Meinung

Ein Berliner in Paris

Kürzlich wurde eine Zweitklässlerin in meiner Heimatstadt Berlin mit dem Tode bedroht, weil sie nicht an Allah glaube. Ich war angeekelt. Fast zeitgleich wurde in Paris die 85-jährige Mireille Knoll ermordet – weil sie jüdisch war. Ich war fassungslos.

Natürlich ist Antisemitismus auch in meiner Heimat Deutschland ein Problem. Aber in Frankreich, wo ich mittlerweile lebe, tötet Antisemitismus fünf Kilometer von meiner Pariser Wohnung entfernt eine wehrlose Schoa-Überlebende. Sie war das elfte Todesopfer antisemitischer Gewalt seit 2006.

umzug Eine antisemitische Morddrohung in einer Schule würde in Frankreich keine Schlagzeilen machen. Der Alltagsantisemitismus ist in Frankreich genau das geworden: alltäglich. Ganze Gemeinden lösen sich auf, weil die Mitglieder auswandern oder innerhalb Frankreichs umziehen. In Aulnay-sous-Bois lebten vor zehn Jahren 600 jüdische Familien, heute sind es 100. Die noch immer größte jüdische Gemeinde Europas ist auch eine der erfolgreichsten: Jüdische Franzosen bereichern Wirtschaft, Politik und Kultur bis in die höchsten Ebenen.

Dennoch ist etwa in der Popkultur der Hass auf Juden fast zum Mainstream geworden. Seit einigen Jahren gibt es einen Antisemitismusbeauftragten, beschützen Soldaten Synagogen, wird im Fernsehen über Judenhass berichtet und debattiert.

agenda Doch dafür mussten erst Juden sterben. In Deutschland hat man anscheinend nicht nur aus der Geschichte, sondern auch vom Nachbarn gelernt. Auch der noch-nicht-mordende Antisemitismus ist mit der notwendigen Dringlichkeit auf der politischen Agenda angekommen.

Ich verstehe mittlerweile, dass mein Leben als Jude in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie in Watte gepackt war – das muss Normalität sein. Denn wenn in Deutschland Antisemitismus wieder mordet, wäre das für mich kein Grund für Ekel oder Fassungslosigkeit, sondern zum Auswandern.

Der Autor ist Berater für deutsch-französische Beziehungen beim AJC Europe in Paris.

Nahost

Trump über Iran: »Es gibt praktisch nichts mehr zum Angreifen«

Israels Verteidigungsminister hat Hoffnungen auf ein rasches Ende des Iran-Kriegs gerade erst eine Absage erteilt - nun sendet der US-Präsident erneut andere Signale

 11.03.2026

Großbritannien

London scheitert erneut mit Anklage gegen Kneecap-Rapper

Weil er bei einem Konzert eine Flagge der Hisbollah geschwenkt haben soll, wurde Rapper Mo Chara wegen Terrorismusvorwürfen angeklagt. Doch ein Formfehler lässt den Prozess scheitern

 11.03.2026

Doha

Wadephul: Weitere 93 Millionen Euro für humanitäre Hilfe

Der deutsche Außenminister ist vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs auf Krisenreise in der Golfregion. Um das Leid der Menschen zu mildern, stockt die Bundesrepublik ihre Unterstützungsgelder auf

 11.03.2026

Krieg

USA: Am Dienstag fast stündlich Angriffswellen auf den Iran

Die USA greifen seit mehr als einer Woche Ziele im Iran an. Am Dienstag hatte der US-Verteidigungsminister besonders harte Angriffe angekündigt. Nun äußert sich das US-Militär in einem Update dazu

 11.03.2026

Burg

Lehrer berichten in Buch aus Schulalltag mit Nazi-Parolen

»Es interessiert kaum jemanden«: Zwei Lehrer schlagen Alarm wegen rechter Ideologien an einer Schule in Brandenburg. In ihrem Buch »Rechtsruck im Klassenzimmer« geht es um mehr als Kritik am Wegsehen

von Monika Wendel  11.03.2026

Brüssel

EU verhängt weitere Iran-Sanktionen

Dem aktuellen Iran-Krieg ging die brutale Niederschlagung von regierungskritischen Protesten voraus. Die EU verschärft jetzt die Sanktionen und nennt eine konkrete Opferzahl

 11.03.2026

Lanz und Precht

»Irgendwie so bombt man sich das Ganze am Ende zurecht«

In ihrem wöchentlichen Podcast versuchen sich Talkmaster Markus Lanz und Philosoph Richard David Precht an einer Analyse der Hintergründe des Irankriegs – und scheitern gewaltig

von Michael Thaidigsmann  11.03.2026

Madrid

Spanien beruft seine Botschafterin in Israel ab

Die Sánchez-Regierung zieht Konsequenzen im Streit mit Israel: Die Botschafterin wird abberufen. Wie es dazu kam und welche politischen Konflikte dahinterstehen

 11.03.2026

Meinung

Jüdisches Leben gehört zum Ländle

Nach der Wahl in Baden-Württemberg kann die jüdische Gemeinschaft darauf vertrauen, auch künftig einen zuverlässigen Partner in der Landesregierung zu haben. Einzig das gute Abschneiden der AfD bereitet Sorgen

von Barbara Traub  11.03.2026