Wuligers Woche

Zurück in die Zukunft

Ein ungutes Gefühl ... Foto: Getty Images/iStockphoto

Seit dem Aufkommen der AfD beschleicht mich gelegentlich ein Dejà-vu-Gefühl. Das ist laut Wikipedia »eine Erinnerungstäuschung, bei der eine Person glaubt, ein gegenwärtiges Ereignis früher schon einmal erlebt zu haben«.

Nein, ich meine damit nicht die Nazizeit oder die Endphase der Weimarer Republik. So alt bin ich nun auch nicht. Aber woran ich mich manchmal erinnert fühle, ist die Bundesrepublik der 50er- und 60er-Jahre, in der ich groß geworden bin.

Alliierte Was heute die AfD – noch minoritär – repräsentiert, war damals Mainstream. Ausländer lebten nur wenige im Land. Die Deutschen waren unter sich. Es gab natürlich die Truppen der Alliierten. Aber mit denen hatte man meist wenig zu tun. Frauen, die sich auf Beziehungen mit GIs einließen, wurden verächtlich »Amiflittchen« genannt.

War der Soldat gar schwarz, ein »Neger«, wie es damals hieß, war die gängige Bezeichnung noch kruder. Als dann Anfang der 60er-Jahre aus Italien die ersten »Gastarbeiter« kamen – der Begriff musste mühsam gelernt werden, das gewohnte Wort »Fremdarbeiter« ging den meisten flüssiger von den Lippen –, hießen die allgemein »Spaghettis«. Bestenfalls empfand man sie als putzige Exoten. Conny Froboess’ Schlager »Zwei kleine Italiener« war der Hit des Jahres 1962.

Leute wie Alexander Gauland oder Erika Steinbach wollen die 50er-Jahre zurück. Das war das Deutschland, in dem sie sich zu Hause fühlten.

Das Dritte Reich war von der historischen Landkarte verschwunden. Die Wehrmacht hatte »nur ihre Pflicht erfüllt«, wie andere Soldaten auch. Die Verschwörer des 20. Juli galten einer Mehrheit als Hoch- und Landesverräter. Helmut Schmidt trat für die SPD bei Traditionstreffen der Waffen-SS auf und lobte die Kameraden mit den schwarzen Kragenspiegeln.

DDR Das Wort »Holocaust« stand nicht im Duden. Das, was damit heute gemeint ist, war kein Thema. Man hatte davon nichts gewusst und wollte auch nichts darüber hören. Gedacht wurde der eigenen Opfer von Bombenangriffen und Vertreibung. Wenn von Lagern die Rede war, dann vor allem nach dem Mauerbau 1961, als in offiziellen Reden die DDR gern als KZ bezeichnet wurde.

Öffentliche Proteste von jüdischer Seite dagegen gab es kaum. Die rund 25.000 Juden, die in der Bundesrepublik lebten, waren wenig wahrnehmbar. Sie hielten sich bewusst zurück. Kein Risches machen, dem nur mühsam kaschierten allgegenwärtigen Antisemitismus kein Futter zu geben, war ihr (Über-)Lebensmotto.

Kontakt Jüdisches Leben fand meist im Verborgenen statt, oft in Hinterhofsynagogen. Man blieb unter sich. Sozialen Kontakt mit nichtjüdischen Deutschen gab es natürlich, aber der blieb meist auf die berufliche oder geschäftliche Sphäre beschränkt. Was das Gegenüber vor 20 Jahren gemacht hatte, wollte man lieber nicht wissen. Als Teil der deutschen Bevölkerung empfanden sich die wenigsten. Die Koffer blieben gepackt – metaphorisch und häufig genug auch tatsächlich.

Dorthin zurück wollen Leute wie Ale­xander Gauland oder Erika Steinbach, denke ich. Das war das Deutschland, in dem sie sich zu Hause fühlten. Mir ging es damals anders. Ich war dort nicht daheim. Und das Gefühl kommt mittlerweile wieder.

Krieg gegen Iran

USA könnten Abfangraketen für die Ukraine nach Nahost umleiten

Schicken die USA für die Ukraine vorgesehene Rüstungsgüter in den Nahen Osten? Ein Bericht der »Washington Post« sorgt Aufsehen - vor allem, weil eine Nato-Initiative betroffen sein könnte

 26.03.2026

Meinung

Lahav Shapiras Fall hätte vor Gericht verhandelt werden müssen

Der jüdische Student wirft der FU Berlin vor, ihn nicht ausreichend vor Diskriminierung geschützt zu haben. Doch die Richter wiesen seine Klage mit einer Begründung ab, die nur schwer nachzuvollziehen ist

von Matthias Fuchs  26.03.2026

Iran-Krieg

Israel meldet Tötung von IRGC-Marineführung

Die Tötung von Admiral Ali Reza Tangsiri stellt laut IDF »einen bedeutenden Schlag gegen die Führungsstrukturen der IRGC und ihre Fähigkeit dar, Terroraktivitäten im maritimen Bereich zu orchestrieren«

 26.03.2026

Nahost

Zwei Tote in Abu Dhabi durch herabfallende Raketenteile

Die Angriffe in den Golfstaaten lassen nicht nach. Erneut werden Menschen getötet

 26.03.2026

Berlin

Demonstration gegen Auftritt von Francesca Albanese

»Wer das Existenzrecht Israels delegitimiert und Gräueltaten rechtfertigt, darf in Berlin keine unwidersprochene Bühne erhalten«, sagen die Organisatoren der Kundgebung

von Imanuel Marcus  26.03.2026

Berlin

Merz: »Wolfram Weimer hat mein Vertrauen«

Der Kulturstaatsminister steht wegen des Ausschlusses von linken Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis in der Kritik. Der Kanzler sieht durchaus schwierige Debatten - gibt aber generelle Rückendeckung

 26.03.2026

Nahost

Straße von Hormus: Iran richtet »Mautstelle« ein

Schiffe müssen Informationen über Ladung, Besatzung und Zielort übermitteln – und bezahlen

 26.03.2026

Berlin

Prosor übt scharfe Kritik an Bundespräsident Steinmeier

Der israelische Botschafter moniert eine zu optimistische Sicht auf Diplomatie. In der internationalen Politik sei der Glaube verbreitet, dass sich Konflikte durch Gespräche lösen ließen. Doch dieses Denken habe Grenzen

 26.03.2026

Achse Teheran-Moskau

Bericht: Russland liefert Drohnen an Iran

Diese Art der Unterstützung für das iranische Regime ist ein Novum. Bisher wurden Drohnen in umgekehrter Richtung geliefert

 26.03.2026