Lesen

Konzentriertes Grundwissen

Der erste von insgesamt drei Büchern: Folgen sollen Bände mit den Schwerpunkten Schabbat und Kaschrut sowie rabbinisches Schrifttum Foto: Hentrich & Hentrich

Lesen

Konzentriertes Grundwissen

»Der Glaube Israels« von Michaela Rychlá führt Schüler in die Grundlagen jüdischer Praxis ein

von Alfred Bodenheimer  05.12.2016 18:56 Uhr

Spricht man vom kulturellen Schatz des deutschen Judentums vor dem Holocaust, wird oft vergessen, dass neben den hochkulturellen Beiträgen zu Kunst, Literatur, Wissenschaft oder Musik und den Schriften religiöser Größen der Zeit auch eine um-fangreiche Jugendliteratur existierte. Umso erfreulicher ist, dass sich heute, da wieder bedeutende literarische Werke jüdi- scher Autoren und Autorinnen in deutscher Sprache entstehen, auch im pädagogischen und Jugendliteraturbereich bemerkenswerte Werke erscheinen.

Nach der fünfbändigen Tora-Jugendreihe Erzähl es deinen Kindern von Bruno Landthaler und Hanna Liss oder dem Sammelband Lehre mich, Ewiger, Deinen Weg. Ethik im Judentum, den der Zentralrat der Juden in Deutschland gemeinsam mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund erstellt hat, ist in diesem Jahr das neu überarbeitete, auf die jüdische Lebenspraxis bezogene Lehrbuch anzuzeigen: Michaela Rychlás Buch Der Glaube Israels ist als Lehrbuch für Schule und Familie konzipiert.

Lehrkraft Die Autorin schöpft aus einer mehr als 20-jährigen Erfahrung als Religionslehrerin in einer Anzahl jüdischer Gemeinden. Die extrem konzise Information, die klar darauf angelegt ist, nicht einfach nur gelesen, sondern mit einer Lehrkraft oder den Eltern besprochen und einzeln durchgegangen zu werden, ist immer begleitet von hebräischen Grundbegriffen, die am Seitenrand der jeweiligen Absätze vermerkt sind.

Daneben werden die einzelnen Kapitel nicht nur von Fragen abgeschlossen, an denen sich das vermittelte Wissen nochmals überprüfen lässt, sondern es finden sich auch immer wieder eingeschobene, speziell gekennzeichnete Details, die das vermittelte Wissen bereichernd und auflockernd begleiten.

So wird im Teil »Gebet« auf das älteste erhaltene Gebetbuch (Machsor Vitry aus dem 11. Jahrhundert) hingewiesen oder im »Jahreskreis« ein kurzer Verweis auf das schon zu rabbinischer Zeit festgelegte Berechnungssystem des jüdischen Jahres im Ausgleich zwischen Mond- und Sonnenjahr eingefügt. Zudem werden an verschiedenen Stellen »Perlen der Weisheit«, Midraschim aus der rabbinischen Literatur, zur Illustration des behandelten Themas eingefügt sowie dienliche Tabellen, die dabei helfen können, die Reihenfolge der Tora-Wochenabschnitte und ihre Zugehörigkeit zu den fünf Büchern Mose nachzuschlagen und sich im besten Falle auch einzuprägen.

Fünf Teile hat Rychlás Lehrbuch: neben den genannten zum Gebet und zum Jahreskreis auch die Bereiche Familie, Bibel und Schöpfung. Gerade in diesem letzten Teil sprengt die Autorin den Rahmen eines innerreligiösen Diskurses. Schon am hier angefügten Bildmaterial, das nicht, wie im Großteil der anderen Kapitel, stark auf ausdrücklich jüdische Gegenstände und Bräuche bezogen ist, sondern auch Bilder schöner Landschaften, aber auch des Elends oder der Wall Street enthält, wird deutlich, worum es Rychlá mit ihrem ganzen Buch geht: Judentum ist eine ganzheitliche Lebensform.

Zwiesprache Der Gedanke eines Gottes, mit dem die Zwiesprache am Morgen nach dem Aufstehen beginnt und dessen Spur das jüdische Religionsgesetz, den Jahresablauf, das Verständnis des Familienverbands prägt, hat auch dort dominant zu bleiben, wo es um die Gestaltung des Planeten Erde, den Umgang mit Ressourcen und die Anwendung wirtschaftlicher und sozialer Ethik geht.

Wie der Klappentext ankündigt, ist dies der erste von drei Bänden einer Lehrbuchreihe. Folgen sollen Bände mit den Schwerpunkten Schabbat und Kaschrut sowie rabbinisches Schrifttum. Dass sich das Buch explizit der orthodoxen Richtung des Judentums verpflichtet weiß, sollte keinesfalls ein Anlass für nichtorthodoxe Juden sein, es nicht zur Hand zu nehmen. An konzentriertem Grundwissen, wertvoller Information und gedanklicher Durchdringung zu jüdischem Alltag wie jüdischem Wertedenken bietet es eine ausgezeichnete und übersichtliche Quelle.

Michaela Rychlá: »Der Glaube Israels. Emunat Jissra’el. Ein Lehrbuch für Schule und Familie«, Band 1. Hentrich & Hentrich, Berlin 2016, 151 S., 24,90 €

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Schemini Azeret

Ende und Anfang

Nach der langen Zeit der Feiertage beginnt der neue Jahreskreis

von Chajm Guski  02.10.2026

Simchat Tora

Im eigenen Rhythmus

Die fünf Bücher Mose bilden den Herzschlag des jüdischen Volkes

von Valentin Lutset  02.10.2026

Talmudisches

Frieden mit sich selbst und anderen

Was unsere Weisen über das innere Gleichgewicht und das Miteinander lehren

von Vyacheslav Dobrovych  01.10.2026

Feiertage

Gut gefüllt

Zu Sukkot gibt es eigentlich keine traditionellen Speisen wie an Rosch Haschana oder Pessach. Und doch essen sich gefülltes Gemüse, Teigtaschen und gestopfte Weinblätter in der Laubhütte besonders gut. Steckt mehr dahinter?

von Daniela Rusowsky  29.09.2026

Schweiz

Eine Sukka voller Fragen

Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich hat ihre nichtjüdischen Nachbarinnen und Nachbarn in die Laubhütte eingeladen. Zu selbstgemachtem Hummus darf alles gefragt werden. Ein Besuch

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Zusammenhalt

Was uns verbindet

Sieben Tage feiern Juden in der Laubhütte. Der achte aber hat eine eigene Botschaft

von Rabbiner Elischa Portnoy  25.09.2026

Sukkot

Mit Herz und Sinnen

Welche Bedeutung die Vier Arten an Sukkot haben und warum sie den Menschen erfreuen

von Rabbiner Avraham Radbil  24.09.2026

Sukkot

»… und du sollst nur fröhlich sein«

Warum die Tora gerade das Laubhüttenfest zu einer Zeit unserer Freude erklärt

von Vyacheslav Dobrovych  24.09.2026