Meinung

Was einmal undeutsch war

Martin Krauß Foto: Stephan Pramme

Danzig ist eine Stadt in Polen. Danzig war eine deutsche Stadt. Und? Von 1920 bis 1939 gab es infolge der Versailler Verträge den Freistaat Freie Stadt Danzig. Auf diesem sehr kleinen geografischen und historischen Raum spiegelt sich bis heute vieles, was staatliches Selbstverständnis Deutschlands charakterisiert: Nachwirkungen juristischer Vorschriften aus den 30er-Jahren. Und eine unglaubliche Bürokratisierung, die kaum verständlich ist.

Etwa 400.000 Menschen lebten in der Freien Stadt Danzig, davon etwa 10.000 Juden. Auch hier übernahmen die Nazis 1933 die Macht, aber deutsch wurde Danzig erst 1939. Da wurden seine Bürger rückwirkend zu Deutschen erklärt. Außer den Juden.

hürden Nach 1945 konnten Danziger, denen die Nazis die Staatsbürgerschaft entzogen hatten, wieder Deutsche werden. Außer den Juden. Weil die ihre Rechte schon rückwirkend zum 1. September 1939 verloren hatten, behandelten die westdeutschen Behörden sie anders.

Juden, die in Deutschland lebten und die zehn Jahre seit der Schoa nicht zu einer anderen Einbürgerung, etwa wie nach Polen oder Israel, genutzt hatten, konnten sich ab 1955 wieder einen deutschen Pass ausstellen lassen.

Wenn sie aber im Ausland lebten, beispielsweise in Gdansk, wurde es schwierig: Enge Bindungen an Deutschland mussten nachgewiesen werden. Diese Regelung, die enorme Hürden nur für Danziger Juden aufstellte, nicht aber für alle anderen früheren Bürger der Freistadt, gilt bis heute.

motiv Angst vor Kosten kann nicht das Motiv der Bundesregierung sein; die würden nicht entstehen. Angst vor einer massenhaften Einwanderung ebenso wenig; die Personengruppe, die hier Gerechtigkeit will, ist sehr klein. Und Judenhass mag man aktuellen deutschen Behörden auch nicht unterstellen. Was dann?

Es zeigt sich tatsächlich, dass eine verwaltungsrechtliche Durchmodernisierung, die die Nazis in den 30er-Jahren veranstalteten und mit der sie ihren Judenhass bis in die letzte Vorschrift implementierten, bis heute nachwirkt. Fast ohne, dass man es merkt. Und ohne, dass man es Antisemitismus nennt.

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026 Aktualisiert

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026