Jubiläum

Swingende Sultane: Mark Knopfler wird 75

Mark Knopfler war mit seinen Dire Straits ein Superstar. Foto: picture alliance / empics

Und wieder hat er die Hoffnungen vieler Fans enttäuscht: Nein, er werde nicht seine alten Kumpels von den »Dire Straits« für ein Comeback zusammenrufen, bekräftigte Mark Knopfler im April in einem Interview mit dem britischen Fernsehsender BBC. Und nein, er sei glücklich ohne die Band, von deren Erfolg er bis heute zehrt.

»Sultans of Swing« - der Name des britischen Gitarristen, Sängers, Songschreibers und Produzenten bleibt verbunden mit dem größten Hit der »Dire Straits« aus der Jahr 1978. Der Musiker, der als einer der besten Gitarristen des Rocks gilt, wird am 12. August 75 Jahre alt.

Erst spät startet Knopfler seine Karriere. Er kommt im schottischen Glasgow als Kind eines jüdischen Architekten aus Ungarn und einer britischen Lehrerin zur Welt. Als Teenager kommt er zur Gitarre, fiebert seinem Idol Hank Marvin von der britischen Instrumentalband »The Shadows« nach. Knopfler arbeitet als Journalist, wird dann Englischlehrer. Nebenher spielt er in regionalen Pubs.

In den 1980er-Jahren waren Mark Knopfler und seine Dire Straits allgegenwärtig.Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS
Klar und unverzerrt

1977 gründet er zusammen mit seinem jüngeren Bruder David und zwei Freunden die Band »Dire Straits«. Der Name bedeutet so viel wie »schreckliche Notlage« oder auch »totale Pleite«. Typisch für die Gitarrenband ist der klare, unverzerrte Sound von Fender-Stratocaster-E-Gitarren. Wie Marvin von den »Shadows« wählt er eine rote »Strat« - sie ist sein Markenzeichen.

Bis heute ist Knopfler, der etwa 120 Millionen Tonträger verkauft hat, für Gitarristen weltweit ein Vorbild in puncto Sound und Spielgefühl. Das Debütalbum der »Dire Straits« (1978) schlägt weltweit wie ein Blitz ein. Songs wie »Water of Love« kommen ziemlich lässig daher. Ein Mix aus Rock, Blues, Country, britisch-irischem Folk und Jazz, der in den Hochzeiten von Punk und Disco am Ende der 1970er Jahre eigentlich antiquiert ist.

Das Sechs-Minuten-Stück »Sultans of Swing« mit den knackig-orientalisch klingenden Gitarrenriffs macht das britische Quartett zu Superstars. 375 Millionen Mal ist das Musikvideo zu dem Song über eine Jazzband, der niemand zuhört, bisher auf Youtube angeklickt worden.

Hoher Wiedererkennungswert

Knopfler macht es seinem weiteren Vorbild, dem Country-Gitarristen Chet Atkins, gleich und zupft die Saiten, ohne ein Plektrum (Plättchen zum Anschlagen) zu nehmen. Hohen Wiedererkennungswert hat sein warmer Sound: »Die orthodoxe Art, Gitarre zu spielen, hat mich nie angesprochen. Ich bin der Albtraum eines jeden Gitarrenlehrers«, kokettiert Knopfler in einer Fernsehshow. Lange nicht so ausdrucksvoll ist seine nuschelige, tiefe Gesangsstimme, die stets etwas müde klingt.

Sechs Alben produziert Knopfler mit den »Dire Straits«. »Once Upon a Time in the West«, »Romeo and Juliet«, »Money for Nothing«, »Walk of Life« und »So Far Away« lauten die Erfolgstitel. 1985 gelingt ihm der größte Erfolg mit dem Album »Brothers in Arms«, es ist eines der meistverkauften in der Musikgeschichte. Nie wieder lässt Knopfler seine Gitarre so weinen wie bei dem Titelstück - einem Plädoyer für Frieden auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. »Wir sind Narren«, sagt darin ein sterbender Soldat, »wenn wir Krieg gegen unsere Brüder führen«.

Mit den »Dire Straits« ist 1991 Schluss, die Band löst Knopfler jedoch niemals auf. »Ich wollte mich weiterentwickeln, mit anderen Musikern zusammenarbeiten«, erzählt der Musiker, der im Londoner Stadtteil Notting Hill lebt, im BBC-Interview. Er wendet sich seiner Solokarriere zu.

