Rendsburg

Alles neu

Claudia Kuhn hat das gemacht, was man eine steile Karriere nennt. Vor drei Jahren begann sie beim Jüdischen Museum Rendsburg als Volontärin. Jetzt ist sie die neue Leiterin des zweitältesten jüdischen Museums in Deutschland, das am 6. November 1988 in der ehemaligen, 1845 erbauten Rendsburger Synagoge mit Talmud-Tora-Schule als jüdisches Kulturzentrum eingerichtet wurde. Mehr noch: Die neue Leiterin kann mit Spenden in Höhe von 260.000 Euro starten, um das Museum neu aus- und einzurichten.

Die 34-Jährige studierte Medienpädagogik und Neue Geschichte und hat einen klar definierten Auftrag: Claudia Kuhn soll das Museum zukunftsfähig machen. Das Geld dazu geben die Hamburger Reemtsma- und die Zeit-Stiftung mit je 100.000 Euro. 60.000 Euro spendet die Berliner Friede-Springer-Stiftung. »Das Museum ist ein einzigartiger Ort«, sagte Christine Neuhaus von der Zeit-Stiftung. Carolin Vogel von der Reemtsma-Stiftung wünscht sich, dass das Museum mit seinen Besuchern ins Gespräch kommt.

Die Auseinandersetzung mit dem jüdischen Alltag heute soll intensiviert werden.

Modernisierung Das Modernisierungskonzept sieht einen Mix aus Licht, Farbe und digitalen Medien vor. Vieles davon ist schon vorhanden. An der Installation von aktuellen Themen wird zurzeit gearbeitet. So werden die Besucher bereits seit Sommer 2018 gebeten, dem Museum Exponate ihrer Erinnerungen an jüdisches Leben zu überlassen. Realisiert werden können diese Pläne aber nur mit einem der bisher größten Umbauten des Museums, der in drei Jahren abgeschlossen sein soll.

»Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft des Jüdischen Museums und wie wir sie gestalten. Wir werden beispielsweise die Fläche für die geschichtliche Ausstellung verdoppeln«, sagt Kirsten Baumann, Direktorin des Landesmuseums Gottorf, zu deren Museumskomplex das Jüdische Museum Rendsburg gehört. Die neue Dauerschau mit dem Arbeitstitel »Juden in Schleswig-Holstein – Geschichte eines steten Wandels« soll auf 240 Quadratmetern inszeniert und im Sommer 2022 eingeweiht werden.

Forschung Zurzeit fehle indes die aktuelle Forschung. Die aber gehört zum politischen Auftrag des Museums, gerade jetzt, wo der Antisemitismus wieder salonfähig wird. Die historischen Ausstellungen sollen in den Räumen installiert werden, in denen bis jetzt Kunstausstellungen stattfinden, beispielsweise mit Werken der Künstlerin und Lyrikerin des Surrealismus, Meret Oppenheim, oder der deutschen Malerin der Avantgarde, Anita Rée.

Die Präsentation mit digitalen Medien wurde komplettiert.

Zudem soll die Präsentation mit digitalen Medien komplettiert werden, um die Beschäftigung mit den Exponaten zu erleichtern. Noch ist die Dauerausstellung im ersten Stock neben der ehemaligen Frauenempore mit Kultgegenständen für jüdische Feste und Zeugnissen jüdischen Lebens mit Lesetafeln wie »Die Bäder«, »Die Synagogen« und »Jüdische Gemeinden und Grabstätten in Schleswig-Holstein« kombiniert. Das ist vor allem für Touristen, die im Sommer in Schleswig-Holstein zahlreich zu Gast sind, aufschlussreich, lockt aber keinesfalls Jugendliche und Schulklassen an.

Eine Marketinganalyse der Hochschule Heide zeigte, dass die Besucher vor allem an der Geschichte der Juden Schleswig-Holsteins interessiert sind. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust, dem Antisemitismus, der Migration und dem jüdischen Alltag heute soll intensiviert werden.Daher wiesen bereits die letzten Ausstellungen im Jüdischen Museum, die in der Regie des bisherigen Museumsleiters Carsten Fleischhauer kuratiert wurden, in die Zukunft, besonders die aktuelle Ausstellung Angezettelt über rassistische und antisemitische Aufkleber.

