Brüssel

Kultfiguren der Popkultur

Vor 80 Jahren machte die Welt Bekanntschaft mit Superman und Co. Die Helden von einst sind die Superheroes in Hollywoodfilmen von heute. Foto: dpa

Superman, Batman, Spider-Man: Sie sind Kultfiguren der Popkultur, ihre Namen sind einem breiten Publikum auch außerhalb der Comic-Szene bekannt. Nur die wenigsten wissen jedoch, dass sie aus den Federn jüdischer Autoren stammen. Eine Ausstellung im Jüdischen Museum in Brüssel widmet sich nun den Helden, ihren Erfindern und drei Generationen jüdischer Comic-Kunst.

Einer der wohl bekanntesten gezeichneten Helden ist Superman. Seine geistigen Väter sind Joe Shuster und Jerry Siegel, beide hatten einen jüdischen Hintergrund. Und ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, wie ihre Schöpfung den Zweiten Weltkrieg beenden würde. 1940 stellten die beiden Künstler das in einem Comic-Strip dar: Schnell wie der Blitz dringt Superman in Hitlers Rückzugsort am Obersalzberg ein, setzt seine Wachen außer Gefecht und schnappt sich den Diktator an der Gurgel.

despoten Ganz ähnlich ergeht es Josef Stalin, den der Mann im rot-blauen Heldenanzug unter den Augen seiner Schergen entführt. Über die Alpen fliegt Superman seine lebende Ladung nach Genf in der Schweiz, wo beide Despoten vom Völkerbund verurteilt werden – wegen der größten Verbrechen der modernen Geschichte.

Pionierarbeit leisteten jüdische Künstler jedoch bereits vor der Ära der Superhelden.

Pionierarbeit leisteten jüdische Künstler jedoch bereits vor der Ära der Superhelden: Junge US-Amerikaner, die mit ihren Familien zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor dem in Europa herrschenden Antisemitismus nach New York geflohen waren, traten als Autoren und Comic-Zeichner in Erscheinung. In ihren Werken verarbeiteten sie ihr Ringen mit der Integration in eine amerikanische Gesellschaft, die sie vorrangig als Juden sah.

Die nachfolgende Generation und Schöpfer der frühen Comic-Helden versuchte hingegen, die eigene jüdische Identität zu verbergen. So wie Jacob Kurtzberg, der seit seiner Erfindung von Captain Amerika im Jahr 1940 unter dem Namen Jack Kirby auftrat.

doppelleben Auf ethnische oder religiöse Identitäten der frühen Comic-Helden verzichteten diese Autoren und ließen ihre Schöpfungen stattdessen einsame Doppelleben im Großstadtdschungel führen. Erst in den 60er-Jahren gingen Künstler wie Stan Lee oder Jack Kirby dazu über, einige ihrer Figuren mit einem jüdischen Hintergrund auszustatten. Ein Beispiel: Magneto, Bösewicht aus der Serie X-Men, der im Comic ein Konzentrationslager der Nazis überlebte.

Unter den Autoren der zur Schau gestellten Werke findet sich auch ein preisgekrönter Künstler – Art Spiegelman, der 1992 für seine Comic-Erzählung Maus mit dem Pulitzer-Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Darin erzählt er die Geschichte seines Vaters, der den Holocaust überlebte.

Unter den Autoren der zur Schau gestellten Werke findet sich auch ein preisgekrönter Künstler – Art Spiegelman.

Ein Ausschnitt dieses Werkes hängt zurzeit auch an der Wand des Jüdischen Museums in Brüssel. Auf drei Seiten wird der Fluchtversuch des Vaters in Mäusegestalt aus einem polnischen Ghetto erzählt. Gejagt werden er und seine Frau von Katzen, den Nazis. Strich für Strich hat sein Sohn die Begebenheiten in dem Comic-Strip aufgearbeitet und das erlittene Trauma des Vaters für die Nachwelt verewigt.

aufarbeitung Das Medium Comic hat sich auch für andere Künstler als Instrument der Aufarbeitung bewährt. So sinniert Bernice Eisenstein in ihren Arbeiten über ihre Erfahrungen als Kind von Holocaust-Überlebenden, und Miriam Katin erzählt von der Dunkelheit, die der Nationalsozialismus über die Juden brachte. »Die Künstler-Generation nach dem Krieg bekundet ihre jüdische Identität, arbeitet ihre Geschichte auf und wo sie herkommen«, fasst die Direktorin des Jüdischen Museums von Belgien, Pascale Falek-Alhadeff, zusammen.

Wie die Zukunft der Superhelden aussieht? Ungewiss. Wofür die fiktiven Figuren ihre Kräfte mobilisieren, das hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Die Charaktere sind zudem diverser, thematisieren unter anderem ethnische und sexuelle Ungleichheiten. So verbirgt sich etwa hinter der Superheldin Ms. Marvel eine jugendliche Muslimin aus Pakistan, und der Mutant Northstar aus den X-Men-Comics heiratet seinen Lebenspartner. Bis April 2020 sind die Werke jüdischer Comic-Künstler noch in Brüssel zu sehen.

Eröffnung

Ausstellung in Osnabrück beleuchtet Antisemitismus

2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Osnabrück zum 600. Mal. Mit einer Ausstellung erinnert das Museumsquartier an diese frühe Phase jüdischer Geschichte. Auch die Wurzeln des Antisemitismus werden sichtbar

 19.03.2026

Vladimir Vertlib

Ein Marrane als Leibarzt

Mit seinem Roman »Der Jude der Kaiserin« zeigt sich der österreichische Autor als Meister des historischen Genres

von Alexander Kluy  19.03.2026

Eurovision Song Contest

ORF will ESC-Sicherheitskonzept nicht verschärfen

Auch trotz des Krieges gegen den Iran sei strengere Sicherheitsauflagen nicht nötig, weil das Konzept bereits auf die Weltlage ausgelegt sei

 19.03.2026

Philosophie

Habermas, Israel und die Juden

Eine kritische Würdigung

von Frederek Musall  19.03.2026

Programm

Drei Chöre, 100 Synagogen und ein Unbezähmbarer: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. bis zum 26. März

 18.03.2026

Nachruf

Der die Debattenkultur formte

Jürgen Habermas prägte die Bundesrepublik, positionierte sich im »Historikerstreit«, setzte Begriffe und gab Orientierung. Zum Tod des großen Philosophen

von Johannes Heil  18.03.2026

Literatur

Als die Donau durch Kakanien floss

Zur Leipziger Buchmesse: Eine (jüdische) Vision für ein Europa der Regionen, Religionen und der Vielfalt

von Awi Blumenfeld  18.03.2026

Literatur

Gefühle und Zustände

Lena Gorelik schreibt über »Alle meine Mütter«

von Sharon Adler  18.03.2026

Sachbuch

Unter Gedächtnisbeton

Ines Geipel widmet sich in »Landschaft ohne Zeugen« der Rolle kommunistischer Häftlinge im KZ Buchenwald und der Nicht-Aufarbeitung in der DDR

von Steffen Alisch  18.03.2026