Teil-Legalisierung

»Als Medizin erlaubt«

Rabbiner Glassman, der Bundestag hat für die Legalisierung von Cannabis gestimmt. Gibt es göttliche Gesetze übers Kiffen?
Der Talmud erwähnt es nicht eigens, aber wenn man Gras als Medizin betrachtet, ist es in der Regel erlaubt. Der Rambam etwa hat Cannabis zu medizinischen Zwecken verschrieben. Sich zur Entspannung zu berauschen, ist im Judentum aber nicht erlaubt, da es eine Person von der Tora entfremden könnte. Nur an Purim ist der Rausch erlaubt (Ad lo jada), um das religiöse Ziel des Verstehens des Konzeptes zu erreichen, dass die Gegensätze, die wir in dieser Welt sehen, beide aus dem vereinigenden Unaussprechlichen, Unendlichen stammen. Ob Marihuana als spirituelle Droge gelten kann, das ist eine gute Frage.

Gibt es dafür denn Hinweise aus historischer Perspektive?
Die Kohanim, die Priester, haben im Tempel zweimal am Tag Räucherwerk verbrannt, genau wie der Hohepriester an Jom Kippur. Der Rauch sollte nicht einen reinigenden Geruch verbreiten, sondern auch als Entheogen dienen, also eine spirituelle Erfahrung vermitteln. Unsere Weisen sagen uns, dass der Weihrauch aus zwölf Zutaten bestand, von denen die letzte geheim war. Handelte es sich dabei um Cannabis? Das werden wir erst mit der Erlösung wissen. Was wir schon jetzt wissen, ist, dass unsere Gerechten der Tora zufolge in Leichentücher aus Hanf eingewickelt wurden und dass in der Zukunft alle Juden, die von dieser Welt gegangen sind, wie Hanf aus dem Boden sprießen werden, wenn der Messias erscheint.

Was würden Sie als Mediziner jemandem raten, der Cannabis ausprobieren möchte?
Ich würde unbedingt dazu raten, vorher mit einem erfahrenen Arzt zu sprechen.

Was sind die Gefahren, aber auch die Vorteile des Konsums?
Cannabis kann zugrunde liegende psychische Erkrankungen, einschließlich der Schizophrenie, verschlimmern. Es zu rauchen, kann die Lungen wegen der hohen Temperaturen und der Partikel beschädigen. Die Vorteile können vielfältig sein, da sich Rezeptoren für Cannabinoide in jeder Zelle des Körpers und in jedem Organ befinden. Cannabis kann den Blutdruck senken, entzündungshemmend wirken und sogar verengte Bronchien erweitern. In Ölform ist es auf jeden Fall sicherer als in Rauchform. Für die richtige Dosis sollte man sich an einen Arzt wenden.

Wie kann man sichergehen, dass das Cannabis auch koscher ist?
Meistens stellen staatliche Behörden sicher, dass Cannabis frei von Insekten ist. Falls dem nicht so ist, kann es mit der Kaschrut ein Problem geben. Insekten zu essen, ist schlecht, wenn nicht sogar noch schlechter, als Schwein zu essen. Wenn es als Medizin verwendet wird, sind Insekten kaum ein Problem, weil darin auch nicht-koschere Dinge enthalten sein dürfen.

Die Fragen an den New Yorker Rabbiner und Arzt stellte Nils Kottmann.

Ab 1. April ist der Konsum von Cannabis für Erwachsene in Deutschland erlaubt. Der Bundesrat entschied sich am Freitag gegen die Anrufung des Vermittlungsausschusses und billigte damit das bis zuletzt umstrittene Cannabis-Gesetz. Mit dem Gesetz der Ampel-Koalition werden der Konsum sowie in begrenzter Menge Besitz und Anbau der Droge für Erwachsene erlaubt. Es kann wie geplant zum 1. April in Kraft treten. (epd)

Teheran

Irans neuer Oberster Führer erklärt USA zum Verlierer des Krieges

Der Oberste Führer wirft den Gegnern seines Landes vor, nach dem militärischen Konflikt nun auf psychologische Mittel zu setzen

 05.06.2026

Hamburg

Ex-Antisemitismusbeauftragter berät CDU

Stefan Hensel hatte sein Amt aus Protest gegen die Arbeit des rot-grünen Senats niedergelegt. Jetzt berät er die Opposition bei der Ausarbeitung eines Aktionsplans gegen Antisemitismus

 05.06.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter legt Bericht vor

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner hat eine erste offizielle Bilanz seiner Arbeit angekündigt

 05.06.2026

Wahlen

Weimer: AfD wird »wie ein Soufflé« zusammenfallen

In Umfragen ist die AfD an den Regierungsparteien CDU und SPD vorbeigezogen. Doch der Kulturstaatsminister ist zuversichtlich, dass sich das Blatt bald wendet

 05.06.2026

Jerusalem

US-Botschaft warnt amerikanische Staatsbürger vor erhöhter Gefahr im Nahen Osten

Ist die neue Sicherheitswarnung ein Hinweis auf bevorstehende neue Angriffe gegen das iranische Regime, dessen Revolutionsgarden und atomare Anlagen?

 05.06.2026

Interview

»Wir wollen eine Gegenstimme zu israelfeindlichen Narrativen sein«

Anika Schmütz ist die neue Vorsitzende des »Jungen Forums« der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Ein Gespräch über das Israelbild unter jungen Deutschen, Antisemitismus in linken Milieus und die Freundschaft zwischen zwei Ländern

von Joshua Schultheis  05.06.2026

Washington D.C.

Trump will iranische Uranbestände nach Kriegsende holen

Zum wiederholten Mal äußert sich der US-Präsident hinsichtlich eines Abkommens mit Teheran optimistisch: Bereits in den kommenden Tagen könne eine vorläufige Einigung erzielt werden

 05.06.2026

Kommentar

Juden haben Hausverbot

Ausgerechnet in einem Prozess gegen einen Antisemiten würde einer Jüdin der Zutritt verwehrt, weil sie einen Davidstern um den Hals trug. Keine der Erklärungen für diesen Skandal ist beruhigend

von Wolf J. Reuter  05.06.2026

Meinung

Sicherheitsrat? Wichtiger ist, dass Deutschland Weltmeister wird!

Deutschland scheitert in New York mit seiner Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat - und die versammelte Schwarmintelligenz weiß auch warum. Spoiler-Alert: Es hat etwas mit Annalena Baerbock zu tun. Oder mit Israel

von Michael Thaidigsmann  04.06.2026