Einspruch

Nur die Religion unterscheidet sie

Grünen-Politiker Volker Beck Foto: Marco Limberg

Seit Anfang der 90er-Jahre hat Deutschland 2,2 Millionen Spätaussiedler und 0,2 Millionen jüdische Kontingentflüchtlinge aufgenommen. Aufnahmegrund bei beiden Gruppen war die »Verantwortung vor der deutschen Geschichte«, wie es hieß.

Dennoch hat man verschiedene Aufnahmewege gewählt: Die einen wurden als Deutsche über das Bundesvertriebenengesetz, die anderen als andere über die Kontingentflüchtlingsregelung aufgenommen. Das hat Konsequenzen, vor allem für die Rente.

grundsicherung Für Deutsche gilt nämlich das Fremdrentengesetz, das die Arbeit im Herkunftsgebiet als deutsche Rentenzeit bewertet. Für die Kontingentflüchtlinge beginnt die Rentenbiografie aber mit der Einreise bei null. Das führt regelmäßig zur Grundsicherung im Alter – trotz eines erfüllten Arbeitslebens.

Mittlerweile zeigt sich, dass die unterschiedlichen Aufnahmewege ein geschichtspolitischer Fehler waren. Denn die Gruppen unterscheiden sich kaum: Das aschkenasische Judentum stammt, was viele nicht wissen, vom Rhein und aus anderen Teilen des heutigen Deutschlands. Der einzige Unterschied zwischen beiden Rückwanderergruppen ist die Religion – nur: In der Sowjetunion galt das Judentum als Nationalität, und diese Menschen wurden nicht als Deutsche wahrgenommen.

altersarmut Im Koalitionsvertrag, den Union und SPD für die gemeinsame Regierung ausgearbeitet haben, gibt es einen kleinen Fortschritt: Erstmals wird anerkannt, dass es ein besonderes Problem der Altersarmut bei jüdischen Zuwanderern gibt. Ein Härtefonds für Kontingentflüchtlinge wie für Spätaussiedler soll geprüft werden. Das ist zu begrüßen.

Doch unabhängig davon, was die Prüfung ergeben wird, gilt leider: Die Benachteiligung der jüdischen Kontingentflüchtlinge wird dadurch nicht beseitigt. Deshalb bleibt es auch im Jahr 2018 auf der Tagesordnung, endlich die rentenrechtliche Gleichstellung der jüdischen und der christlichen Zuwanderergruppen durchzusetzen.

Der Autor war Bundestagsabgeordneter der Grünen und ist Lehrbeauftragter der Universität Bochum.

London

Israel-Unterstützerin gerät wegen ihres Engagements ins Visier der Polizei

Holly Passmore wurde nach einem Aufenthalt in Israel von zwei Polizisten befragt

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026

Berlin

Weimer: Linkspartei öffnet Antisemitismus »Tür und Tor«

Der Kulturstaatsminister fördert die Aufarbeitung des NS-Terrors und des Unrechts in der DDR. Mit einem möglichen rot-grün-roten Senat sieht er die Erinnerungspolitik in Gefahr

 19.10.2026

Sofia

Bombendrohung: Austrian-Airlines-Flugzeug muss auf dem Weg von Tel Aviv nach Wien notlanden

Auf dem Flug von Tel Aviv nach Wien ändert eine Maschine der Austrian Airlines plötzlich ihre Route. Der Grund ist schwerwiegend

 19.10.2026

Kommentar

»Wir sind keine Juden«: Die hässliche Fratze der französischen Krawalle

Es zeigt sich eine Querfront der Aggression, bei der sozialer Frust, postkolonialer Opfermythos und tiefsitzender Judenhass verschmelzen

von Ute Cohen  19.10.2026

Analyse

Hält Israels Brandmauer zur AfD?

Die deutsche Rechtsaußen-Partei wird von der israelischen Regierung boykottiert. Ein prominenter AfD-Politiker versucht nun, das zu ändern

von Joshua Schultheis  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Brandmauer nach links: Union attackiert Rot-Grün-Rot

Die Vorbereitung eines Linksbündnisses in Berlin wird von CDU und CSU scharf kritisiert. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union werden konkrete Konsequenzen gefordert - auch die nach einer neuen Brandmauer

 18.10.2026

Grüne

Banaszak: Rot-Grün-Rot braucht klare Absprachen vor Start

Grünen-Chef Felix Banaszak sieht Risiken für das geplante Bündnis aus Linken, Grünen und SPD in Berlin. Er warnt vor ungelösten Problemen

 18.10.2026

Meinung

Flugabwehr bei VW? Aber ja!

Volkswagen, Rafael und die deutsch-israelische Rüstungskooperation

von Jan-Philipp Hein  18.10.2026