Vielfalt

Jüdisch reisen

Auf den Spuren jüdischen Lebens: Beim »Instawalk« wurden Geschichte und Gegenwart erforscht. Foto: Marina Maisel

Vielfalt ist so etwas wie ein Markenzeichen jüdischen Lebens. Daran ändern auch die Beschränkungen durch die Corona-Krise nichts. Der beste Beweis dafür ist der Europäische Tag der jüdischen Kultur, der seit 2007 in München gefeiert wird und längst eine feste Größe im Terminkalender der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist.

Die digitale Performance der Gemeinde, die in den vergangenen krisengeschüttelten Monaten erheblich angehoben wurde, war bei dem kulturellen Event, das in diesem Jahr unter dem Leitthema »Jewish Journeys« stand, ein fester Parameter. Dazu zählte zum Beispiel die Übertragung auf der Internet-Plattform »IKG LIVE!« direkt aus dem Gemeindezentrum, die jüdische Kultur aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln veranschaulichte und von Armand Presser moderiert wurde.

film Studiogäste waren neben Repräsentanten der Gemeinde auch die Künstlerin Ilana Lewitan, der Historiker Frank Bajohr und der Filmemacher Emanuel Rotstein. Sie sprachen unter anderem über den Film Persischstunden, der Teil des Programms war und zwei Wochen vor der eigentlichen Premiere in den »City Kinos« gezeigt wurde. Die zweieinhalbstündige Aufzeichnung ist auf »IKG LIVE!« (Benutzername: ikg, Passwort: live) jederzeit abrufbar.

Das vorrangig digitale Format des Europäischen Tags der jüdischen Kultur schlug sich mit einem »Instawalk« direkt im Programm nieder.

Das vorrangig digitale Format des Europäischen Tags der jüdischen Kultur schlug sich mit einem »Instawalk« direkt im Programm nieder. Ziel des fotografischen Abstechers war der Marienplatz, der eng mit der Geschichte jüdischen Lebens in München verbunden ist und von den Teilnehmern auf unterschiedlichste Weise wahrgenommen wurde. Ihre Smartphone-Fotos wurden anschließend auf Instagram hochgeladen und traten in Dialog mit historischen Aufnahmen.

Im Programmheft zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur hatte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch auf einen zentralen Auftrag für das Kulturzentrum hingewiesen. Es gelte, möglichst viele Menschen zu erreichen und sie mit allen Aspekten des Judentums in Berührung zu bringen. Mit dem Wetter hatte sie bei dieser Forderung einen freundlichen Helfer zur Seite, der den Tag in strahlenden Sonnenschein tauchte und für ausgesprochen lebhaftes Interesse sorgte.

warteliste Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl bei den einzelnen Veranstaltungen konnten nicht alle Wünsche erfüllt werden. Ellen Presser, die Leiterin der Kulturabteilung der IKG, die eine Führung über den Alten Israelitischen Friedhof verantwortete, war beispielsweise davon betroffen: »Das Interesse war so groß, dass ich schon eine Warteliste für mindestens zwei weitere Führungen habe.«

Neben dem »Instawalk« und der Führung durch den Friedhof gehörten auch die zwei »Exkursionen« mit Chaim Frank zu den Freiluft-Veranstaltungen. Bereits seit 35 Jahren begibt er sich bei Rundgängen mit interessierten Gästen auf die Suche nach den Spuren jüdischen Lebens in der Stadt, auch diesmal wieder mit großer Resonanz beim Publikum.

Die freundschaftliche Beziehung der IKG zum benachbarten ORAG-Haus der Schneiderinnung, das ein ganzes Schaufenster zur Verfügung stellte, machte schließlich auch noch die Ausstellung einer Puppenstube aus der Werkstatt der 1900 gegründeten Firma Wallach möglich. Die Brüder Moritz und Julius machten nicht nur Puppenstuben im folkloristischen Stil populär, auch das Dirndl wurde durch sie salonfähig. Mit den Nazis änderte sich alles. Einem Teil der jüdischen Familie gelang die Emigration, andere wurden Opfer der Schoa.

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