Einspruch

Ich bin pessimistisch

Renate Lasker-Harpprecht Foto: Marco Limberg

Meine Schwester Anita und ich haben Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt. Wir hatten riesiges Glück: Anita wurde als Cellistin in das Mädchenorchester von Auschwitz eingeteilt und konnte so auch mich retten. Meine Eltern, Alfons und Edith Lasker, hatten dieses Glück nicht. Im April 1942 wurden sie in ein Lager bei Lublin deportiert und später ermordet. Am Vorabend nahmen wir Kinder Abschied von ihnen. Sie ahnten wohl bereits, dass sie uns nicht wiedersehen würden.

Schüler Heute bin ich 96 Jahre alt. Ich lebe noch. Auch Anita lebt noch. Immer wieder halten wir Vorträge vor Schulklassen. Ich fordere die Schüler dann auf, sich auszumalen, sie säßen gemeinsam beim Abendessen mit ihren Eltern, als es an der Tür läutet und schreckliche Kerle hereinkommen, die die Eltern mitnehmen – auf Nimmerwiedersehen. Darüber zu sprechen, hat schon einen Effekt. Aber wie viele junge Leute kann man so überhaupt noch erreichen?

Bald gibt es keine »Methusaleme« wie mich mehr, die man noch fragen kann. Ich will auch gewiss niemanden mit meiner Geschichte langweilen. Aber haben wir heute wirklich genug Lehrer, die ihren Schülern das alles richtig vermitteln können? Und will man überhaupt noch darüber reden? Für viele junge Leute ist das Thema Schoa ja schon Ewigkeiten her. Sie haben andere Sorgen.

Dummheit Manchmal bin ich froh, dass ich schon alt bin. Denn so muss ich nicht mehr erleben, wie die Welt aus lauter Dummheit untergeht. Wenn ich sehe, wie viele in Deutschland einer rechten Partei hinterherrennen, die von einem alten Mann und zwei hysterischen Frauen geführt wird, denke ich an das zurück, was mein verstorbener Mann Klaus sagte: Manche Menschen sind einfach riegeldumm; man kann es nicht anders sagen.

Ich bin pessimistisch, was die Zukunft angeht. Es stinkt mir entsetzlich zu sehen, wie in Europa die Rechten wieder auf dem Vormarsch sind, wie Menschen in Afrika verhungern oder im Mittelmeer ertrinken und so viele gleichgültig wegschauen. Was hat die Welt eigentlich aus Auschwitz gelernt?

Die Autorin ist Journalistin in Frankreich.

Berlin

Scholz kann sich Verhaftung Netanjahus in Deutschland nicht vorstellen

Erstmals seit dem internationalen Haftbefehl gegen ihn besucht Israels Ministerpräsident Europa. In Ungarn muss er keine Verhaftung fürchten. Aber wie wäre es, wenn er nach Deutschland kommen würde?

 03.04.2025

Bundesregierung

Baerbock kritisiert, dass Israels Premier Netanjahu in Ungarn nicht verhaftet wurde

»Das ist ein schlechter Tag für das Völkerstrafrecht«, so die geschäftsführende deutsche Außenministerin

 03.04.2025

Debatte

Boris Becker äußert sich zu seinem viel kritisierten Hitler-Tweet

Becker war einst als Tennisstar eine Legende, auch danach produzierte er noch viele Schlagzeilen. Nun sorgte ein Post zu Hitler für viel Aufregung

von Elke Richter  03.04.2025

Soziale Netzwerke

Boris Becker teilt Zweifel an Hitlers Tod im Führerbunker

Floh der Nazi-Diktator nach dem Krieg nach Südamerika? Der Ex-Tennisstar scheint den Gerüchten zu glauben

von Michael Thaidigsmann  03.04.2025

Budapest

Ungarn will Internationalen Strafgerichtshof verlassen

Die Ankündigung erfolgte kurz nachdem Israels Regierungschef Netanjahu zum Staatsbesuch eingetroffen war

 03.04.2025

Münster

NS-Überlebende Friedländer: Bin entsetzt über Entwicklung in den USA

»Warum sagen so wenige etwas?« - Margot Friedländer blickt mit Entsetzen auf die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Sie fordert aktiven Einsatz für die Demokratie, ob in den USA, in Deutschland oder anderswo

von Nicola Trenz  03.04.2025

München

Claims Conference will Bayern an »Restitutions-Quote« messen

Man werde die angekündigten Restitutions-Pläne für NS-Raubkunst kritisch begleiten, so Rüdiger Mahlo

 03.04.2025

Berlin

Nach israelfeindlichem Protest an Uni: Ausweisung von vier Studenten angeordnet

Drei EU-Bürger und ein Amerikaner müssen Deutschland verlassen. Die Senatsverwaltung für Inneres sagt, sie seien »Mitglieder einer gewaltbereiten Gruppe der propalästinensischen Szene«

von Imanuel Marcus  03.04.2025

Gedenkfeier

KZ Mittelbau-Dora: Albrecht Weinberg ist einer der letzten Zeugen

Albrecht Weinberg ist 100 Jahre alt. Er gehört zu den wenigen Zeitzeugen, die noch von der Verfolgung und Ermordung der Juden berichten können. Als einziger Überlebender kommt er zum Gedenken an die Befreiung des KZ nach Mittelbau-Dora

von Karen Miether  03.04.2025