Keren Kayemeth Leisrael

Ideen für morgen

Es scheint, als hätte Mara, Katarina und Guilior von der Frankfurter Lichtigfeld-Schule der Schalk im Nacken gesessen. Der Kurzfilm Beam me up – or not …, den die drei für den ersten deutsch-israelischen Schülerwettbewerb »Mobile Ideen für Morgen« präsentierten, war der lustigste der drei Beiträge, die die Jury des Jüdischen Nationalfonds – Keren Kayemeth Leisrael (KKL) als Gewinner ausgewählt hatte. Als trödelige Schüler, die regelmäßig den Unterrichtsbeginn verschlafen, werden sie mit Zahnbürste im Mund, Müslischale in der Hand und Regenschirm in die Klasse teleportiert und so den Zuschauern vorgestellt.

Das Beamen wäre die Lösung schlechthin, fantasieren Mara, Katarina und Guilior fröhlich vor sich hin und rechnen vor, wie viele Autos heute die Straßen verstopfen, wie viel Energie aufgewendet und Kohlendioxid in die Luft geblasen wird, um Menschen und Güter von A nach B zu bringen. Wie viel einfacher wäre es, man könnte zur Partnerschule nach Tel Aviv beamen.

Luftverschmutzung Aber dann gehen sie ins Detail der Probleme mit der Luftverschmutzung und machen sich ernsthaft Gedanken, wie Mobilität künftig aussehen könnte. Preiswerterer Nahverkehr mit Bussen und Bahnen – und mehr davon – könnten eine Lösung sein, glauben sie. Aber individuelle Fortbewegung werde es auch künftig geben müssen.

Und dann hat sie der Schalk wieder: Sie wollen das Auto revolutionieren. Auf kleinen Zetteln skizzieren sie ein Tretauto, optimiert durch Tesla-Turbinen an den Füßen, Vollgummireifen mit Rollen-Energierückgewinnung, Solarzellen-Verkleidung der Karosserie und Windmaschine auf dem Dach. Für diese Fantasie wurden sie von der Jury auf Platz 2 gewählt und am vergangenen Mittwoch im Rahmen des Paul-Spiegel-Filmfestivals der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf ausgezeichnet.

»Wir beschäftigen uns in Israel als grüne Umweltorganisation bekanntermaßen mit Bäumen und mit Wasser. Aber ein Teil unserer Arbeit sind Fahrradwege«, erzählt Schaul Chorev, Hauptdelegierter der Organisation für Deutschland, im Gespräch. Die Suche nach umweltfreundlicher und nachhaltiger Mobilität sei ein Thema, das in Deutschland wie in Israel zu den Zukunftsaufgaben gehöre und beide Länder verbinde.

Ausschreibung 23 Teams in der Altersgruppe zwischen 15 und 18 Jahren hatten sich in Deutschland von der Ausschreibung zu Filmprojekten inspirieren lassen und Arbeiten eingesandt. Im viel kleineren Israel seien es 50 gewesen. Dort allerdings ist der KKL eine etablierte Institution. Diese Altersstufe, die mit dem Wettbewerb erstmals angesprochen werde, sei die, die für eine bessere Zukunft Voraussetzungen schaffen könne, sagt Chorev.

Auch scheinbar skurrile Ideen könnten ein Anfang auf diesem Weg sein, glaubt Jürgen John, Michelin-Direktor für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er war Teilnehmer einer Podiumsdiskussion im Leo-Baeck-Saal der Gemeinde. Rogel Rachman, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der israelischen Botschaft in Berlin und Jurymitglied, zeigte sich von den originellen und innovativen Vorschlägen der jugendlichen Filmemacher beeindruckt, aber auch von ihren filmischen Ideen. Ulrich Witte von der Bundesstiftung Umwelt hob in der Runde hervor, dass es künftig wichtig sein werde, zu einem neuen Mobilitätsverhalten zu kommen. Er maß dabei nicht zuletzt dem Fahrrad eine besondere Rolle zu.

Fantasie Mit Fahrrädern beginnt das Video Fuel-Cell-Energy von Sophia, Reto und Linus aus Bielefeld, denn so kommen im flachen Ostwestfalen die meisten Schüler zu ihren Friedrich-von-Bodelschwingh-Schulen im Stadtteil Bethel. Aber dann folgen Bildszenen mit dichten Verkehrsströmen zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Die Sorge der Gruppe dreht sich um die Erderwärmung durch den Schadstoffausstoß beim Verbrennen fossiler Rohstoffe.

Ihre Alternative ist, das Energiepotenzial von Wasserstoff zu nutzen. So etwas kann die Brennstoffzelle. Mithilfe von Sonnenenergie wird aus Wasser Wasserstoff gewonnen. Der verbrennt dann im Gebrauch wieder zu Wasser und liefert neue Energie. In einer Szene erläutern sie das Modell, um dann die Zuschauer zu Gesprächen in den Hamburger Flughafen mitzunehmen, wo mit Brennstoffzellen betriebene Schleppfahrzeuge getestet werden. Ihr Fazit: Das ist noch nicht billig, aber entwicklungsfähig. Und im Testbetrieb funktioniert es.

Die Jury belohnte Sophia, Reto und Linus mit Platz drei. Beim ersten Platz geht es ums Fahrrad, vor allem um sicheres Fahrradfahren. Ulrike, Susanne, Cindy und Maxi vom Friedrich-Schiller-Gymnasium im brandenburgischen Königs Wusterhausen wollten mit ihrem viereinhalb Minuten langen Film nicht nur für das Fahrradfahren werben, sondern auch etwas bewirken.

Sicherheitscheck In Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei organisierten sie einen Sicherheitscheck für die Räder ihrer Mitschüler, den ersten dieser Art in ihrer Stadt. Diese Idee wird nachhaltig sein: Der Schulleiter hat versprochen, ihn künftig jährlich anzubieten. Bemerkenswert an diesem Beitrag ist, dass er durchgehend in gutem Englisch gehalten ist und dadurch auch bei einer Vorführung in Israel verstanden werden kann.

Sylvia Löhrmann, nordrhein-westfälische Ministerin für Schule und Weiterbildung, war besonders beeindruckt davon, dass die Projekte »ganzheitlich« in mehreren Schulfächern zugleich Kompetenzen gefördert hätten, darunter in Englisch, Biologie, Physik, Chemie oder Informatik.

Die Siegerurkunden des Preises »Nachhaltige Mobilität« überreichte Ministerialrätin Astrid Mohn vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Auftrag des Schirmherrn des Wettbewerbs, Bundesminister Alexander Dobrindt. Den drei Gewinnern winkt auf Einladung des KKL eine gemeinsame Israelreise.

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