Berlin

»Schutz ist unsere Pflicht«

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) Foto: imago

Nach dem rechtsextremen Terroranschlag auf die Jüdische Gemeinde in Halle diskutiert die Politik über eine mögliche Mitverantwortung der AfD. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) und die nordrhein-westfälische Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) machten die Partei politisch mitverantwortlich für den Anschlag. Der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hingegen sieht keinen direkten Zusammenhang zwischen der AfD und der Tat.

Scholz sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe auf die Frage, ob die geistigen Brandstifter von Halle auch bei der AfD zu suchen seien: »Die AfD kann ihre Verantwortung in dieser Frage nicht verleugnen.« Die rassistisch motivierte Tat sei »in einem Milieu entstanden, das nicht nur im Netz, sondern auch in Landtagen und im Bundestag Parolen von rechts ruft«. Die ehemalige Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger kritisierte in einem Gastbeitrag in der »Rheinischen Post« , Teile der AfD und Rechtsextreme hätten eine gemeinsame ideologische Basis.

Antisemitismusbeauftragte Leutheusser-Schnarrenberger bezeichnet die AfD als »eine Gefahr für die Demokratie«.

Finanzminister Scholz betonte, dass bei Bedarf Sicherheitsbehörden und Polizei auf mehr Geld zur Bekämpfung des Rechtsterrors zählen könnten: »Ich werde stets die nötigen Mittel für den Schutz unserer Verfassung und unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zur Verfügung stellen.« Zugleich hob der Vizekanzler hervor, dass der Kampf gegen Antisemitismus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. »Wir müssen gemeinsam Widerstand leisten und der jüdischen Gemeinschaft unsere Solidarität versichern.« Das Leben seiner Bürger zu schützen, sei oberste Pflicht des Staates.

Leutheusser-Schnarrenberger bezeichnete die AfD als »eine Gefahr für die Demokratie«. Der Verfassungsschutz entdecke in Unterorganisationen der Partei regelmäßig antisemitische Stereotype.

Social-Media-Posts der Partei würden teilweise »die Grenze zur Volksverhetzung stark strapazieren«. Wenn Abgeordnete der AfD »von ›Volksverrätern‹ und ›Invasoren‹ sprechen, oder eine ›erinnerungspolitische Wende um 180 Grad‹ fordern, tragen sie eine erhebliche moralische Mitverantwortung an den rechtsextremistischen Übergriffen, die unser Land in diesem Jahr bereits mehrfach erschüttert haben«, sagte sie.

Haseloff erklärte dagegen, er sehe keine direkte Mitverantwortung der AfD als Partei. Das sei für ihn nur ein Teil in einem Gesamtpaket von Ursachen, sagte er im Mitteldeutschen Rundfunk: »Es gibt sicherlich Einzelzuordnungen, die möglich sind, auch politisch, aber es ist zu einfach, es auf eine Komponente herunterzubrechen.«

»Es gibt die Zeit davor, und die Zeit danach«, sagt der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Reiner Haseloff über den Anschlag.

Er bezeichnete den Anschlag als »Zäsur«: »Es gibt die Zeit davor, und die Zeit danach«, sagte er. »Es war die schlimmste Woche, die ich in meinem Leben bisher hatte. Menschlich - und als Politiker ist man ja auch Mensch - habe ich so etwas noch nicht erlebt.«

Bei dem antisemitischen Anschlag am 9. Oktober in Halle wurden eine 40 Jahre alte Frau und ein 20 Jahre alter Mann erschossen. Außerdem verletzte der Täter Stephan B. zwei weitere Menschen. Schwer bewaffnet hatte er zuvor versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen.

Zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hatten sich dort mehr als 50 Beter versammelt. Der Generalbundesanwalt erließ gegen ihn Haftbefehl wegen zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuches.  epd/ja

Berlin

Trauerfeier für den im Iran ermordeten Djamschid Sharmahd

An der Trauerfeier in Neukölln nahmen unter anderem seine Tochter und sein Sohn teil, die in den USA leben.

 11.04.2025

Wenningstedt

Ehemaliges Ferienhaus von Göring auf Sylt steht zum Verkauf

Die dunkle Vergangenheit des Hauses wird in der Anzeige absichtlich verschwiegen – das sorgt für Kritik

 11.04.2025

Prozess

Nach verstörender Attacke: Anklage wegen antisemitischen Angriffs

Die Angeschuldigten sollen gemeinsam mit weiteren, bislang unbekannten Personen auf Kopf und Oberkörper des Mannes eingeschlagen und getreten haben

 11.04.2025

Kampf gegen Antisemitismus

Promis werben per Video für Solidarität mit Jüdinnen und Juden

Hass und Extremismus gedeihen im Netz besonders gut, sagen Medienexperten. »Sat 1« startet nun eine Kampagne gegen Antisemitismus. In Kurzfilmen beziehen Prominente Position zu Lügen und Vorurteilen über Juden

 11.04.2025

Bayern

Zahl antisemitischer Straftaten bleibt auf Rekordhoch

Allein die Zahl antisemitischer Gewalttaten sei von 15 auf 23 Taten mit insgesamt 27 Opfern deutlich gestiegen

 11.04.2025

Recherche

Keine besten Freunde

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft hat die Unvereinbarkeit mit der AfD beschlossen. Nun soll der Vereinsausschluss des Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah folgen

von Joshua Schultheis  11.04.2025

Potsdam

Bauftragter gegen Judenhass berichtet von Bedrohungen

»Als Landtagsabgeordneter wurde ich nie angegriffen, beschimpft oder beleidigt«, sagte der ehemalige Polizist

 11.04.2025

Deichbrand-Festival

Macklemore-Auftritt: Kulturwissenschaftlerin rät von Konzertabsage ab

Sie empfiehlt den Festival-Veranstaltern, das Konzert mit Diskussions- und Informationsveranstaltungen zu begleiten

 11.04.2025

Debatte

Knobloch: Deutschland hat zahlreiche Antisemiten aufgenommen

Die IKG-Präsidentin blickt besorgt auf die Sicherheitslage der Juden in München

 11.04.2025