UNESCO

Rachel wird Muslimin

Ob Rachels Grab bei Bethlehem (im Bild) oder das Grab der Patriarchen in Hebron: alles künftig muslimische Heiligtümer Foto: Flash 90

Wieder einmal ist Israel von einer Einrichtung der UNO verurteilt worden, und wieder einmal runzelt man darüber nicht nur im jüdischen Staat die Stirn. Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) hat in der vergangenen Woche eine Resolution verabschiedet, in der Israel für seine archäologischen Grabungen am Tempelberg und in der Jerusalemer Altstadt scharf kritisiert wird.

Außerdem wird der jüdische Staat beschuldigt, »illegale Maßnahmen gegen die freie Religionsausübung sowie gegen den Zugang von Muslimen zur Al-Aqsa-Moschee« zu ergreifen und seit 1967 Versuche zu unternehmen, den Status quo des Tempelbergs zu ändern.

Eingebracht worden war die Resolution von den UNESCO-Vertretungen Algeriens, Ägyptens, Kuwaits, Marokkos, Tunesiens und der Vereinigten Arabischen Emirate. Sie wurde mit einer Mehrheit von 26 Ja-Stimmen bei 25 Enthaltungen angenommen. Mit Nein stimmten lediglich die USA, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande, Tschechien und Estland.

rachels grab In dem Beschluss heißt es zudem, dass Rachels Grab bei Bethlehem und das Grab der Patriarchen in Hebron »muslimische Stätten« und »Teil eines palästinensischen Staates« seien. Im ursprünglichen Resolutionsentwurf war überdies die Kotel als »integraler Bestandteil der Al-Aqsa-Moschee« und Jerusalem als »besetzte Hauptstadt Palästinas« bezeichnet worden. Diese Sätze wurden jedoch wieder gestrichen, um mehr Ja-Stimmen zusammenzubekommen.

Mit der Entschließung positioniert sich die UNESCO erneut deutlich gegen Israel und übernimmt das palästinensische Narrativ, nach dem der jüdische Staat versucht, sich den Tempelberg anzueignen, die Muslime von dort zu vertreiben und die Al-Aqsa-Moschee zu zerstören.

Diese Unterstellungen werden von der israelischen Regierung immer wieder entschieden zurückgewiesen. Mit der Verabschiedung der Resolution wurde aber auch ein exklusiver islamischer Anspruch auf religiöse Stätten bekräftigt, die dem Judentum heilig sind. Wie kommt die UNESCO dazu, so etwas zu tun?

Die Antwort liegt in ihrer Zusammensetzung und in ihrem Modus Operandi begründet. Es gilt das Prinzip: ein Staat, eine Stimme. Die Qualität der Beschlüsse ist somit eine Frage von Mehrheiten, und die sind nicht nur in der UNESCO, sondern auch in fast allen anderen UN-Gremien auf der Seite der arabischen und islamischen Länder. Diese Staaten bilden gemeinsam mit den »Blockfreien« eine Überzahl. Innerhalb dieser Mehrheit unterstützt man sich gegenseitig, wählt sich in verschiedene Gremien und sorgt dafür, dass Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land möglichst nicht zur Sprache gebracht werden.

Gleichzeitig erwidern die Autokratien, Despotien und Diktaturen in der UNO seit dem Sechstagekrieg von 1967 die westliche Kritik an ihren Menschenrechtsverstößen immer wieder mit lautstarken Angriffen auf Israel – um auf diese Weise ein eigenes Engagement in Menschenrechtsfragen zu simulieren.

vielfalt Das oberste Entscheidungs- und Kontrollorgan der UNESCO ist die Generalkonferenz, die alle zwei Jahre zusammentritt. In der Zwischenzeit übernimmt der Exekutivrat die Geschäftsführung und verabschiedet gegebenenfalls auch Resolutionen – wie die aktuelle gegen Israel. Dem Rat gehören 58 Mitgliedsstaaten an, die von der Generalkonferenz gewählt werden.

Laut UNESCO-Verfassung muss bei dieser Wahl »die Vielfalt der Kulturen und eine ausgewogene geografische Verteilung« berücksichtigt werden. Doch wann immer es um den jüdischen Staat geht, haben Vielfalt und Ausgewogenheit rasch ein Ende.

Schon 1974 schloss die UNESCO Israel auf arabischen Druck aus, erst vier Jahre später wurde die Ächtung wieder aufgehoben. In den 90er-Jahren boykottierte der seinerzeitige UNESCO-Chef Federico Mayor sämtliche internationalen Konferenzen in Jerusalem und verweigerte alle Treffen mit israelischen Offiziellen.

Anfang 2014 sagte die UNESCO ihre geplante Ausstellung »Das Volk, das Buch, das Land: die 3500-jährige Beziehung zwischen Juden und Israel« in Paris ab, nachdem arabische Staaten, die diese Beziehung rundweg leugnen, protestiert hatten. Es gehe um das »Schreiben oder Umschreiben der Geschichte«, sagte Hamdan Taha, Direktor des palästinensischen Departments für Altertümer, schon im Sommer 2010.

Deshalb drängten die Palästinenser in die UNESCO und wurden vor vier Jahren schließlich auch dort aufgenommen. Dieser Beitritt sei Teil einer »kulturellen Intifada«, wie es der israelische Archäologe Gabriel Barkai ausdrückt.

Handelte es sich beim Nationalsozialismus um eine linke Ideologie?

Ein Faktencheck

 23.10.2026

Justiz

Ermittler: Ahmetovic kooperierte nicht bei Durchsuchungen

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt im Zusammenhang mit der Ausschreibung eines früheren Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gegen den SPD-Politiker

 23.10.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt rot-grün-rote Koalition ab

Linke, SPD und Grüne verhandeln derzeit über eine gemeinsame Landesregierung. Eine solche Koalition stößt auf Skepsis - auch unter Anhängern von SPD und Grünen

 23.10.2026

Warschau

Polen rügt Ehrung für ukrainische Nationalisten in Lwiw

Erst ein Ehrentitel für eine ukrainische Einheit, nun ein Gedenkjahr für nationalistische Untergrundkämpfer: Der Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine flammt erneut auf

 23.10.2026

Umfrage

Umfrage: So würde Deutschland abstimmen, wenn am Sonntag Wahlen wären

 23.10.2026

München

Aigners Befund zu Judenhass: »Das ›Nie wieder!‹ ist tot«

Die bayerische Landtagspräsidentin gibt eine schonungslose Analyse zum Antisemitismus in Deutschland. Doch sie sieht auch hoffnungsvolle Ansätze, um gegenzusteuern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor rot-grün-roter Koalition

Schuster: »Im Kampf gegen Judenhass ist dieses Schauspiel ein echter Offenbarungseid«

 22.10.2026 Aktualisiert