Meinung

Auftrag für alle Demokraten

Katharina Schmidt-Hirschfelder Foto: Marco Limberg

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin braucht keinen Antisemitismusbeauftragten. Genau genommen, ist es sogar der überflüssigste Job in der Gemeinde. Kein Grund zur Aufregung also, dass der Vertrag mit Rabbiner Daniel Alter, dem bisherigen Antisemitismusbeauftragten der Berliner Gemeinde, in der vergangenen Woche ausgelaufen ist. In der Öffentlichkeit rief diese Meldung Verwunderung, ja Empörung, hervor. Zu Unrecht.

Antisemitismus ist ein ernstzunehmendes Problem. Daran besteht kein Zweifel. Gerade deshalb sollte es aber nicht an jüdischen Gemeinden hängen bleiben, die Öffentlichkeit, sprich: Politik, Schulen, Gesellschaft, für seine vielfältigen Ausdrucksformen zu sensibilisieren und Gewalt gegen Juden zu bekämpfen. Denn der Ansatz ist höchst fragwürdig – birgt er doch in sich schon die Haltung, Antisemitismus sei allein das Problem der Juden und nicht etwa ein grundlegendes Demokratieproblem.

Bericht Dass es durchaus anders geht, zeigt ein Blick über die Grenzen. So richtete etwa das US-Außenministerium bereits 2004 eine »Abteilung zur Bekämpfung und Überwachung von Antisemitismus« ein und berief 2013 Ira Forman zu deren Sondergesandtem. Auch Frankreichs Regierung beschäftigt einen Antisemitismusbeauftragten. Einen »Europäischen Beauftragten gegen Antisemitismus« regte im Oktober auch EU-Kommissionsvize Frans Timmermans an, kurz nachdem ein Bericht der EU ein »Klima der Intoleranz« attestiert hatte. Der Posten eines Antisemitismusbeauftragten ist also dringender denn je. Aber eben dort, wo er hingehört.

Auch hierzulande gab es bereits Stimmen, die eine solche Stelle anderswo als in jüdischen Gemeinden verorten. Ganz neu ist die Forderung nach einem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung nicht. Der könnte etwa darauf pochen, dass den Vorschlägen von Expertenkommissionen tatsächlich Taten folgen.

Daniel Alters Engagement in allen Ehren – dass er als Ansprechpartner der Berliner Gemeinde wegfällt, ist bedauerlich. Dass er allerdings seinen Job künftig nicht mehr im Auftrag der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ausüben wird, ist kein Drama. Denn hier ist die Bundesregierung gefordert – ebenso wie der Berliner Senat und alle Institutionen, die es mit der Bekämpfung des Antisemitismus ernst meinen. Das Problem den Juden zu überlassen, ist das falsche Signal.

Meinung

Im Zweifel für das Narrativ?

Die »tageszeitung« (taz) veröffentlichte einen Beitrag eines Deutsch-Palästinensers, der nicht nur unrichtige Aussagen enthält, sondern eine sehr fragwürdige Erzählung propagiert

von Michael Thaidigsmann  18.08.2026

Teheran

Iran: Öffnung der Straße von Hormus hängt von USA ab

Der Iran knüpft die Öffnung der Straße von Hormus an Bedingungen im Abkommen mit den USA. Ein Professor sagt, US-Präsident Donald Trump könne sich nicht still zurückziehen

 18.08.2026

Debatte

Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Itamar Ben-Gvir

Israels rechtsextremer Minister Ben-Gvir wirbt unverhohlen für Tötungen im Gazastreifen. Das sorgt international für Entsetzen - auch beim jüdischen Dachverband in Deutschland

 18.08.2026 Aktualisiert

Wiesbaden

Hessen verbietet Verein Palästina e.V.

Sechs Objekte durchsucht, 35 Polizisten im Einsatz: Mit diesem Vereinsverbot geht Hessens Innenministerium gegen antisemitische Propaganda vor

 18.08.2026

Berlin

Der Senat fördert seit Jahren Islamismus-nahes Seelsorge-Projekt

Am Projekt »Muslimisches Seelsorge Telefon« ist mit »Islamic Relief« eine Organisation beteiligt, bei der das Bundesamt für Verfassungsschutz personelle Verflechtungen zur Muslimbruderschaft sieht

von Ralf Fischer  18.08.2026

Berlin

CDU-Außenpolitiker fordert EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir

Immer wieder schockiert Israels Polizeiminister Ben-Gvir. Jetzt hat er zu mehr gezielten Tötungen in Gaza aufgerufen, nicht nur bei unmittelbarer Gefahr. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, fordert Konsequenzen

 18.08.2026

Sachsen-Anhalt

Prominente unterstützen Kampagne gegen AfD-Alleinregierung

Mit Plakaten und einer Bustour will ein Bündnis auf die Folgen einer AfD-geführten Regierung aufmerksam machen. Welche Prominenten die Kampagne unterstützen und was geplant ist

 18.08.2026

Nahost

Trump droht Oman mit Angriff

Der Präsident wird erneut vulgär: »Wenn Oman im Weg steht, werden wir die Scheiße aus ihnen herausbomben«, erklärt er

 18.08.2026

Moskau

Russischer Oppositioneller Schlosberg zu elf Jahren Haft verurteilt

Wie begründet die russische Justiz dieses Urteil?

 18.08.2026