bindet.
Nicole Pastuhoff ist 24 Jahre alt, lebt in Düsseldorf und studiert Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen.
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Noam Petri
- Ich würde ein Diskussionsformat etablieren, in dem mindestens zwei junge Juden mit konträren Meinungen – von links bis konservativ – zu einem Thema offen und zivilisiert diskutieren. Die JSUD muss als überparteiliche Organisation dem Trend der politischen Polarisierung entgegenwirken. Es kann und darf nicht sein, dass sich junge Juden zunehmend in ihren eigenen politischen Blasen einnisten.
- Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit. Das Problem an den Universitäten sind nicht nur extremistische Studenten und ihre Kooperationspartner, sondern auch der Hochschulbetrieb beziehungsweise die Hochschulleitungen, die die Extremisten gewähren lassen. Ich würde gemeinsam mit Experten einen professionellen Lagebericht über die bundesweiten Verstrickungen von Hochschulgruppen und außeruniversitären Extremisten verfassen, um der Politik, den Medien und der Gesellschaft das Ausmaß darzustellen. Ziel muss es sein, ein Umdenken in der Bildungspolitik zu erzielen. Wenn wir das nicht schaffen, haben wir in wenigen Jahren amerikanische Zustände.
- Wir als Team »Koach« schließen uns dem Regionalausschuss in seiner Aussage an, dass es grundsätzlich gut ist, wenn es Betar Germany gibt. Eine Zusammenarbeit ist jedoch ausgeschlossen, wenn die Organisation, insbesondere von tonangebenden Personen, für Hass und Extremismus missbraucht wird. Die JSUD ist sowohl in ihrer politischen als auch zionistischen Ausrichtung überparteilich. Linke bis konservative Ausrichtungen des Zionismus sind willkommen, extremistische nicht.
- Die JSUD könnte diese Gruppe besser erreichen, indem sie regelmäßig Schabbatonim in kleineren Gemeinden veranstaltet, die Regionalverbände gezielt unterstützt und die Gründung jüdischer Hochschulgruppen fördert. Dadurch würden Vernetzung, lokale Strukturen und jüdisches Leben auch außerhalb großer Gemeinden gestärkt.
- Die JSUD ist Teil des Zentralrats, der eine Stimmberechtigung an die Halacha knüpft. Nichtsdestotrotz ist und wird die JSUD weiterhin offen für patrilineare Juden sein, die sich als Aktive in allen Bereichen einbringen möchten.
- Die JSUD ist mit ihren Aktiven schon in Südamerika und Osteuropa gewesen. Ich würde mir eine Reise in ein afrikanisches Land wünschen, in dem wir gemeinsam die jüdische Geschichte des jeweiligen Landes kennenlernen.
Noam Petri ist 21 Jahre alt und studiert in Berlin Humanmedizin.
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Noam Quensel
- Als Leiter des Religionsreferats habe ich die religiöse Vielfalt in der JSUD aktiv mitgestaltet. Da diese Stelle mit meiner Wahl frei wird, werde ich sofort eine engagierte Nachfolge suchen, um die religiösen Bedürfnisse jüdischer Studierender weiter zu fördern.
- Die JSUD hat bereits viel gegen den Antisemitismus getan. Doch letztendlich sehe ich es nicht als Aufgabe der JSUD, den Kampf gegen den Antisemitismus anzuführen – die Gesamtgesellschaft muss Verantwortung übernehmen. Insbesondere müssen die Universitäts- und Fachbereichsleitungen klar Position beziehen und einschneidende Maßnahmen ergreifen gegen solche Personen, die auf antisemitische Weise den Universitätsfrieden stören. Gleichzeitig müssen wir nicht-jüdische Studierendenverbände in die Pflicht nehmen, damit auch sie sich aktiv am Kampf gegen den Antisemitismus beteiligen.
