Meinung

Raubkunst nach Israel

Julius H. Schoeps Foto: imago

Keine Frage, was Kulturstaatsministerin Monika Grütters bezüglich der Restitution von Kunstwerken, die während des Dritten Reiches gestohlen wurden, bislang unternommen hat, ist zu begrüßen. Es gibt aber einen Aspekt, der Mitte Juni bei der Reise von Frau Grütters nach Israel deutlich wurde.

Ein großer Teil der jüdischen Ritualgegenstände, die in Museen in Tel Aviv, Jerusalem oder Haifa ausgestellt sind, etwa im Israel-Museum in Jerusalem, stammen aus Deutschland – oft liegen bei den Objekten ungeklärte Eigentumsverhältnisse vor. Gerade bei solchen Ritualgegenständen ist es meist unmöglich, ihre Provenienz zu ermitteln.

Daher ist es richtig, falls sich keine rechtmäßigen Besitzer finden, diese Judaica im Israel-Museum zu sammeln. Dieses Haus ist ein guter Ort, um die während der NS-Zeit Juden geraubten Gegenstände der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie sind jüdisches Erbe.

Ähnlich kann man auch bezüglich der Kunstwerke vorgehen, um die es zuletzt – anhand der bei dem jüngst verstorbenen Sammler und Sohn eines Kunsthändlers Cornelius Gurlitt gefundenen Bilder – lange Diskussionen gab. Dass deutsche Museen Bilder und andere Kunstgegenstände, deren Provenienz und rechtmäßige Eigentümer nicht ermittelt wurden oder nicht zu ermitteln sind, einfach weiter in ihren Depots und Ausstellungsräumen behalten, darf nicht sein. Die Möglichkeit, die das deutsche Recht zulässt – dass man sich unrechtmäßig erworbenes Gut einfach lange genug ersitzen kann, um es behalten zu dürfen –, muss unterbunden werden.

israel-museum Auch hier wäre das Israel-Museum ein besserer Ort. Bilder und andere Kunstwerke, die einst jüdischen Sammlern gestohlen wurden, zählen nämlich auch zum jüdischen Erbe.

Eine Alternative zu diesem Vorschlag gibt es auch bereits. In Österreich beispielsweise hat man ein Restitutionsgesetz verabschiedet, das vorsieht, dass Kunstwerke, deren rechtmäßige Besitzer oder Erben nicht ermittelt werden konnten, auf dem Kunstmarkt verkauft werden. Der Erlös geht an Opferverbände.

Auch über diese Alternative könnte man diskutieren und sich verständigen. Kulturministerin Monika Grütters und die Bundesregierung wären gut beraten, sich für einen dieser beiden Wege zu entscheiden.

Der Autor ist Historiker und leitet das Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam.

Protest

Mut zum Streit

Nirgendwo wird so leidenschaftlich um den Kurs der Regierung und um die Demokratie gerungen wie in Israel. Von dieser Haltung kann die Diaspora viel lernen

von Esther Schapira  03.04.2025

Porträt

Philosoph des Cyberkriegs

Wie Palantir-Chef Alex Karp, der Neo-Marxist des Silicon Valley, mit KI, Militär und Big Data die Welt neu gestaltet

von Sebastian Moll  03.04.2025

Genf

Laut gegen Israel

Trotz Antisemitismusvorwürfen könnte Francesca Albaneses Amtszeit bei den UN verlängert werden. Doch es regt sich Widerstand

von Michael Thaidigsmann  03.04.2025

Ungarn

Netanjahu in Budapest eingetroffen

Viktor Orban ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat - und heißt ihn willkommen

 03.04.2025

USA

Was hinter dem möglichen Rückzug von Elon Musk aus dem Weißen Haus stecken könnte

»Politico« zufolge mehren sich Spekulationen über wachsenden Unmut rund um Musk

von Luzia Geier  02.04.2025

Bayern

Nazi-Raubkunst: Staatsminister um den Schlaf gebracht

Bayerns Kunstminister Markus Blume hat gleich mehrere Untersuchungen angekündigt. Auf seine eigene Rolle ging er kaum ein

von Michael Thaidigsmann  02.04.2025

München

Wie ein Münchner Jude mit Postkarten gegen Hitler kämpfte

Lange war er vergessen, jetzt hat sein Enkel ein Buch über ihn geschrieben: Benno Neuburger kämpfte mit anonymen Postkarten gegen die Nazis – bis er ein Detail übersah, das ihn verriet

von Christoph Renzikowski  02.04.2025

Weimar

Rede von Omri Boehm bei Buchenwald-Gedenken abgesagt

Wegen der Einladung Boehms habe sich ein Konflikt mit Vertretern der israelischen Regierung angebahnt, in den man die KZ-Überlebenden nicht hineinziehen wolle, so Gedenkstellenleiter Jens Christian Wagner

 02.04.2025

NS-Widerstand

Dietrich Bonhoeffer: Vor 80 Jahren hingerichtet - bis heute verehrt

Dietrich Bonhoeffer bezahlte seinen Widerstand gegen die Nazis mit dem Leben. Heute wird der evangelische Theologe von Christen in aller Welt verehrt. Dass er von Radikalen vereinnahmt wird, missfällt seiner Familie

 02.04.2025