Ordination

Langer Weg zum Rabbinat

Wird zunächt zurück in die Vereinigten Staaten gehen: Nizan Stein Kokin wird als erste in Deutschland ausgebildete Masorti-Rabbinerin ordiniert. Foto: Tobias Barniske

Ich hatte schon in der Jugend das Bedürfnis, in einem geistlichen Amt zu arbeiten.» Nizan Stein Kokin wuchs in einem christlich geprägten Milieu in der Nähe von Karlsruhe auf. Am Sonntag wird sie zur ersten Rabbinerin der Masorti-Bewegung in Deutschland seit der Schoa ordiniert.

«Nizan» bedeutet im Hebräischen «grüner Spross». Ein Name, der wohl Sinnbild für ihren langen Weg zur Masorti-Rabbinerin ist. Sie war Anfang 20, als sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) nach Israel ging. Sie interessierte sich sehr für jüdische Geschichte und Kultur. «Damals dachte ich, wenn ich meinen christlichen Glauben verstehen möchte, muss ich auch die Kultur ergründen, aus der er sich entwickelt hat.»

Sie wollte das rabbinische Judentum näher kennenlernen, und recht schnell sei es dabei sehr persönlich geworden. Ihr Studium in Jerusalem schloss Stein Kokin mit einem Master im Fach Judaistik ab. Doch es sollte nicht allein beim akademischen Interesse am Judentum bleiben. Und so machte sie einen orthodoxen Gijur. Das war vor 18 Jahren. «Das Ganzheitliche hat mich am Judentum angesprochen.»

Hebrew College In Israel lernte Stein Kokin ihren späteren Mann kennen, einen Amerikaner, mit dem sie 2002 in die Vereinigten Staaten zog, wo sie in Boston am Hebrew College ein Studium in Jewish Education aufnahm. Die jüdische Bildungsarbeit sowohl mit Kindern und Jugendlichen als auch mit Erwachsenen ist ihr ein Herzensanliegen.

Doch dann öffnete sich ein ganz neues Fenster, als 2013 an der Universität Potsdam mit dem Zacharias Frankel College erstmals in Deutschland eine Rabbinerausbildung für die konservative Ausrichtung ermöglicht wurde. Masorti legt großen Wert auf die Halacha, ist aber egalitär und bietet Frauen die Möglichkeit, ein geistliches Amt zu übernehmen. Stein Kokin erinnerte sich an ihre Jugendträume, bewarb sich am Frankel College und wurde dessen erste Studentin. «Da war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort», sagt sie.

Stein Kokins Vorbild ist Regina Jonas, die 1935 zur weltweit ersten Rabbinerin ordiniert wurde. Mit ihrem halachischen Denken hat sich Stein Kokin in ihrer Masterarbeit auseinandergesetzt. «Es war mir einfach wichtig, dass auch meine Kinder sehen, dass Frauen ins öffentliche Gemeindeleben integriert sind und am Gottesdienst beteiligt sein können.» Derzeit lebt sie mit ihrem Mann und den zwei Töchtern in Los Angeles. Wohin sie nach ihrer Ordination gehen wird, ist noch offen. Jetzt freut sie sich erst einmal auf den Sonntag. «Es ist ein unglaubliches Privileg, wie ein Geschenk, ein kleines Werkzeug in der großen Geschichte zu sein.»

Dresden

Jüdisches Leben: Gefühl von Unsicherheit im Alltag

In Sachsen gestalten Jüdinnen und Juden das kulturelle und gesellschaftliche Leben entscheidend mit. Dennoch bleibt Antisemitismus ein präsentes Problem

 23.06.2026

Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter kritisiert, dass jüdische und israelische Küche zunehmend nur noch mit Schutzkonzept serviert werden kann

 23.06.2026

Berlin

Zusammen genießen

Zum fünften Mal fand das Koschere Streetfood-Festival statt – mit Geschmäckern von fast überall

von Katrin Richter  23.06.2026

Jubiläum

Fünf Jahre jüdische Seelsorge der Bundeswehr: Militärrabbiner Zsolt Balla zieht Bilanz

Seit dem Start der jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren wächst ihre Bedeutung in der Truppe. Sieben Militärrabbiner tun inzwischen Dienst. Ein Fazit - mit Blick auf Zeitenwende und deutsche Geschichte

von Karin Wollschläger  23.06.2026

Bildung

»Die jüdische Sicht stärken«

Eduard Steinberg über den neu gegründeten Verband jüdischer Pädagogen, Ausbildung von Lehrern und Fakten statt Meinungen

von Katrin Richter  22.06.2026

Maccabi

Eine Feier für den jüdischen Sport

Der Verein lud zum traditionellen Sommerfest im Vereinsgelände an der Riemer Straße

von Luis Gruhler  21.06.2026

München

Ganz im Vertrauen

Seit rund sechs Wochen ist Dominik Krause als Oberbürgermeister im Amt. Nun traf er sich mit Vertretern des Vorstandes der IKG zum Gespräch

von Luis Gruhler  21.06.2026

Porträt der Woche

Flucht und Farben

Alexander Glinkin ist Maler. Im Frühjahr 2022 verließ er Kyjiw und lebt heute in Berlin

von Matthias Messmer  21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026