- Betar Germany ist eine rechtspopulistische Organisation, die für Rassismus, Sexismus und Muslimfeindlichkeit steht – das widerspricht den Werten jüdischer Ethik und den Grundsätzen der JSUD. Ich setze mich entschieden dafür ein, dass diese Gruppe keine Anerkennung erfährt.
- Durch meine langjährige Arbeit bei Jewish Experience e.V. habe ich gelernt, wie wichtig es ist, dezentrale Strukturen aufzubauen. Um jüdische Studierende außerhalb großer Städte einzubinden, brauchen wir lokale Anlaufstellen, hybride Formate und Mentoring- sowie Vernetzungsprogramme.
- Die JSUD ist ein Ort für alle jüdischen Menschen in Deutschland – das schließt patrilineare Jüdinnen und Juden nicht aus. Wir müssen zeigen, dass auch sie einen festen Platz bei uns haben. Letztendlich ist dies aber eine Frage für die Führung des Zentralrats, hierzu eine klare Position zu entwickeln.
- Ich wünsche mir, dass wir uns ganz auf Community Building konzentrieren können und wir als Jüdinnen und Juden nicht mehr in der Not sind, uns gegen Alltagsanfeindungen und Antisemitismus wehren zu müssen.
Noam Quensel ist 18 Jahre alt und macht sein Abitur an der I. E. Lichtigfeld-Schule in Frankfurt am Main.
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Naomi Tamir
- Ich würde das bereits bestehende Projekt der Inklusion von Israelis durch die Schaffung einer JSUD-Taskforce flächendeckend ausbauen. Diese würde eine Kooperation mit der israelischen Botschaft in Berlin, den Regio-Gruppen sowie den israelischen Universitäten schaffen und vertiefen. Ziel wäre es zum Beispiel, den israelischen Erasmus-Studenten eine Hilfe und Familie zu sein, indem wir sie in die Strukturen einbeziehen.
- Gemeinsam mit den Antisemitismusbeauftragten, RIAS, SABRA, der Amadeu Antonio Stiftung und anderen eine bundesweite Informationskampagne konzipieren, die insbesondere über linksextreme und islamistische Gruppierungen aufklärt, die an Hochschulen aktiv sind.
- So, wie sich der Zentralrat von der AfD distanziert, so distanzieren auch wir uns von Gruppen und besonders deren Leitern, die eine ganz klare Verbindung zur AfD pflegen und demokratiegefährdende Ideologien vertreten. Gemeinsam mit meinem Team Achdut positioniere ich mich moralisch klar und stelle mich entschlossen hinter die öffentlichen Positionierungen anderer, wie den Regionalverbänden.
- Durch erweiterte Angebote von Onboarding- und Skill-Seminaren oder die Unterstützung von Neugründungen, wofür es aus meiner Erfahrung oft nur Skillsharing und Mentoring braucht. Da die JSUD in den letzten Jahren auch Aktive aus großen Gemeinden nicht immer erreicht hat, soll verstärkt mit weiteren jüdischen Organisationen wie Hillel, MDJ, Olami, Taglit, ELES, TaMaR, aber vor allem mit den Regios enger kooperiert werden.
- Eine nennenswerte Anzahl der Aktiven in den lokalen und regionalen Gruppen leistet wichtige Arbeit und bildet einen integralen Bestandteil des jungen jüdischen Lebens, kann sich jedoch bei dieser Wahl nicht einbringen oder wählen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es im Interesse des Zentralrats ist, diese Aktiven zu involvieren und zum Beispiel für die Teilnahme an Veranstaltungen Kompromisse zu finden.
- Ich wünsche mir für die JSUD und für die gesamte jüdische Gemeinschaft weltweit, dass wir bald nicht mehr die Tage seit dem 7. Oktober und nicht mehr die Anzahl der Geiseln zählen müssen. Bis es so weit ist, heißt es weiterhin: Bring them home!
Naomi Tamir ist 21 Jahre alt und studiert Sozialwissenschaften in Düsseldorf.