Meinung

Essen verbindet

Essen ist ein wichtiger Teil unserer Kultur und unserer Geschichte. Es ist ein Kernstück jüdischer Identität. Speisen wie Gefilte Fisch oder Bagels kennt man weltweit. In Berlin findet gerade das »Nosh Berlin«-Festival statt: eine Woche rund ums jüdische Essen, die bestimmt auch Menschen, die sonst vielleicht nicht miteinander sprechen würden, an einem Tisch zusammenbringt. Genau das ist die klassische Mizwa der Hachnasat Orchim, der Gastfreundschaft, die bis heute nicht an Bedeutung verloren hat.

Diese Tugend geht auf Abraham zurück. Im 1. Buch Mose lesen wir, wie unser Erzvater drei Männer, die an seinem Zelt vorbeizogen, zu sich einlud und sie bewirtete. Und schon der Talmud sagt: Fremde Menschen aufzunehmen und sie zu bewirten, ist höher zu achten als etwa das Empfangen der Schechina, die wir uns als Segen für unser Zuhause wünschen.

gebot Hachnasat Orchim zählt also zu den wichtigsten Geboten. Besonders eine Einladung für den Schabbat und die Feiertage bietet sich hierfür an. Alle sitzen gemeinsam am Tisch, essen, singen und lernen miteinander. Wenn die Gastgeber es verstehen, eine gute Atmosphäre zu schaffen, werden die Gäste über die Köstlichkeiten gar nicht merken, dass sie einander eben noch fremd gewesen sind.

Gemeinsam zu speisen, kann zu einem Segen werden. Gott sprach zu Abraham: »Weheje Bracha – du sollst ein Segen werden.« Der Segen liegt im Für- und Miteinander unter uns Menschen. Und das bezieht sich auch aufs Essen. In der Janusz Korczak Akademie zum Beispiel treffen sich bei dem Programm »Bete-I-von« junge Leute, um unter dem Motto »Identität geht durch den Magen« miteinander zu kochen. Denn wenn wir durch unser Essen lernen, erfahren wir, wie jüdische Familien im Laufe der Geschichte auch schwierige Zeiten durchstehen konnten.

frauen In vielen traditionellen jüdischen Häusern waren es vor allem Frauen, die an den Wochen- und Feiertagen das Essen zubereiteten. Sie waren unerschütterlich in ihrem Kampf um das Überleben und Gedeihen ihrer Kinder. Aber auch jüdische Männer spielten eine wichtige Rolle, da viele von ihnen mit Lebensmitteln handelten und weltweit jüdische Gemeinden mit den verschiedensten Zutaten versorgten.

Zusammen waren und sind Hausfrau und Hausherr auch als Gastgeber ein Team. Und wenn man am Ende sagen kann, dass die Gäste dem Gastgeber viel mehr gegeben haben als der Gastgeber den Gästen, dann ist die Mizwa der Gastfreundschaft erfüllt.

Die Autorin lebt in Stuttgart. Von ihr erschien »Das koschere Kochbuch. Rebbetzten Noemi Berger bittet zu Tisch«.

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026

Meinung

Linke Luftnummer

Der Fünf-Punkte-Plan gegen Antisemitismus der Berliner Linken ist heuchlerisch. Die Partei ist derzeit nämlich nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems

von Ralf Balke  13.05.2026

TikTok

Antisemitismus per Algorithmus

Antisemitische Inhalte auf der Social-Media-Plattform treten häufig codiert auf. Reichweitenstarke Beiträge sind oft uneindeutig und werden erst im Kontext als antisemitisch erkannt

 13.05.2026

Meinung

Was Sachsen-Anhalt im Herbst droht

Nach den aktuellen Umfragen ist eine Alleinregierung für die AfD zum Greifen nah. Was das allein für die Erinnerungspolitik bedeuten würde, konnte man zuletzt an der Reaktion der Landespartei auf den 8. Mai beobachten

von Mascha Malburg  13.05.2026

Berlin

Ulf Poschardt gibt Herausgeber-Position bei »Welt« auf

Die Hintergründe

von Steffen Trumpf  13.05.2026

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

London

Sie »fischten« mit Geld nach Juden: Zwei Männer verurteilt

»Fishing for Jews« mit einer Angel, an der ein Geldschein hängt: Im Stadtteil Stamford Hill, in dem viele Charedim wohnen, werden die Verdächtigen von den Shomrim gestellt und später festgenommen

 13.05.2026

Teheran

Weitere Hinrichtung im Iran nach Spionagevorwürfen

Die iranische Justiz hat in den vergangenen Wochen viele Männer exekutieren lassen. Nun wird wieder ein Todesurteil vollstreckt

 13.05.2026

Bern

Mengele-Akten endlich öffentlich

Der Schweizer Nachrichtendienst blockierte den Zugang zu diesen Unterlagen jahrzehntelang. Nun wird diese Sperre aufgehoben

von Nicole Dreyfus  13.05.2026