Wieso Weshalb Warum

Arba Minim

Etrog und Lulav Foto: Thinkstock

Wieso Weshalb Warum

Arba Minim

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

von Noemi Berger  08.10.2014 09:47 Uhr

So sollt ihr nun am 15. Tag des siebten Monats, wenn ihr die Früchte des Landes eingebracht habt, das Fest des Herrn halten sieben Tage lang ... Und sollt am ersten Tag Früchte nehmen von schönen Bäumen, Palmenzweige und Zweige von dichtbelaubten Bäumen und Bachweiden und sieben Tage fröhlich sein vor dem Herrn, eurem G’tt» (3. Buch Mose 23, 39–40).

Zu den vielen Traditionen und Symbolen des Sukkotfestes gehört der Lulav, der Feststrauß, gebunden aus den sogenannten Arba Minim, vier sehr unterschiedlichen Pflanzenarten: dem Etrog, einer Zitrusfrucht, einem Dattelpalmenzweig, dem Lulav, der dem Feststrauß den Namen gab, einem Myrtenzweig und Bachweidenzweigen.

Dieser Feststrauß wird während Sukkot in einem feierlichen Umzug durch die Synagoge getragen. Dabei singen wir immer wieder als Refrain das hebräische Wort: «Hoscha na» (O hilf doch, Herr!). In der christlichen Welt ist unser «Hoscha na» als «Hosianna» bekannt.

Was der Feststrauß neben dem Dank für die Ernte noch zu bedeuten hat, darüber schweigt die Tora. Daher geizt die nachbiblische jüdische Literatur nicht mit Erklärungen und Deutungen. So meint der Midrasch, dieser Strauß sei ein treffendes Symbol für die Einheit des jüdischen Volkes. Der Strauß wird dabei genauestens hinterfragt: Der Etrog besitzt sowohl einen guten Geschmack als auch einen guten Duft. Die Frucht der Dattelpalme ist wohl geschmackvoll, doch duftet sie nicht. Die Myrte hingegen duftet, schmeckt aber nach nichts. Und zum Schluss haben wir noch die Bachweide. Bei ihr finden wir weder Duft noch Geschmack.

Vier Pflanzenarten So wie die Arba Minim, die vier Pflanzenarten – die Geschmackvollen und die Duftenden und auch solche, die diese Eigenschaften nicht besitzen – in einen Feststrauß gebunden dem Lobpreis G’ttes dienen, genauso sollen alle Israeliten zusammen – ganz gleich welcher Eigenschaften – dem Herrn dienen. Unsere Weisen gehen aber noch weiter und weisen darauf hin, dass drei Pflanzen des Straußes vor allem im Heiligen Land zu Hause sind: der Etrog, der Lulav und die Myrte. Die Bachweide dagegen ist in der ganzen Welt verbreitet – so wie die Juden in der Diaspora. Der Feststrauß erinnert also an unsere Liebe und Verbundenheit mit unserer biblischen Heimat.

Es gehört zu den Lehrmethoden unserer Rabbinen, dass sie in der Erläuterung der Schrift ihre Lehrsätze präzise formuliert ausdrückten und klaren Unterscheidungen unterwarfen. So machten sie deutliche Unterschiede zwischen den Geboten der Sukka und dem Feststrauß.

Der Grund waren die ethische Gewichtung und die Betonung der sozialen Bedeutung jener Symbole. So lesen wir im Talmud: Wer am Festtag den Strauß seines Freundes zu seiner Pflichterfüllung verwendet, hat das Gebot der Tora nicht richtig verstanden. Seine Pflicht wäre es gewesen, seinen Dank für die Gnade G’ttes, die ihm individuell zuteil wird, durch seinen Strauß und Segensspruch zum Ausdruck zu bringen. Hingegen: Wer das Fest in der Sukka eines Freundes verbringt, ist damit dem Gebot der Tora nachgekommen (Sukka 28a).

Belastbarkeit
Bei dieser Unterscheidung geht es nicht um Kosten oder die Belastbarkeit des Einzelnen. Vielmehr wollten unsere Weisen betonen, dass es dem Individuum aufgetragen ist, den Gnadenakt G’ttes durch seinen Strauß wahrzunehmen. Dagegen eignet sich die Sukka, um die Gemeinschaft in Festfreude zu vereinen.

Zum Schluss ein etymologisches Kuriosum: Es könnte ein Zusammenhang bestehen zwischen dem deutschen Begriff «langer Lulatsch» und dem Wort «Lulav». Der Lulav, der Palmenzweig, der die übrigen Bestandteile des Feststraußes in seiner Größe überragt, wirkt wie der «lange Lulatsch», unter dem wir einen meist schlaksig wirkenden, großen Mann bezeichnen. So könnte aus dem Lulav der «lange Lulatsch» geworden sein.

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