Einspruch

Prag bleibt verlässlich

Tschechien ist eine europäische Ausnahme. Das Parlament beschloss, dass Produkte aus dem Westjordanland weiterhin als israelische Waren gelten. Tschechien stellt sich also – einmal mehr – gegen den Mainstream in Europa.

Warum macht Tschechien so etwas, wird man sich in Europa fragen. Die Abgeordneten argumentieren sehr unterschiedlich: Einige sehen Israel schlicht als Vorposten der westlichen Zivilisation im Nahen Osten. Dieses Argument wird teils auch sehr dramatisch vorgetragen. »Wenn Israel fällt«, sagte etwa Marek Benda von der konservativen ODS-Partei, »dann wird Europa fallen.« Zugleich taucht ein anderer Aspekt in der Diskussion auf: die Furcht vieler Tschechen vor Flüchtlingen aus Syrien. Derzeit leben wieder viele antimuslimische Vorurteile auf.

projektionsfläche Doch für viele Tschechen ist Israel auch eine Projektionsfläche für ihre eigene Geschichte. Sie müssen immer noch mit den Traumata von 1938 und 1968 fertig werden, mit dem Münchner Abkommen und der sowjetischen Besatzung 30 Jahre später. Daher haben viele Tschechen großes Misstrauen, wenn Außenpolitik auf Kosten eines anderen Landes stattfindet.

Entsprechend gering ist das Vertrauen in das Agieren der EU im Nahen Osten. Da werden oft Vergleiche zur Situation Tschechiens gezogen, das sich gegen Russland, das der Westen unterschätze, wehren müsse. »Sollten wir nicht besser die Produkte von der Krim kennzeichnen?«, fragte ein Abgeordneter. Wieder andere verwiesen auf die ältere Geschichte: Jan Bartošek von der katholischen KDU-CSL etwa fragt: »Wenn wir mit der Kennzeichnung ›jüdischer Waren‹ anfangen, wo führt das hin?«

Tschechien ist in der europäischen Politik kein Schwergewicht. Seine Außenpolitik ist oft nur schwer zu berechnen. Immerhin, seine israelfreundliche Ausrichtung, egal ob aus guten oder schlechten Gründen, bleibt eine der wenigen Konstanten.

Der Autor ist Kommentator des tschechischen Rundfunks.

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Berlin

Merz fordert Ausreise bei Judenhass unter Muslimen

Bei einem Empfang jüdischer Sportler äußert sich der Kanzler deutlich zum Antisemitismus unter muslimischen Einwanderern

 07.11.2026

Iran-Krieg

Berichte: Explosionen in Gheschm und Dschask im Iran

Immer wieder gab es Spekulationen, dass die USA und Israel nach den Midterms erneut den Iran angreifen könnten. Die Ursache der Explosionen ist bisher unklar

 07.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  07.11.2026

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Interview

»Ich bezweifle, dass Claudia Roth es ernst meint mit dem Kampf gegen Antisemitismus«

JSUD-Präsident Ron Dekel geht mit der Grünen-Politikerin hart ins Gericht und wirft ihr vor, antisemitische Narrative salonfähig zu machen

von Michael Thaidigsmann  06.11.2026

Israelfeindliche Politikerin

Berliner Linke fordert Vanessa Emde zum Mandatsverzicht auf

Nach Wochen der Diskussion über den Umgang mit der direkt gewählten Abgeordneten, scheint die Parteispitze nun durchgreifen zu wollen

 06.11.2026

Vorwurf der Kampagne

Eklat um Claudia Roth: Nun reagiert der Zentralrat

Die Grünen-Politikerin bereut es, israelfeindliche Regisseure auf der Berlinale kritisiert zu haben und sieht die Schuld dafür beim Zentralrat der Juden

 06.11.2026

Berlin

Gregor Gysi für Rauswurf von Vanessa Emde

»Ich hoffe, dass wir sie ausschließen«, sagt Gysi über die wegen israelfeindlicher Aussagen umstrittene Abgeordnete

 06.11.2026