Meinung

Affront gegen alle Juden

Deutschland hat die übliche rechtsverbindliche Rückgabezusage von Qumran-Texten aus Israel verweigert, die bei einer Ausstellung in Frankfurt/Main gezeigt werden sollten. Die Begründung: Die Eigentumsrechte der Texte seien völkerrechtlich umstritten, weil die Palästinensische Autonomiebehörde deren »Rückgabe« gefordert habe.

Zunächst die Fakten: Die hebräischen Texte wurden ab etwa 150 v.d.Z. im letzten jüdischen Königreich Juda und in der nachfolgenden römischen Provinz Judäa von Juden geschrieben. Vor dem Ausbruch des jüdischen Krieges um 66 n.d.Z. wurden sie von ihren Besitzern auf jüdischem Territorium in Sicherheit gebracht. Sie konnten allerdings nicht mehr geborgen werden, weil die europäisch-römische Macht deren Besitzer im Krieg getötet hatte und gute 60 Jahre später jede jüdische Selbstständigkeit in Judäa vernichtete. Durch die nachherige christliche und muslimische Eroberung des ehemals jüdischen Landes wurde aus dem jüdischen Kulturgut – das man heute zu Recht als Weltkulturerbe betrachtet – keinesfalls christliches oder muslimisches Kulturgut.

hebräische universität Die Wiederentdeckung der Texte geschah ab 1947 während der britischen Mandatszeit durch beduinische Raubgräber, welche die Texte auf dem Jerusalemer Basar verkaufen wollten. So konnte der syrische Metropolit wichtige Teile davon in die USA schmuggeln, um sie dort teuer zu verkaufen und zwar, was er aber nicht wusste, an die Hebräische Universität in Jerusalem, die zuvor ein anderes Konvolut erworben hatte. Hier also konnte noch kein »palästinensischer Rechtsanspruch« entstehen.

Wenn bei fadenscheiniger Rechtsunsicherheit eindeutige kulturelle und historische Gewissheiten missachtet werden, ist dies ein massives politisches Bekenntnis, ja, ein Affront gegen alle Juden und ein Land, dessen Freundschaft und Sicherheit bloß als ein wohlfeiles Lippenbekenntnis dienen. Deutschland ist nicht der Staat, der eine ideologische Delegitimierung Israels unterstützen darf!

Der Autor ist Judaist in Potsdam und forscht seit Jahrzehnten zu den Qumran-Texten.

Debatte

»Israel bekämpft Dschihadisten«: Außenminister Gideon Saar kontert Vorwürfe von Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen

Die Hintergründe

 23.09.2026

Solidarität

LED-Truck gegen Judenhass in fünf deutschen Städten

Mit einer bundesweiten Aktion wollen die »Christen an der Seite Israels« rund um den Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober auf Antisemitismus aufmerksam machen

 23.09.2026

Düsseldorf

Islamistischer Schüler wegen zweifachem Messerangriff verurteilt

Ein Essener Schüler ist wegen versuchten Mordes verurteilt worden. Das Oberlandesgericht sprach ihn schuldig

 23.09.2026

Berlin

SPD-Fraktionschef Raed Saleh tritt nicht wieder an

Nach 15 Jahren an der Spitze zieht der Spandauer die Konsequenzen aus dem historisch schlechten Wahlergebnis: Er will nicht erneut für den Vorsitz seiner Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus kandidieren

 23.09.2026

UNO-Vollversammlung

Netanjahus UN-Besuch: Proteste von Regierungskritikern und Israelfeinden erwartet

Mehrere Gruppen wollen auf die Straße gehen, wenn der israelische Ministerpräsident am Donnerstag in New York eintrifft

 23.09.2026

New York

Trump droht Iran mit »Auslöschung«

Die Unterredungen seien »sehr gut« verlaufen, sagt US-Präsident Trump. Kurz darauf schlägt er schärfere Töne an

 23.09.2026

Berlin

Josef Schuster: Nachträgliche Distanzierungen sind völlig unglaubwürdig

Ankündigungen der Linken-Parteispitze in Zusammenhang mit Judenhass in den eigenen Reihen bezeichnet der Präsident des Zentralrates der Juden als »reine Lippenbekenntnisse«

 23.09.2026

Reaktion

»Juden können sich in Berlin nicht mehr sicher fühlen, wenn Elif Eralp gewählt wird«

Bundesbildungsministerin Karin Prien warnt SPD und Grüne vor Regierung mit Linken

 23.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026