Schüler können sich künftig an der Gestaltung des Museums beteiligen.

Die Dauerausstellung indes endet mit dem Jahr 1945. Eine Gedenkmauer im Innenhof des Museums mit den Namen der letzten Rendsburger Juden erinnert an die Schoa.

zielgruppe »Die neue Hauptzielgruppe sind Schüler«, sagt Claudia Kuhn und bedient damit den Trend aller Museen, zumindest zwischen Hamburg und Flensburg. Auch der Kunstgriff, sich für die Neugestaltung Schüler ins Haus zu holen, beispielsweise von einem Gymnasium in Heide, ist neuerdings beliebt in Museen und anderen Kultureinrichtungen.

Claudia Kuhn kuratierte bereits als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums die Ausstellung Exodus, die im September 2017 zu sehen war. Für ihre künftige Unterstützung soll eine Halbtagsstelle für einen Museumspädagogen eingerichtet werden. Claudia Kuhn löst den 51-jährigen Carsten Fleischhauer ab, der als Leiter der grafischen Abteilung zu den Landesmuseen Schloss Gottorf nach Schleswig geht.

München

Ein lebendiger Ort der Begegnung

Das neue Familienzentrum lud in der Reichenbachstraße zu einem »gemein(de)samen« Nachmittag ein

von Esther Martel  20.01.2026

Würdigung

Oldenburgerin Elke Heger erhält den Albrecht Weinberg-Preis

Die Oldenburger Pädagogin Elke Heger erhält für ihr jahrzehntelanges Engagement für die Gemeinschaft zwischen Juden und Christen den Albrecht Weinberg-Preis. Zur Verleihung wird der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies erwartet

 20.01.2026

Essen

»Holo-Voices«: Zeitzeugen des Holocausts sollen für immer sprechen

Auf der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen startet ein Medienprojekt, das Zeugen des Holocausts mit Besuchern in einen Dialog bringt. »Holo-Voices« soll Zeitzeugen »eine Stimme für die Ewigkeit« geben

 20.01.2026

Gedenktag

Weltweit noch 196.600 jüdische Holocaust-Überlebende

Am 27. Januar wird an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 81 Jahren erinnert. Dort und an vielen anderen Orten ermordeten die Nationalsozialisten Millionen Juden. Noch können Überlebende von dem Grauen berichten

 20.01.2026

Interview

»Man tut sich mit den toten Juden leichter als mit den lebenden«

Die Münchnerin Eva Umlauf ist Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees. Auf eine bestimmte Art des Gedenkens an die Opfer der Schoa schaut sie kritisch – und sagt, was sie sich wünscht

von Leticia Witte  20.01.2026

Warnung

Holocaust-Überlebende besorgt um Zukunft der Demokratie

Sieben Holocaust-Überlebende berichten in dem Buch »Nach der Nacht«, welche politischen Entwicklungen ihnen Sorge bereiten

 19.01.2026

Interview

»Die Kita wird für alle offen sein«

Yevgeny Kutikov, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Potsdam, über die erste jüdische Kita in Brandenburg.

von Christine Schmitt  19.01.2026

Dachau

2025 mehr als eine Million Besucher in KZ-Gedenkstätte

Erstmals wurden in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein ganzes Jahr lang Besucher gezählt. 2025 waren es mehr als eine Million. Im kommenden Frühjahr will man deren Profil genauer untersuchen

 19.01.2026

Köln

Jüdischer Karnevalsverein antisemitisch angefeindet

»Es ist das bisher Heftigste, was uns passiert ist«, sagt der Präsident des jüdischen Karnevalsvereins »Kölsche Kippa Köpp«. Den Mut verliert Aaron Knappstein aber nicht

von Leticia Witte  19.01.2026