Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Jens-Christian Wagner, hat die Einflussnahme der israelischen Regierung auf die zentrale Gedenkfeier in Weimar kritisiert. Das sei das Schlimmste, was er in den vergangenen 25 Jahren erlebt habe, sagte er bei radio3 vom rbb.
Hintergrund ist die ursprünglich geplante Rede des deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm bei dem am Sonntag in Weimar geplanten Gedenken zum 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora.
Die Rede wurde verschoben, weil sich wegen der Einladung von Boehm ein Konflikt mit Vertretern der israelischen Regierung anbahne, hatte Wagner am Mittwoch gesagt. Boehm ließ auf Anfrage über seinen Verlag mitteilen, dass er sich dazu nicht äußern werde.
Scharfe Worte aus Botschaft
In dem Interview von radio3 sagte der Gedenkstätten-Leiter dazu: »Das habe ich noch nie erlebt und ehrlich gesagt, das möchte ich auch nie wieder erleben, tatsächlich gedrängt zu werden. Einem Enkel einer Holocaust-Überlebenden das Wort zu versagen, das ist wirklich das Schlimmste, was ich in 25 Jahren Gedenkstättenarbeit erlebt habe.« Zu der Gedenkfeier werden etwa zehn Überlebende des NS-Terrors erwartet.
Die israelische Botschaft in Berlin hatte auf X geschrieben, es sei empörend und eine »eklatante Beleidigung des Gedenkens an die Opfer«, Boehm einzuladen. In dem Posting unterstellte die Botschaft Boehm unter anderem, den Holocaust zu relativieren.
Boehm wurde 2024 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für sein Buch »Radikaler Universalismus« ausgezeichnet. In seiner Dankesrede forderte er im Namen der deutsch-israelischen Freundschaft auch harte Kritik aus Deutschland zum Nahost-Konflikt. Ihm zufolge gibt es Fehler auf allen Seiten.
Boehm spricht sich für einen »binationalen Staat« mit nationaler Selbstbestimmung und Autonomie für Juden und Palästinenser im Nahen Osten aus – eine Idee, für die er sich den Vorwurf der Realitätsferne anhören musste. dpa/ja