Mark Knopfler unterstützt Hilfsorganisationen und besucht krebskranke Kinder in Krankenhäusern.Foto: picture alliance / empics
»Private Dancer«

Schon 1983 hat er die Musik zu dem Film »Local Hero« geschrieben. Der US-amerikanischen Rocksängerin Tina Turner verhilft er mit seinem Song »Private Dancer« (1984) zu einem überraschenden Comeback. Er arbeitet mit Bob Dylan, Eric Clapton, Van Morrison und der Country-Sängerin Emmylou Harris zusammen.

Seit Jahren pflegt Knopfler gemeinsam mit internationalen Spitzenmusikern seine Liebe zu traditioneller Folk- und Countrymusik.
Mit 60 Musikerfreunden hat er zuletzt für ein Krebshilfe-Projekt seinen Song »Going Home« aus »Local Hero« neu aufgenommen. Insgesamt erhielt Knopfler, der zum dritten Mal verheiratet ist und mehrere Kinder hat, für seine Arbeit vier Grammys.

Anfang des Jahres hat er viele Instrumente aus seiner Gitarrensammlung versteigert, ein Teil der Erträge soll wohltätigen Zwecken zugutekommen. Ans Aufhören denkt der in sich ruhende Musiker nicht, allerdings ist er nach mehreren Covid-Erkrankungen angeschlagen und will nicht mehr touren. Das Musikerleben gleiche »einer Reise in einem Beschleuniger«, sagt er im April anlässlich der Veröffentlichung seines neuen Albums »One Deep River«, das damals gleich auf Platz 1 der deutschen Albumcharts rückte. »So ist das, wenn man Spaß hat: Die Zeit fliegt dahin.«

Malerei

First Ladys der Abstraktion

Das Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden zeigt farbenfrohe Bilder jüdischer Künstlerinnen

von Dorothee Baer-Bogenschütz  14.01.2025

Leipzig

»War is over« im Capa-Haus

Das Capa-Haus war nach jahrzehntelangem Verfall durch eine bürgerschaftliche Initiative wiederentdeckt und saniert worden

 14.01.2025

Debatte

»Zur freien Rede gehört auch, die Argumente zu hören, die man für falsch hält«

In einem Meinungsstück in der »Welt« machte Elon Musk Wahlwerbung für die AfD. Jetzt meldet sich der Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner zu Wort

von Anna Ringle  13.01.2025

Krefeld

Gütliche Einigung über Campendonk-Gemälde

An der Einigung waren den Angaben nach die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth (Grüne), das Land NRW und die Kulturstiftung der Länder beteiligt

 13.01.2025

TV

Handgefertigte Erinnerung: Arte widmet Stolpersteinen eine Doku

Mehr als 100.000 Stolpersteine erinnern in 30 Ländern Europas an das Schicksal verfolgter Menschen im Zweiten Weltkrieg. Mit Entstehung und Zukunft des Kunstprojektes sowie dessen Hürden befasst sich ein Dokumentarfilm

von Wolfgang Wittenburg  13.01.2025

Mascha Kaléko

Großstadtdichterin mit sprühendem Witz

In den 20er-Jahren war Mascha Kaléko ein Star in Berlin. Die Nazis trieben sie ins Exil. Rund um ihren 50. Todestag erleben die Werke der jüdischen Dichterin eine Renaissance

von Christoph Arens  13.01.2025

Film

»Dude, wir sind Juden in einem Zug in Polen«

Bei den Oscar-Nominierungen darf man mit »A Real Pain« rechnen: Es handelt sich um eine Tragikomödie über das Erbe des Holocaust. Jesse Eisenberg und Kieran Culkin laufen zur Höchstform auf

von Lisa Forster  13.01.2025

Sehen!

»Shikun«

In Amos Gitais neuem Film bebt der geschichtsträchtige Beton zwischen gestern und heute

von Jens Balkenborg  12.01.2025

Omanut Zwillenberg-Förderpreis

Elianna Renner erhält Auszeichnung für jüdische Kunst

Die Schweizerin wird für ihre intensive Auseinandersetzung mit Geschichte, Biografie und Politik geehrt

 12.01.2025