Diplomatie

»Wir stimmen absolut überein«

Felix Klein Foto: Gregor Zielke

Diplomatie

»Wir stimmen absolut überein«

Felix Klein über Konsultationen in Jerusalem und den gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  08.10.2018 20:02 Uhr

Herr Klein, bei den deutsch-israelischen
Regierungskonsultationen in der vergangenen Woche war Antisemitismus ein Thema. Was wurde in Jerusalem besprochen?

Antisemitische Vorkommnisse in Deutschland werden in Israel sehr aufmerksam wahrgenommen – ebenso wie die Reaktionen darauf. Auch fand die Einrichtung meines Amtes besondere Beachtung. Kanzlerin Merkel und Premier Netanjahu haben darüber gesprochen, wie meine Arbeit unterstützt werden kann. Es ist sehr erfreulich, dass es bei diesem Thema auf beiden Seiten absolute Übereinstimmung gibt.

Wurde Konkretes vereinbart?
Wir haben erstmals separate Gespräche über Themen der Antisemitismusbekämpfung geführt und dabei vereinbart, dies jährlich zu tun – unabhängig von den Regierungskonsultationen. Zudem haben wir eine Reihe von Projekten erörtert, bei denen Deutschland und Israel zusammenarbeiten können. Ein Ziel dabei ist die Verbreitung der Antisemitismusdefinition in Drittstaaten, zum Beispiel in Ländern der Europäischen Union. Außerdem zeigten sich die Israelis sehr interessiert an unseren Erfahrungen mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Sie erwägen, einige Mechanismen in die israelische Gesetzgebung zu übernehmen.

Sind die Aktivitäten gegen Antisemitismus in Jerusalem gebündelt?
Beim israelischen Außenministerium gibt es ein Referat für Antisemitismusbekämpfung, das sehr aktiv ist. Unter anderem hat man im Außenministerium Algorithmen entwickelt, um Judenhass im Internet zu erkennen. Dieses Programm eröffnet auch die Möglichkeit, zu entscheiden, ob man dagegen vorgehen und die Internetplattformen zur Löschung auffordern muss. In dem Bereich haben wir noch keine konkrete Zusammenarbeit vereinbart, weil wir im Bundesinnenministerium erst prüfen müssen, ob dies für Deutschland infrage kommt.

Premierminister Netanjahu hat betont, dass sich der Antisemitismus früher gegen jüdische Menschen richtete, heute zunehmend gegen den jüdischen Staat. Teilen Sie diese Auffassung?
Ja, dem würde ich zustimmen. Auch meiner Beobachtung nach ist der israelbezogene Antisemitismus inzwischen die Hauptform des heutigen Antisemitismus.

Sie planen, in Deutschland ein neues Meldesystem für Vergehen gegen Juden einzuführen. Wann soll es in Kraft treten?
Wir beabsichtigen, in Zusammenarbeit mit der Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus, dem Zentralrat der Juden und anderen Organisationen im November einen Bundesverband zu gründen. Dann wollen wir nach und nach in den Bundesländern Partner suchen. Es ist ein zivilgesellschaftliches Projekt, begleitet und gefördert von der Politik.

Mit dem Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus sprach Detlef David Kauschke.

Extremismus

Die Linke und der Judenhass

Der »taz«-Journalist Nicholas Potter hat ein Buch über die Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und Autoritarismus bei Teilen der Linken geschrieben. Ein Auszug

von Nicholas Potter  05.04.2026

Krieg

Trump gibt iranischer Führung Zeit bis Dienstagabend

Der US-Präsident hat der iranischen Führung mit heftigen Angriffen gedroht, sollte sie nicht einlenken

 05.04.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Debatte

»Das wäre enorm wichtig, gerade für die vielen Kinder mit muslimischem Migrationshintergrund«

Israels Botschafter Ron Prosor spricht sich für Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten aus

 05.04.2026

Krieg

Israel meldet Tötung eines weiteren Öl-Kommandeurs im Iran

Nach einem Angriff in Teheran spricht Israels Militär von einem »schweren Schlag gegen die wirtschaftlichen Grundlagen des iranischen Sicherheitsapparats«. Das steckt hinter dem Angriff

 05.04.2026

Krieg

Trump: Wir haben unseren Soldaten gerettet und in Sicherheit gebracht

Rettung wie in einem Hollywood-Film: US-Spezialeinheiten konnten den vermissten Offizier des abgeschossenen Kampfjets geborgen. Der US-Präsident schildert die riskante Mission mit dramatischen Worten

von Lars Nicolaysen  05.04.2026

Krieg

Bericht: USA greifen Suchort von vermisstem US-Soldaten an

Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines US-Kampfjets läuft auf Hochtouren. Jetzt werden aus dem Iran Luftangriffe in einer Gegend gemeldet, in dem sich der US-Soldat befinden soll

 05.04.2026

München

Der Grüne, das Rathaus und die jüdische Gemeinschaft

Dominik Krause wird der nächste Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt. Der 35-Jährige ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und geht entschlossen gegen Antisemitismus vor. Ein Porträt

von Chris Schinke  04.04.2026

Krieg

»Kritische« Rettungsmission im Iran - Trump in Erklärungsnot

Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines Kampfjets wird für die USA zum Wettlauf gegen die Zeit - im Iran werden Kopfgelder ausgesetzt. Die Lage bringt die US-Regierung in Bedrängnis

von Cindy Riechau  04.04.2026

Großbritannien

Brandanschlag in London: Untersuchungshaft für Verdächtige

Mehrere Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes in Golders Green werden in Brand gesetzt. Vor Gericht erschienen nun drei Verdächtige

 04.04.2026