Handel

Dubai gegen Teheran

Ab jetzt keine illegalen Geschäfte mehr mit dem Iran – der Hafen von Dubai Foto: imago

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Dubai gegen Teheran

Die Arabischen Emirate unterstützen Iran-Sanktionen

von Martin Gehlen  28.06.2010 17:41 Uhr

Spötter nennen Dubai die »beste Stadt im Iran«. Das winzige arabische Land mit seinem gigantischen Verladehafen gilt als Drehkreuz für sensible Geschäfte mit der Islamischen Republik, als das dickste Loch im Sanktionsnetz der internationalen Staatengemeinschaft. Der Schmuggel verbotener Güter ist lukrativ, der arabisch-persische Handel über die Straße von Hormus jahrhundertealt.

handelswege Teherans Einkaufspassagen jedenfalls sind voll mit neuesten Computermodellen, Handys und anderen Waren aus aller Welt. Dafür sorgen 9.200 iranische Import-Export-Firmen, die in Dubai registriert sind – mindestens die Hälfte gilt als Tarnunternehmen der Revolutionären Garden. Geschätzte 400.000 iranische Geschäftsleute leben in dem Emirat. Tag für Tag legen hier die traditionellen arabischen Holzschiffe zur 250 Kilometer langen Überfahrt auf die persische Seite ab. Ihr Ameisentransport kennt keine Frachtpapiere und keine Statistik. Den Wert ihrer Ladungen schätzen westliche Experten auf 10 bis 12 Milliarden Dollar pro Jahr.

Das soll nun anders werden. Nach der UN-Resolution 1929, die die vierte Runde von Sanktionen gegen den Iran einläutete, gehen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erstmals gegen zwielichtige Firmen auf ihrem Territorium vor. Denn im Innengefüge der sieben Golf-Emirate haben sich die politischen Gewichte in den letzten neun Monaten erheblich verschoben. Seit Dubais Glitzerwelt im Herbst 2009 hart am Bankrott vorbeischrammte und erst mit einer 20-Milliarden-Dollar-Finanzspritze vom reichen Bruder Abu Dhabi aufgepäppelt werden musste, zieht der gemeinsame Staatschef Scheich Khalifa die Zügel an. Dubais Rolle als Sanktionsbrecher war dem 62-jährigen Herrscher Abu Dhabis schon lange ein Dorn im Auge. Aus seinem Misstrauen gegenüber den politischen und nuklearen Ambitionen des Teheraner Regimes hat er nie einen Hehl gemacht. 40 internationale und lokale Firmen ließ er jetzt schließen, weil sie »mit gefährlichen Gütern handeln, die unter UN-Embargo und Atomwaffensperrvertrag fallen«. Es sollen vor allem Firmen sein, die zum Wirtschaftsimperium der Revolutionären Garden gehören.

wettrüsten Auch wenn die Golfstaaten keine offene Konfrontation mit dem mächtigen Nachbarn wünschen, die Angst vor einer iranischen Atombombe ist groß. Fast alle arabischen Staaten streben inzwischen nach der Nukleartechnik, um im Falle eines atomaren Wettrüstens in der Region nicht ins Hintertreffen zu geraten. Abu Dhabi unterzeichnete kürzlich mit amerikanischer Billigung Verträge für vier Atommeiler mit einem südkoreanischen Konsortium – eine Premiere in der bislang nuklearfreien arabischen Welt. Mindestens sieben weitere Staaten – darunter Ägypten, Saudi-Arabien und Jordanien – wollen diesem Beispiel folgen und damit ebenfalls Irans aggressivem Atomkurs Paroli bieten. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien haben sich bereits in einem Vertrag mit den Vereinigten Staaten verpflichtet, das angereicherte Uran nur aus dem Ausland zu importieren.

Kontrolle »Es ist unmöglich, den Handel zwischen Dubai und Iran zu stoppen«, warnt ein westlicher Diplomat vor allzu hohen Erwartungen an die 40 Firmenschließungen. Dafür gebe es zu viele langjährige Geschäftskontakte zwischen beiden Ländern und zu viele Transaktionen, die sich nicht überwachen ließen. Wenn die Sanktionen nicht wirken, das ist allen Regierungen am Golf klar, bleiben am Ende nur zwei Übel als Alternative: Kommt es zu einer militärischen Konfrontation mit dem Iran, könnte sich die Islamische Republik zuerst an die nahe gelegenen Golfstaaten halten. Setzt sich Teheran mit dem Bau einer Atombombe durch, steigt Iran zur regionalen Supermacht auf und könnte den kleinen Nachbarn seinen Willen aufzwingen.

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