Bundestag

Hass auf Israel nimmt zu

Anti-Israel-Demo in Berlin, November 2012 Foto: imago

Antisemitismus, der sich auf Israel bezieht, stößt bei 40 Prozent der deutschen Bevölkerung auf Zustimmung. Das geht aus dem neuen Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus hervor, der am Montag im Bundestag vorgestellt wurde. Der als klassisch geltende Antisemitismus hingegen wird mit nur noch rund fünf Prozent Zustimmung ausgewiesen.

Der Bundestag hatte 2013 – wie schon 2008 – beschlossen, einen Expertenkreis zu berufen, der einen Bericht zum gegenwärtigen Antisemitismus in Deutschland erarbeitet. Der über 300 Seiten starke Bericht liegt nun vor. Gefordert wird darin, wie Patrick Siegele vom Anne Frank Zentrum erklärte, die Berufung eines Antisemitismusbeauftragten im Bundeskanzleramt, die Verstetigung der Arbeit eines unabhängigen Expertenkreises und die Schaffung einer Bund-Länder-Kommission.

komplexität Die Forderung nach einem Antisemitismusbeauftragten erhebt der Zentralrat der Juden schon lange. Sein Präsident Josef Schuster begrüßte entsprechend den Bericht: »Der Expertenkreis hat konkrete Handlungsempfehlungen gegeben, die alle relevanten Felder abdecken.« Der Komplexität von Antisemitismus müsse Rechnung getragen werden: »Gerade der grassierende israelbezogene Antisemitismus fällt momentan viel zu oft durchs Raster.«

Die Historikerin Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, die mit Siegele zusammen den Expertenkreis koordiniert, stellte fest, dass mit der erhöhten Zahl von Flüchtlingen oft der Anschein erweckt werde, Muslime seien der Hauptträger des Antisemitismus in Deutschland. Dies habe dazu geführt, dass die Beachtung des Rechtsextremismus in den Hintergrund getreten sei.

Dennoch ist Antisemitismus unter Muslimen und Migranten ein Problem. Für eine Studie, die zum Bericht gehört, wurden qualitative Interviews mit Imamen in Deutschland geführt. Zudem wird festgestellt, dass junge Muslime deutlich antisemitischer sind als gleichaltrige Nichtmuslime, während sich ältere Muslime und Nichtmuslime über 60 Jahre kaum voneinander unterscheiden.

präventionsprogramme Patrick Siegele beklagte, dass etliche Präventionsprogramme nicht aufeinander abgestimmt sind. Oft werde der Antisemitismus nicht explizit thematisiert, sondern unter Rechtsextremismus oder Diskriminierung subsumiert. Das führe dazu, dass Judenhass häufig als etwas angesehen wird, das seit 1945 keine Rolle mehr spiele.

Der Ball liegt jetzt bei der Politik. Die Abgeordnete Gabriele Fograscher (SPD) ließ wissen, die Berufung eines Antisemitismusbeauftragten sei in der Koalition strittig. Gleichwohl sollen die Konsequenzen aus dem Bericht noch in dieser Legislaturperiode beraten werden. Während Barbara Woltmann (CDU) die Forderungen als »gute Grundlage« bezeichnete, kritisierte Volker Beck (Grüne), das Gros der Empfehlungen des ersten Berichts, der 2012 vorgestellt wurde, sei unzureichend bis gar nicht umgesetzt worden. Es sei unklar, so Beck, wer in der Bundesregierung federführend zuständig sein will.

Teheran

Rätseln um Irans obersten Führer: Wo ist Chamenei junior?

Modschtaba Chamenei folgt als neuer oberster Führer im Iran auf seinen getöteten Vater. Doch es bleibt still um den neuen Religionsführer

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026

Kanada

Nach Schüssen auf US-Konsulat: Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen für israelische Einrichtungen

Auch israelische und jüdische Einrichtungen müssen künftig noch intensiver bewacht werden

 11.03.2026

Washington

Weißes Haus verspricht Bericht zu Angriff auf Mädchenschule im Iran

Im Iran-Krieg wurden offenbar viele Schülerinnen getötet. Immer noch ist offiziell unklar, wer dafür verantwortlich ist. Das Weiße Haus verspricht Transparenz

 10.03.2026

Krieg

Reiseverband: Bald Ausreise aller Gäste aus Golfregion

Noch immer sitzen viele Urlauber infolge des Iran-Kriegs in der Golfregion fest. Reiseveranstalter arbeiten daran, sie trotz gesperrter Lufträume nach Hause zu bringen

 10.03.2026

Wiesbaden

Inflation unter zwei Prozent – aber Sorgen wegen Iran-Kriegs

Die Inflation in Deutschland fällt im Februar auf 1,9 Prozent. Der Iran-Krieg könnte die Preise aber wieder anheizen

 10.03.2026

Berlin

Merz: USA und Israel haben keinen Plan für Kriegsende

Der Kanzler verschärft erneut seine Tonlage und richtet mahnende Worte an zwei wichtige Partnerländer

 10.03.2026

Jerusalem

Wadephul macht Solidaritätsbesuch in Israel

Knapp eineinhalb Wochen nach Beginn der Angriffe auf den Iran reist der deutsche Außenminister nach Israel. Während eines Raketenalarms muss er Schutz in einem Bunker suchen

 10.03.2026 Aktualisiert

Celle

Mehr als sechs Jahre Haft für Drohnenteile an Hisbollah

Ein Gericht schickt einen Mann wegen Beihilfe zum versuchten Mord und Unterstützung der Hisbollah ins Gefängnis

 10.03.2026