Martin Krauß

Gerechtigkeit braucht Rente

Martin Krauss Foto: Stephan Pramme

Martin Krauß

Gerechtigkeit braucht Rente

Der Bundestag hat das Problem der Altersgelder für Zuwanderer vertagt und einen tragbaren Antrag erst einmal verworfen. Aber die Zeit drängt

von Martin Krauss  28.02.2019 07:46 Uhr

Kerstin Griese hat recht: Das Thema, zu dem die Staatssekretärin im Sozialministerium sprach, ist komplex. Es geht um die Altersgelder und die Lebensleistung der jüdischen Zuwanderer aus der früheren Sowjetunion.

Was für Griese und die Fraktionen von CDU/CSU und SPD aus dieser Komplexität folgt, ist allerdings nicht zwingend, nicht richtig und schon gar nicht gerecht. Diese Menschen kamen nach 1990 in dieses Land, auch und nicht zuletzt, weil es offenen Antisemitismus in den Gesellschaften gab, in denen sie lebten. Und nach Deutschland kamen sie aus ähnlichen Gründen wie die von der Regierung stets umworbenen Spätaussiedler.

GEMEINSAMKEITEN Es gibt, das ist zur Genüge nachgewiesen, historische Gemeinsamkeiten zwischen diesen Gruppen, die teils Jiddisch sprechen, teils ein gebrochenes Deutsch. Es gibt auch biografische Parallelen: Sie haben in der gleichen Schule gelernt, im gleichen Betrieb gearbeitet.

Zuwanderer kamen aus ähnlichen
Gründen nach Deutschland wie die nichtjüdischen Spätaussiedler.

Der Unterschied begann erst mit der Übersiedlung, die doch in beiden Fällen von der deutschen Politik erwünscht war. Für die nichtjüdischen Spätaussiedler gilt das Fremdrentengesetz, das dafür sorgt, dass ihre Arbeit in der Sowjetunion bei der deutschen Rente verrechnet wird. Für die jüdischen Zuwanderer gibt es nur die Rente, die sie sich seit den 90er-Jahren erarbeiten konnten – wenn man sie denn ließ.

Oft wird gesagt, dass schon die Rentenzahlungen an Spätaussiedler problematisch seien. Schließlich gelte für diese Gruppe die ohnehin kritikwürdige Deutschtumsbestimmung via Blut und Abkunft – auch wenn ein SS-Opa als Beweis herangezogen wird. Mag sein, dass die Kritik zutrifft. Aber überhaupt nicht einzusehen ist, warum jüdische Zuwanderer die Leidtragenden dieses Staatsbürgerschaftsrechts sein sollten.

Ja, das Thema ist komplex. Aber die Zeit drängt trotzdem.

Meinung

Was würden Saba und Savta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen aber dennoch die Mehrheit darstellen.«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026

Meinung

Ein Schmock kommt selten allein

Im »Dschungelcamp« scheint Gil Ofarim in bester Gesellschaft. Doch was hat er aus seiner Lüge in der »Davidstern-Affäre« gelernt?

von Ayala Goldmann  27.01.2026

Meinung

»Zeit Geschichte« stellt sich in eine unsägliche Tradition

Das Titelbild der neuen Ausgabe des Hefts reduziert den Nahostkonflikt auf ein simples Gut-gegen-Böse-Schema. Immer wieder nutzen renommierte Medien problematische Bildsprache, wenn es um Israel geht

von Nikolas Lelle  27.01.2026

Meinung

Israel hat seine Zukunft zurück

Ran Gvili, die letzte Geisel in Gaza, wurde geborgen und nach Israel überführt

von Sabine Brandes  26.01.2026

Menachem Z. Rosensaft

Deutsche Bahn auf Abwegen

Eine neue Bahntrasse soll in nur 400 Meter Abstand an der Verladerampe des ehemaligen Todeslagers Bergen-Belsen vorbeiführen. Der Umgang mit diesem historischen Ort ist skandalös

von Menachem Z. Rosensaft  22.01.2026

Meinung

Jugendwerk endlich gründen

Seit vielen Jahren wird immer wieder betont, wie wichtig die Institutionalisierung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs wäre. Höchste Zeit, die Idee in die Tat umzusetzen

von Joshua Schultheis  21.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Unsere Autorin wünscht sich, dass das brutale Regime in Teheran fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026

Meinung

Friedensrat für Gaza oder Kriegsrat gegen Israel?

In Zukunft sollen ausgerechnet die Hamas-Unterstützerstaaten Katar und die Türkei im Friedensrat über den Gazastreifen mitbestimmen dürfen. Für Israel sollte das eine Warnung sein, sich unabhängiger von den USA zu machen

von Daniel Neumann  21.01.2026

Meinung

Einladung, Empörung, Ausladung

Dass der Iran am Weltwirtschaftsforum in Davos zunächst willkommen war und kurz darauf wieder ausgeladen wurde, ist ein Lehrstück darüber, wie Menschenrechte erst dann zählen, wenn sie zum Reputationsrisiko werden

von Nicole Dreyfus  19.01.2026