Sport

Hora in Sachsen

Die Leipzigerin Nathalie Ivasov hat sich auf israelische Volkstänze spezialisiert. Foto: Matti Goldschmidt

Israelische Folkloretänze sind »alte Sachn«? Von wegen! Für Nathalie Ivasov sind Hora, Chulu oder Debka Kafrit richtig modern und ziehen eben nicht nur Ältere aufs Parkett.

Die Liebe zum Tanz begann in Leipzig, denn 2002 kam die 1994 in Odessa geborene spätere Tänzerin nach Deutschland. Zunächst in eine kleine Gemeinde in Sachsen namens Borsdorf und ein Jahr später nach Leipzig. Es war Nathalies Großvater, der seiner Enkelin die jüdische Kultur weiterhin nahebringen wollte, und so besuchte Ivasov in der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig nicht nur einen Mal-, sondern auch einen Gesangskurs. Nach nur wenigen Monaten hatte diese Gesangsgruppe ihren ersten öffentlichen Auftritt – zufällig zusammen mit der Tanzgruppe »Gvanim«.

Als Nathalie die Gruppe tanzen sah, erzählt sie, war sie begeistert und ließ über ihren Großvater anfragen, ob sie mitmachen könne. Da alle Mitglieder älter als 20 Jahre alt waren und Nathalie noch viel zu jung war, gab es erst einmal keine Zusage.

Choreografie Vier Jahre später aber versuchte sie es erneut. Diesmal entschied sich die Leiterin der Gruppe, Galina Kapitanova, sie aufzunehmen. Und spätestens seit diesem Augenblick dreht sich bei Nathalie vieles um israelischen Folkloretanz.

Neben regelmäßigen Proben und Auftritten hieß das auch: Workshops besuchen, andere Tanzgruppen treffen und sich mit ihnen austauschen.
Ihre Tanzkünste waren auch auf Nathalies erster Israelreise mit »Taglit« im März 2016 gefragt. Obwohl israelischer Volkstanz nicht wirklich Teil von Taglit ist, wurde sie von den Madrichim gebeten, an einem freien Abend ein wenig von ihrem Wissen und Können weiterzugeben. Und so kam die vollkommen tanzunerfahrene Gruppe plötzlich mit sogenannten Pionierkreistänzen wie »Tzadik KaTamar«, »Od Lo Ahavti Dai« und »Hora Hadera« in Berührung.

»Hora Hadera«, »Od Lo Ahavti Dai« sind israelische Tänze, die viele kennen.

Hinter jedem Tanz steckt eine Geschichte, stehen Menschen. Das Gros der »Erfinder« dieses kulturellen Eckpfeilers Israels kam aus dem deutschsprachigen Raum. Als Mutter des israelischen Volkstanzes gilt die Leipzigerin Gertrud Kaufmann, die bereits 1920 nach Palästina übersiedelte, Gründungsmitglied des Kibbuz Chefziba wurde und sich später Gurit Kadman nennen sollte.

Im jüdischen Wanderbund Blau-Weiß lernte Kadman Rivka Sturman kennen. Sturman kam in Warschau zur Welt, ihre Familie zog mit der Zweijährigen nach Leipzig. 1929 wanderte sie nach Palästina aus und wurde eine der prägenden Vertreterinnen des israelischen Volkstanzes.

Glücksfall Das ganz praktische Wissen weiterzugeben, das ist auch Nathalies Anliegen. Seit 2019 nimmt sie regelmäßig an den von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) organisierten israelischen Volkstanzkursen teil. Lange Zeit wurden die von der heute 100-jährigen Düsseldorferin Tirza Hodes geleitet, die, wie es ZWST-Direktor Aron Schuster zu ihrem Geburtstag betonte, »ein Glücksfall für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland« ist.

Ivasov ist frisch gebackene »Tanzleiterin für Tanzkultur«, einen Kurs, den sie in München absolvierte, um eine fundierte, professionelle Lehrkompetenz in der pädagogischen Breitenarbeit zu erlangen. Außerdem hat die 28-Jährige ihre eigene Tanzgruppe »Sameach« gegründet, nachdem sie im Juni 2020 Gvanim verlassen hatte, um ihre eigenen tanzfolkloristischen Ideen zu realisieren.

Die »Mutter des Volktanzes« kam 1897 in Leipzig zur Welt.
Auch den Jüngsten möchte die angehende Kinderpädagogin ihre Liebe zum Tanz vermitteln, nämlich in der Kindergruppe »Shemesh«.
Nathalie Ivasov geht in städtische Schulen, zeigt jüdischen und nichtjüdischen Kindern, wie israelische Volkstänze aussehen, wie sie sich anfühlen. Sie ist eine Botschafterin des israelischen Volkstanzes – wie einst ihre bekannten tänzerischen Vorfahrinnen, Gurit Kadman und Rivka Sturman.

Der Autor ist Choreograf und gibt selbst international Tanzkurse.

Todestag

Wenn Worte überleben - Vor 80 Jahren starb Anne Frank

Gesicht der Schoa, berühmteste Tagebuch-Schreiberin der Welt und zugleich eine Teenagerin mit alterstypischen Sorgen: Die Geschichte der Anne Frank geht noch heute Menschen weltweit unter die Haut

von Michael Grau, Michaela Hütig  27.03.2025

Bücher

Stöbern, ausleihen, lesen

In den Bibliotheken der jüdischen Gemeinden finden sich Romane, religiöse Literatur oder Geschichten für Kinder. Mitglieder und Besucher können sich in Ruhe auf die Suche nach ihrer Lieblingslektüre machen

von Christine Schmitt, Katrin Richter  27.03.2025

Berlin

Geschichte sichtbar machen

Eine neue Gedenktafel erinnert an das ehemalige Logenhaus von B’nai B’rith Berlin

von Christine Schmitt  27.03.2025

Berlin

Zwischen allen Welten

Die private Fotosammlung der Chemnitzer Erzieherin Käte Frank von 1928 – 1942 ist Zeugnis einer abenteuerlichen Flucht

von Sabine Schereck  26.03.2025

Konzert

Erlös für das Jugenddorf Hadassim

Die WIZO München widmete David Stopnitzer sel. A. einen bewegenden Abend mit Kantor Chaim Stern

von Luis Gruhler  25.03.2025

Bildung

Förderung für zehn Projekte zu NS-Verbrechen

Die geförderten Projekte verteilen sich auf mehrere Bundesländer

 25.03.2025

Austausch

Der andere Blick

Petra Pau und Jenny Havemann sprachen im Gemeindezentrum über ihre Wahrnehmung der Länder Deutschland und Israel

von Nora Niemann  24.03.2025

Schwäbische Alb

Erinnerung sucht Nachfolger

Ehrenamtliche rekonstruieren in großer Fleißarbeit jüdische Geschichte. Doch wer kümmert sich darum, wenn sie es nicht mehr schaffen?

von Valentin Schmid  23.03.2025

Porträt der Woche

Der unbeirrbare Maler

Amnon David Ar folgt mit Disziplin und Leidenschaft seiner Kunst

von Alicia Rust  23.03.2025