Vereinte Nationen

Die neue Wichtigkeit

Herausforderung im Blick: Womöglich gehört dazu auch, dass sich Deutschland an einem Blauhelm-Einsatz in Nahost beteiligt. Foto: Reuters

Mittelmacht. Das ist der Begriff, mit dem das moderne Deutschland sich außenpolitisch nicht nur beschreiben lässt, sondern auch identifiziert. Nach der Wahl in den UN-Sicherheitsrat muss die Bundesrepublik ihn mit Bedeutung füllen.

Mitte der 90er-Jahre war die Aufnahme in den erlauchten Kreis vor allem eine Einladung gewesen. Das wiedervereinigte Deutschland wurde mit dieser Geste endgültig in die Mitte der Völker aufgenommen – der Platz, aus dem das Deutsche Reich sich mit Weltkrieg und Holocaust scheinbar auf ewig verbannt hatte. Insofern konnte die Bundesrepublik vor 15 Jahren die Berufung in das entscheidende Gremium der Staatengemeinschaft als Vertrauensbeweis verstehen. Deutschland benötigte die Anerkennung mehr als die UN ihrerseits Deutschland im Sicherheitsrat brauchte. Diesmal ist das anders.

Diesmal sind Erwartungen damit verbunden. Deutschland darf nicht nur Verantwortung übernehmen, es soll dies sogar tun. Als jene Mittelmacht, die der wich- tigste wirtschaftliche Motor Europas ist, ein Vorbild an politischer Stabilität, ein verlässlicher Partner. Aber eben auch als jener Staat, der sich nicht mehr heraushalten kann, sondern mittendrin steht, von Afghanistan bis zum Horn von Afrika.

Realität Die Freude von Außenminister Westerwelle über die Wahl wird deshalb schnell der Frage weichen: Was sollen wir anfangen mit der neuen Wichtigkeit? Auch dabei hilft die Erinnerung an den Begriff Mittelmacht. Deutschland gehört nicht zur ers- ten Reihe, auch nicht in einer multipolaren Welt. Jede Form von Großmannsgehabe ist unangebracht. Auch moralisch. Der Triumph über die eigene Vergangenheit, die moralinsaure »Wir-haben-aus-der-Geschichte-gelernt«-Besserwisserei der rot-grünen Ära sollten sich Kanzlerin Merkel und Westerwelle verkneifen. Zumal auch das moderne Deutschland seine Unschuld spätestens mit dem fatalen Bombardement von Kundus verloren hat und in der Realität des Krieges angekommen ist, der das 21. Jahrhundert prägt.

Anders als in Europa oft vermutet und gehofft, hat auch das Ende der Neocons à la George W. Bush die Konfrontation des westlichen Kulturraums mit dem islamischen nicht beendet. Herauszufinden, wo genau diese Grenze verläuft und wie man sie zu seinen Gunsten verschieben kann, ist eine der zentralen Aufgaben, vor der reale und realistische Außenpolitik heutzutage steht. Denn die Kontroverse verschärft sich. Und sie tobt nicht zuletzt in den Konferenzräumen der Vereinten Nationen. Etwa, wenn es um die Frage geht, wie universal die Menschenrechte denn nun seien und welche Ausnahmen mit Rücksicht auf regionale oder religiöse Traditionen man gewähren dürfe. »Keine, nirgends« kann nur die deutsche Antwort lauten. Selbst, wenn es dafür wenig Zustimmung gibt.

Wer mächtig ist – und das ist eine Mittelmacht ohne Frage – muss sich entscheiden können. Auch um den Preis der Kontroverse. Sich beliebt zu machen bei jener Mehrheit der Vollversammlung, die Deutschland in den Sicherheitsrat gebracht hat, darf nicht das höchste Ziel der Amtszeit sein. Stattdessen geht es darum, klar und deutlich Stellung für die eigenen Werte und Interessen zu beziehen.

