Rückblende

1987: Gründung des Jüdisches Zentralarchivs

Peter Honigmann leitet das Heidelberger »Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland«. Foto: Philipp Rothe

Um die Erinnerung an Personen, Institutionen und Ereignisse über Generationen hinweg zu bewahren, bedarf es historischer Quellen. Deren Aufbewahrung war seit jeher eine wichtige Aufgabe jüdischer Gemeinden. Über Jahrhunderte hinweg wurden sie weniger aus historischem Interesse als aus religiöser Ehrfurcht gesammelt. Dafür dienten die sogenannten Genisot, die oftmals in Dachkammern von Synagogen untergebracht waren und erst Generationen später wiederentdeckt wurden.

Die bekannteste Genisa wurde in Kairo Ende des 19. Jahrhunderts wiedergefunden und legte einen bis heute noch nicht ganz erschlossenen Schatz mittelalterlicher jüdischer Dokumente frei. Aber auch in vielen Landsynagogen in Deutschland wurden Genisot gefunden, die die lokale Geschichte wieder freilegten.

zerstört In unserer Zeit dienen moderne Archive zur Aufbewahrung solcher Dokumente. Jüdische Gemeinden sorgten dafür oftmals selbst, doch zumeist ohne professionelle Betreuung. Daher wurde 1905 das Gesamtarchiv der deutschen Juden eingerichtet, in dem unter professioneller Aufsicht die Bestände zahlreicher Gemeinden geordnet und aufbewahrt wurden. Wie viele andere Archi ve ist auch dieses zum großen Teil in der NS-Zeit zerstört worden, beziehungsweise verloren gegangen.

Nach dem Krieg haben die neu aufgebauten jüdischen Gemeinden zumeist mehr schlecht als recht ihre neuen Bestände geordnet. Oft lagen sie in feuchten Kellern, gerieten in Abstellkammern in Vergessenheit oder wurden schlichtweg weggeworfen.

Um auch zukünftigen Generationen ein Bild der deutsch-jüdischen Nachkriegsgeschichte geben zu können, richtete der Zentralrat 1987 das Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland ein, in dem ein wachsender Bestandteil von Akten jüdischer Gemeindeeinrichtungen wie auch Personenbestände lagern. Die Geschichte der Juden in Deutschland nach 1945 ohne Sichtung dieses Archivs zu schreiben, wäre heute unmöglich.

professionell Leider haben sich noch immer nicht alle jüdischen Gemeinden und Landesverbände dazu entschlossen, ihre Bestände nach Heidelberg abzugeben, wo sie unter der fachkundigen Leitung von Peter Honigmann professioneller und fachgerechter aufbewahrt – und nach Wunsch auch unter Verschluss gehalten werden können –, als dies in den jeweiligen Gemeinden der Fall ist.

Seit Einweihung des neuen Gebäudes der Hochschule für Jüdische Studien im Jahre 2009 ist auch das Archiv dort untergebracht und symbolisiert damit nicht nur den Wiederaufbau jüdischen Lebens in Deutschland, sondern den Willen, dauerhafte historische Spuren zu hinterlassen.

Teheran

Modschtaba Chamenei bleibt unsichtbar

Der neue »Oberste Führer« des Iran zeigt sich weiter nicht in der Öffentlichkeit. Eine verlesene Botschaft ersetzt seine Neujahrsrede

 20.03.2026

Bern

Schweiz stoppt Waffenexporte an die USA

Wegen ihres strikten Neutralitätsprinzips liefert die Schweiz vorerst keine Waffen mehr an die USA, weil diese am Krieg gegen den Iran beteiligt sind

 20.03.2026

Berlin

DIG kritisiert Deutschlands Rückzug im Verfahren zum angeblichen Genozid gegen Israel

»Deutschland opfert Israel seinen Ambitionen auf einen Sitz im Weltsicherheitsrat«, sagt DIG-Präsident Volker Beck. Und nennt es »schändlich«

 20.03.2026

Bildung

Stille im Vieh-Waggon - Jugendliche fühlen die Geschichte des ehemaligen KZ Bergen-Belsen

Jugendliche aus ganz Europa hören in Bergen-Belsen von Hunger, Enge und Angst - und stehen plötzlich selbst an den Orten des Grauens. Für viele ist der Besuch im früheren Konzentrationslager die erste intensive Begegnung mit der NS-Zeit

von Charlotte Morgenthal  20.03.2026

Argentinien

Argentinien übernimmt IHRA-Vorsitz

Das südamerikanische Land übernimmt die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Als erstes auf dem Kontinent

 20.03.2026

Oslo

Mette-Marit: Epstein hat mich manipuliert

Vertraute Mails und Liebes-Tipps: Ihre Freundschaft mit dem Sexualstraftäter hat Norwegens Kronprinzessin in Bedrängnis gebracht. Jetzt gab Mette-Marit ein Fernsehinterview

 20.03.2026

Meinung

Warum die Stellungnahme der USA beim IGH eine Enttäuschung ist

Die Intervention Washingtons vor dem Internationalen Gerichtshof nimmt zwar Israel gegen den Vorwurf des Genozids in Schutz. Sie liefert den Richtern aber kaum Argumente

von Menachem Z. Rosensaft  20.03.2026

Berlin

Berliner Spitzen-Linke kritisiert Zionismus-Beschluss

Ein Entscheid der niedersächsischen Linken gegen den »real existierenden Zionismus« sorgt auch in der eigenen Partei für Aufregung. Die Spitzenkandidatin für die Berlin-Wahl geht auf Distanz

 20.03.2026

Teheran

Iran meldet Tod von Revolutionsgarde-Sprecher bei Angriffen

Staatliche iranische Medien vermelden den Tod von Ali Mohammad Naini, der seit 2024 die Revolutionsgarde repräsentierte

 20.03.2026