Worms

Aufgebaut aus Ruinen

Die Nazi-Morde der Zwickauer Terrorbande haben auch den Festakt zum 50-jährigen Wiederaufbau der Synagoge Worms überschattet. »Es ist die Pflicht eines Rechtsstaates, sich zur Wehr zu setzen«, betonte Ministerpräsident Kurt Beck bei seiner Festansprache am 1. Dezember. Den Wiederaufbau feiern zu können, bedeute in dieser Zeit sowohl einen Tag der Freude als auch des Mahnens, sagte Beck.

Er versicherte den rund 150 Gästen, unter ihnen auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, sowie die Vorsitzende der Gemeinden Mainz und Worms, Stella Schindler-Siegreich, energischen Widerstand gegen alle Kräfte zu leisten, die »den gleichen Ungeist« verbreiteten, der einst zum Judenmord in der NS-Zeit geführt habe.

Auch der Generalkonsul des Staates Israel, Tibor Shalev Schlosser, ging auf die aktuellen Erkenntnisse rund um die rechte Terrorszene ein. Er begrüßte zwar das zunehmende Bewusstsein für die Bedeutung des jüdischen Erbes und speziell der sogenannten Schum-Städte Mainz, Worms und Speyer, verwies aber auch darauf, dass die Zahl antisemitischer Übergriffe zugenommen habe. Für die Gewähr der Redefreiheit in einer Demokratie gebe es nur eine einzige Ausnahme: wenn diese Redefreiheit missbraucht werde. Rechtem Terror und denjenigen, die die Demokratie aushöhlten, müsse man »kraftvoll und engagiert entgegentreten«, sagte Shalev Schlosser.

Baugeschichte Schindler-Siegreich ging auf die wechselvolle Geschichte der Synagoge ein. Sie gehöre zu den historisch bedeutsamsten jüdischen Gotteshäusern in Deutschland, deren Baugeschichte 1.000 Jahre zurückreicht. Denn in Speyer, Mainz und Worms entwickelte sich zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert ein geistiges und kulturelles Zentrum des Judentums. Was dort gelehrt wurde, hatte Ausstrahlung auf alle jüdischen Gemeinden Europas.

In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. Schon 1946 begann die Diskussion über einen Wiederaufbau. Doch erst am 3. Dezember 1961 konnte die Synagoge nach dreijähriger Bauzeit feierlich eröffnet werden. Den Bau hatte der damalige Vizekanzler Ludwig Erhard befürwortet und politisch begleitet.

Einmalig Doch eine Gemeinde gab es lange nicht. Die Rekonstruktion einer Synagoge ohne Gemeinde blieb ein Einzelfall in der Nachkriegszeit und war umstritten. Gegen die Einrichtung eines Museums sprachen sich vor allem emigrierte Juden aus. So schrieb Carola Kaufmann-Levy 1955: »Mir will es nicht in den Sinn, dass der heilige Platz, an dem eine lange Kette meiner Ahnen ihren Gott suchte und fand, zum Schauplatz degradiert werden soll, an dem mehr oder minder Wohlmeinende sich ihr Urteil über die ihnen fremden Juden bilden sollen.«

Die Befürworter des Wiederaufbaus stützten sich auf die Hoffnung, dass sich in Zukunft wieder eine Gemeinde bilden werde. Dies war auch mit den jüdischen Zuwanderern aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ab 1990 gegeben. Doch das jüdische Leben ist derzeit wenig aktiv, hier wünscht sich Stella Schindler-Siegreich mehr Aktivitäten.

Derzeit bemühe man sich jedoch intensiv um die Anerkennung der Schum-Städte bei der Erziehungs- und Bildungseinrichtung der Vereinten Nationen als Weltkulturerbe. Hierfür sicherten Kurt Beck und der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel ihre Unterstützung zu.

München

»Auf geht’s – an die Arbeit!«

Die Israelitische Kultusgemeinde hat einen neuen Vorstand gewählt. Charlotte Knobloch wurde als Präsidentin im Amt bestätigt

von Leo Grudenberg  07.07.2026

Rabbinerausbildung

Levinson-Stiftung als Institut an der Uni Potsdam anerkannt

Neuer Meilenstein für die Ausbildung liberaler und konservativer Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantoren

 07.07.2026

Bayern

Die jüdische Gemeinde München hat einen neuen Vorstand gewählt

Charlotte Knobloch wurde als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern bestätigt

 06.07.2026 Aktualisiert

Porträt der Woche

Die Kraft der Sichtbarkeit

Rivkah Schwarzbart entwirft seit dem 7. Oktober jüdischen Schmuck und lebt in München

von Katrin Diehl  05.07.2026

Kommentar

Meine Angst

Was es heißt als Jude in Deutschland nach dem 7. Oktober zu leben. Ein Aufschrei von André Herzberg

von André Herzberg  05.07.2026

Schule

Blick nach vorn

Das Helene-Habermann-Gymnasium in München verabschiedete seine Abiturientinnen und Abiturienten – und feierte zugleich zehnjähriges Bestehen

von Ellen Presser  05.07.2026

Lesung

Sprache statt Wurzeln

Die aus dem Irak stammende Schriftstellerin Mona Yahia stellte in München ihr neues Buch über jüdisches Leben im arabischen Raum vor

von Nora Niemann  05.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026