Kino

»Menashe hat mir vertraut«

Herr Weinstein, am 6. September kommt Ihr Film »Menashe« in die Kinos. Wie geht es dem wirklichen Menashe gerade?
Wir sprechen sehr oft miteinander. Es ist für einen religiösen Juden, der auch als solcher äußerlich zu erkennen ist, sehr schwierig, gleichzeitig das und ein Schauspieler zu sein. Denn wenn man eine Rolle angeboten bekommt, bedeutet das, die Gemeinschaft verlassen zu müssen – und das kommt nicht infrage. Es ist eine sehr abgeschottete Gemeinschaft, und noch gibt es keine Öffnung nach außen. Also: Menashe hat es nicht immer leicht.

Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?

Dafür muss ich etwas weiter ausholen. Ich bin in New York geboren, bin ein ganz normaler Jude und war schon immer fasziniert von dem »Melting Pot«. Es ist fast wie ein Salat mit vielen verschiedenen Geschmäckern. Vor Jahren – ich glaube, es war an Purim – bin ich in Borough Park gewesen und habe gesehen, wie sich diese sehr verschlossene Gemeinschaft für diesen einen Tag geöffnet hat. Viel später habe ich dann auf YouTube Videos von Daniel Finkelman gesehen, der jüdische Musikvideos macht. Ich traf Menashe bei so einem Dreh und mochte ihn auf Anhieb.

Menashe ist im Film, wie auch im wahren Leben, alleinerziehender Vater eines Sohnes. Seine Frau ist gestorben. Wann wussten Sie, dass sein Leben Ihr Film sein wird?
Ich habe schon vorher viel in der jüdischen Gemeinschaft recherchiert, habe Synagogen besucht und nach einer Story gesucht. Aber als mir Menashe aus seinem Leben erzählte, wusste ich sofort, dass mein Film dies zur Grundlage nehmen würde.

Sie leben in einer komplett anderen Welt als Menashe. Wie war die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden?
Menashe ist sehr intuitiv, gewieft und gescheit, und wir beide erzählen sehr gern Geschichten. Er hat mir vertraut, dass ich seine Geschichte würdevoll erzähle. Ich stand also mächtig unter Druck, dem gerecht zu werden.

Welche Szene ist Ihnen nachhaltig in Erinnerung geblieben?
Die, in der Menashe seinem Sohn im Film, der von Ruben Niborski gespielt wird, eine Ohrfeige gibt. Ruben ist so ein niedliches und zuvorkommendes Kind. Seine Mutter ist übrigens Deutsche. Jedenfalls fiel es Menashe sehr schwer, dieses Kind zu schlagen. Es war eine emotional äußerst aufwühlende Szene. Er musste so oft mit großen Gefühlen umgehen. Das bewundere ich immer noch an ihm. Es war wirklich eine besondere Ehre, mit Menashe zusammenzuarbeiten. Denn er ist wie ein ungeschliffener Diamant.

Wie haben Sie die ultraorthodoxe Gemeinschaft wahrgenommen?
Mich hat zuallererst einmal die Umgebung fasziniert. Denn nur ein paar Blöcke weiter, und man ist in einem pakistanischen oder in einem Hipster-Viertel. Von außen betrachtet, kann man bestimmt viele negative Dinge über die ultraorthodoxe Gemeinschaft sagen, und sie wären alle wahr. Frauen haben nicht die gleichen Chancen wie in der säkularen Welt. Sie erhalten nicht die gleiche Bildung, sie haben nicht die Möglichkeit, wirtschaftlich unabhängig zu sein. Das alles ist etwas, was ich nicht billige. Aber: Ich kann nun einmal nicht zu jemandem nach Hause kommen und dessen Lebensstil kritisieren. Sonst hätte ich diesen Film nicht machen können.

Sie haben gerade die Situation der Frauen angesprochen. Wie steht es denn um die Männer?
Viele Männer erhalten keinen richtigen Unterricht in Englisch, Mathematik oder Naturwissenschaften. Sie lernen ausschließlich Tora und Talmud und haben ein sehr geringes Wissen aus der westlichen Welt.

Haben Sie das Gefühl, dass die jüngere Generation in der ultraorthodoxen Gemeinschaft gegen die Traditionen und die Lebensumstände aufbegehrt?

Ich habe den Eindruck, dass die Gemeinschaft – zumindest in ganz kleinen Schritten – weniger konservativ wird. Die Leute sollen ja keine YouTube-Clips oder meinen Film sehen. Aber eine große Minderheit wird sich trotzdem im Geheimen online Videos anschauen. Hinzu kommt: Menschen lieben nun einmal ihre iPhones, ihren Frozen Yogurt, und einige Dinge gehen auch an der orthodoxen Community nicht vorbei. Vor ein paar Jahren war zum Beispiel Sushi angesagt, und plötzlich fand man inmitten des orthodoxen Viertels einen Sushi-Laden. Selbst die religiösen Oberhäupter haben erkannt, dass man den Menschen nicht die Moderne vorenthalten kann.

Wie war denn das Feedback aus der Community?

Samstagnacht, zur Elf-Uhr-Vorstellung, und Sonntag war das Kino voll von religiösen Juden. Sie dürsten nach Filmen, in denen es um sie geht.

Mit dem amerikanischen Regisseur sprach Katrin Richter.

Fernsehen

Gil Ofarim: »Das kann es nicht gewesen sein«

Was genau er damit meint und ob er sich auf den Skandal bezieht, der das öffentliche Bild von ihm zuletzt geprägt hatte, lässt Ofarim als Cliffhanger offen

 28.01.2026

"Dschungelcamp"

Anwalt von Gil Ofarim warnt vor Grenzüberschreitungen

Alexander Stevens sagt, es würden teils unwahre Tatsachenbehauptungen verbreitet, die strafrechtliche Konsequenzen haben könnten

 28.01.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 29. Januar bis zum 5. Februar

 28.01.2026

Fernsehen

»Bin ich die einzige Normale?«

Die Frage stellt Dschungelcamperin Ariel – doch Ferndiagnosen verbieten sich auch bei TV-Stars

von Martin Krauss  28.01.2026

Zahl der Woche

13 Sommer- und Winter-Machanot

Fun Facts und Wissenswertes

 27.01.2026

Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Ihr Streitgespräch über den Nahostkonflikt sorgte in Deutschland für viel Aufmerksamkeit - doch Ägyptens Zensur verbietet das Buch von Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad. Die Autoren nehmen es eher gelassen

 27.01.2026

USA

Kanye West entschuldigt sich erneut für Antisemitismus

In einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal schreibt der Rapper: »Ich bin kein Nazi und kein Antisemit. Ich liebe jüdische Menschen.«

 27.01.2026

Meinung

Ein Schmock kommt selten allein

Im »Dschungelcamp« scheint Gil Ofarim in bester Gesellschaft. Doch was hat er aus seiner Lüge in der »Davidstern-Affäre« gelernt?

von Ayala Goldmann  27.01.2026

Meinung

»Zeit Geschichte« stellt sich in eine unsägliche Tradition

Das Titelbild der neuen Ausgabe des Hefts reduziert den Nahostkonflikt auf ein simples Gut-gegen-Böse-Schema. Immer wieder nutzen renommierte Medien problematische Bildsprache, wenn es um Israel geht

von Nikolas Lelle  27.01.2026