Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer zeigt sich besorgt über die aktuelle Entwicklung in den USA. »Ich bin entsetzt und sehr beunruhigt. Nicht nur für die Amerikaner, sondern auch für die Welt«, sagte die 103-Jährige dem »Westfalen-Blatt« in Münster. Friedländer lebte nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als sechs Jahrzehnte in New York, bevor sie mit 88 Jahren in ihre Heimat Berlin zurückkehrte. Eine Entwicklung wie den aktuellen Abbau demokratischer Strukturen durch Präsident Donald Trump habe sie sich nicht vorstellen können. »Warum sagen so wenige Menschen etwas? Es ist doch furchtbar«, so die Aktivistin, die am Freitag in Münster mit dem Sonderpreis des Westfälischen Friedens geehrt wird.
Friedländer rief dazu auf, Demokratie nicht als etwas Selbstverständliches zu sehen. Das sei sie nirgendwo. »Wir müssen daher jeden Tag dafür kämpfen, dass sie stark bleibt.« Dazu gehöre es, nicht wegzuschauen, »wenn Menschen nicht als Menschen respektiert werden«. So habe es in der NS-Zeit auch angefangen, sagte die 1921 in Berlin geborene Jüdin. Sie unterstrich ihren Aufruf »Seid Menschen!«. Es gebe kein christliches, jüdisches oder muslimisches Blut, es gebe nur menschliches Blut.
»In jedem Menschen steckt etwas Gutes«
Friedländer überlebte als einzige ihrer direkten Familie die Schoah und sie ist einer der letzten noch lebenden Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz. Trotz dieser Erfahrungen setzt sie Hoffnung in die menschliche Vernunft. »Ich denke, dass in jedem Menschen auch etwas Gutes steckt. Auch wenn er Schlechtes tut, nimm das Gute raus.«
Den Preis am Freitag in Münster wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Rahmen der Westfälischen Friedenskonferenz überreichen. Zu der Konferenz werden Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler und andere internationale Gäste erwartet.