Meinung

Stolpern vor Steinmeiers Villa

Rabbiner Andreas Nachama Foto: Gregor Zielke

Der Stein des Anstoßes könnte kleiner nicht sein: Kantenlänge von 96 mal 96, Höhe 100 Millimeter. Aber größer kann die Peinlichkeit kaum sein, die sich das Bundespräsidialamt eingebrockt hat.

Um zu klären, ob die von einem Historiker aufgestellte These, bei der Dienstvilla des Bundespräsidenten in der Pücklerstraße 14 in Berlin-Dahlem handele es sich um ein frühzeitig »arisiertes« Objekt, stimmt, wurde bei einem anderen renommierten Historiker ein Gutachten vom Bundespräsidialamt in Auftrag gegeben, das zu dem Schluss kommt, der am 7. Februar 1933 geschlossene Kaufvertrag zur Veräußerung der Immobile sei rechtens.

Gedenktafel Das kann man so oder anders sehen, aber warum wird nicht mit einer Gedenktafel an geeigneter Stelle im Haus oder besser noch am repräsentativen Zaun an den von Nazis verfolgten jüdischen Perlenfabrikanten Hugo Heymann erinnert, dem es nicht gelang, zu emigrieren, der schließlich von der Gestapo misshandelt wurde und starb?

Das ist Grund genug wenigstens für die Verlegung eines Stolpersteins, um den Namen des NS-Opfers zurück an den Ort seines Lebens zu bringen, zumal sich ein Spender dafür bereits gefunden hat. Mit der Verlegung eines Stolpersteins geht überhaupt nicht die Frage der rechtmäßigen Veräußerung der Immobilie einher. Als würden nicht vor zahllosen Berliner Gebäuden – viele überhaupt erst nach 1945 auf den Trümmern der zerbombten Vorkriegsgebäude errichtet – Stolpersteine liegen, um an die verfolgten Berliner Juden zu erinnern. Und die heutigen Bewohner sind oft stolz auf diese Zeichen der Erinnerung an die ermordeten Nachbarn.

Wie zitierte doch Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner berühmten Rede 1985 Baal Schem Tow: »In der Erinnerung liegt das Geheimnis der Erlösung.« Das Bundespräsidialamt wird von der Peinlichkeit dieses Diskurses solange nicht erlöst werden, wie vor der Dienstvilla nicht ernsthaft an Hugo Heymann erinnert wird.

Der Autor ist Historiker, geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors und Gemeinderabbiner in Berlin.

Krieg

Trump verlängert Feuerpause mit dem Iran

Nur einen Tag zuvor hatte der US-Präsident den Schritt als sehr unwahrscheinlich bezeichnet

 22.04.2026

Waffenruhe

Trump: Iran hat keine andere Wahl, als weiterzuverhandeln

Seit Tagen steht im Iran-Krieg eine Frage im Fokus: Kommt es zu neuen Verhandlungen in Pakistan? Trump gibt sich optimistisch – auch was eine mögliche Einigung angeht

 21.04.2026

Hessen

Bundesrats-Vorstoß: Leugnung des Existenzrechts Israels bestrafen

Hessen will das Leugnen des Existenzrechts Israels bundesweit unter Strafe stellen. Ein entsprechender Entwurf ist bereits vorbereitet. Er soll im Mai in der Länderkammer in Berlin eingebracht werden

von Christof Bock  21.04.2026

Luxemburg

Deutschland fordert Iran zu Verhandlungen mit USA auf

Kurz vor dem Auslaufen der Waffenruhe ist unklar, ob es zu einer neuen Verhandlungsrunde kommt. Der deutsche Außenminister richtet nun einen Appell an Teheran

 21.04.2026

Rom

Entschädigungsstreit: Italien stärkt ausländische NS-Opfer

Es waren grausame Taten an jenem Juni-Tag 1944, als im griechischen Dorf Distomo SS-Einheiten Zivilisten töteten. Um Entschädigungen wird noch gestritten. Nun hat Italiens höchstes Gericht geurteilt

 21.04.2026

Berlin

Kulturstaatssekretär Friederici muss gehen

Die Vergabe von Fördergeld gegen Antisemitismus sorgt schon länger für Wirbel. Nun hat der Vorgang personelle Konsequenzen

 21.04.2026

München

CSU-Fraktion und jüdische Studenten fordern entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek sagt, Judenhass müsse unabhängig davon bekämpft werden, ob er von rechts, von links oder islamistisch motiviert sei: »Lippenbekenntnisse reichen nicht.«

 21.04.2026

Teheran

Iran vollstreckt weiteres Todesurteil nach Protesten

Nach Spionagevorwürfen hatte die iranische Justiz am Montag zwei Männer exekutieren lassen. Nun wird ein weiteres Urteil vollstreckt

 21.04.2026

Berlin

Michael Roth von Podiumsdiskussion an Hertie School ausgeladen

Der SPD-Politiker und Autor sagt, Protest und Widerspruch seien legitim. Problematisch werde es, wenn bereits die Androhung von Störungen ausreiche, um Redner wieder auszuladen

 21.04.2026