Klimawandel Deutsche Außenpolitik darf sich nicht verbiegen. Deshalb ist fraglich, ob sich Deutschland als Macht der Mitte ausgerechnet in der Zeit im UN-Sicherheitsrat wirklich in den wohlfeilen Konferenzschlager »Klimawandel« vertiefen sollte. Das Gremium hat viel konkretere, höchst dringliche Tagesordnungspunkte, zu denen Deutschland sofort viel beitragen kann.

Einer ist der Nahost-Konflikt. Berlin ist Israels bester, vielleicht sogar letzter echter Freund in Europa und zugleich in der arabischen Welt gut beleumundet. Diese Position könnte man als Mitglied des Sicherheitsrats nutzen. Im Kleinen geht es da um die Befreiung des Soldaten Gilad Schalit, im Großen um die Frage, ob Deutschland eine UN-Mission zum Schutz israelischer Grenzen unterstützen würde.

Und vor allem: Was lässt sich noch unternehmen im Kampf gegen das iranische Atomwaffenprogramm? Berlin hat in diesem Fall nicht nur eine klare Haltung, sondern durch jahrelange Verhandlungen große Kompetenz. Wenn Deutschland sowohl die iranische Bombe als auch eine militärische Konfrontation verhindern will, dann kommt jetzt eine entscheidende Phase für wirklich wirksame internationale Sanktionen. Denn im Sicherheitsrat reden Merkel und Westerwelle auf Augenhöhe mit Russland und China – und ohne die Hilfe dieser nach wie vor wankelmütigen Riesen lässt sich Teheran nicht stoppen. Die Mittelmacht Deutschland hat viel zu tun.

Der Autor ist stellvertretender Leiter von www.ksta.de, dem Internetauftritt des Kölner Stadtanzeigers.

Libanon

Suche nach sterblichen Überresten von Ron Arad gescheitert

Nach Angaben des israelischen Militärs landeten Kommandos in der Ortschaft Nabi Chit. Dort durchsuchten sie unter anderem einen Friedhof nach möglichen Hinweisen auf den Verbleib des Vermissten

 07.03.2026

USA

New York: Frau des Bürgermeisters gefallen Social-Media-Beiträge, die den 7. Oktober feierten

Einige der Posts stammten von israelfeindlichen Organisationen und stellten die Massaker in Israel als angeblichen Widerstand dar

 07.03.2026

Sicherheit

Israel verschärft Schutz für Botschaften im Ausland

Ein vereitelter Anschlag auf die israelische Botschaft in Aserbaidschan und eine Synagoge in Baku zeigen, warum die Maßnahmen als notwendig angesehen werden

 07.03.2026

Teheran

Iran bittet arabische Nachbarn um Entschuldigung – und setzt Angriffe fort

Die widersprüchlichen Signale werden als Anzeichen dafür angesehen, dass die politische Führung derzeit nur begrenzten Einfluss auf Teile des Militärs hat

 07.03.2026

Berlin

»Freiheit für den Iran«: Kundgebung am Brandenburger Tor

Demonstranten fordern Demokratie und erinnern an Tote und Gefangene

 07.03.2026

München

Vorfall am israelischen Generalkonsulat

Nach Steinwürfen gegen die diplomatische Vertretung kommt es zu einem Polizeieinsatz

 07.03.2026

Washington

Trump droht Iran mit »vollständiger Zerstörung«

Teheran werde heute »sehr hart getroffen«, sagt der amerikanische Präsident. »Iran ist nicht länger der Rüpel des Nahen Ostens, sondern stattdessen dessen Verlierer.«

 07.03.2026

Berlin

Bundesrat will Hakenkreuz-Schmierereien an Schulen bestrafen

Die Nutzung von verfassungsfeindlichen Kennzeichen durch Schüler soll strafbar werden. Der israelische Botschafter begrüßt den Schritt

 06.03.2026

Washington D.C.

Bodentruppen im Iran? Trump spricht von »Zeitverschwendung«

Grundsätzlich ausschließen wollte die US-Regierung den Einsatz von Bodentruppen im Iran bislang nicht. Jetzt reagiert Präsident Trump auf Äußerungen des iranischen Außenministers zu dem Thema

 06.03.2026