Redezeit

»Gelebte Toleranz«

Peter Maffay Foto: dpa

Herr Maffay, Sie veranstalten regelmäßig Austauschprogramme zwischen israelischen und palästinensischen Jugendlichen. Was passiert, wenn die Teilnehmer sich zum ersten Mal sehen?
Die Jugendlichen reden miteinander; über die Situation in ihren Ländern, über Musik, Filme, Sport und andere Themen, die sie bewegen. Die Herkunft oder die Religion spielt nach einiger Zeit keine Rolle mehr. Es wäre schön, wenn die Entscheidungsträger beider Länder einmal dabei sein könnten, um zu sehen, wie Frieden funktionieren kann.

Israel wünscht sich nichts sehnlicher als Frieden. Mit welchen Palästinensern aber soll die Regierung in Jerusalem sprechen? Die Hamas will Israel auslöschen. Die Fatah ist ebenfalls eine Terror-Organisation, die zu Hass und Hetze gegen Juden aufruft.
Momentan ist die Hamas kein Gesprächspartner. Die Hamas steht für Terror, und die Menschenrechte in Gaza werden mit Füßen getreten. Solange die Hamas Israel nicht anerkennt, solange Raketen auf Israel niedergehen, verstehe ich die israelische Haltung. Aber Präsident Abbas hat sich als verlässlicher Partner erwiesen, entsprechend sollten die Gespräche mit ihm intensiviert werden. Es ist wichtig, dass nun endlich wieder Bewegung in die Friedensgespräche kommt.

Warum liegt Ihnen der israelisch-palästinensische Dialog so sehr am Herzen?
Gerade uns Deutschen sollte das Thema Israel wichtig sein, wir haben eine besondere Verantwortung. Ich möchte die Annäherung fördern, Jugendliche ins Gespräch bringen, Vorurteile abbauen. Es ist faszinierend zu sehen, wie diese jungen Menschen miteinander umgehen. Auf ihnen kann man die Zukunft bauen. Es passiert oft, dass die Jugendlichen uns nachher schreiben: »Wir wohnen nur wenige Kilometer voneinander entfernt, aber wir haben leider nichts voneinander gewusst.«

Wie kamen Sie auf die Idee, die Stiftung ins Leben zu rufen?
Ich hatte vor einigen Jahren – das war 2005 oder 2006 – das große Glück, mit Friedensnobelpreisträger Schimon Peres ein langes Gespräch führen zu dürfen. Peres hatte große Wirkung auf mich. Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit, ein Mann, der sein Leben voll und ganz dem Frieden widmet. Bei diesem Treffen entstand die Idee, israelische, palästinensische und auch deutsche Jugendliche zusammenzubringen. Seitdem hat Schimon Peres mehrfach Jugendgruppen aus unseren Programmen getroffen.

Nicht wenige Deutsche haben in Bezug auf den Nahen Osten naive Vorstellungen. Was möchten Sie mit Ihrer Stiftung erreichen?
Unser Ziel ist es, den Jugendlichen zu zeigen, dass sie über den Tellerrand gucken sollen. Nachfragen, sich einbringen. Ausprobieren. Israel und die palästinensischen Gebiete laden dazu ein. Es ist eine faszinierende Region, voller Kultur und Geschichte, voller Lebensfreude und wunderbarerer Menschen. Die deutschen Jugendlichen können dort andere Kulturen entdecken, Speisen probieren, die man hier nicht kennt. Das ist gelebte Toleranz. Andere Musik, andere Gerüche, Eindrücke. Das Neue auf sich wirken lassen.

Wie reagieren die deutschen Teilnehmer auf diese Erfahrung?
Alle Gruppen, die wir bisher nach Israel und Palästina geschickt haben, kamen begeistert wieder nach Hause. Viele der Jugendlichen fahren dann auch noch einmal privat dorthin, nehmen die Eltern mit, pflegen die Freundschaften, die sie vor Ort geschlossen haben. Einen ganz starken Eindruck hinterlässt natürlich der Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem.

Wie macht sich das bemerkbar?

Es ist einfach eine unglaublich emotionale Erfahrung. Danach wird stundenlang geschwiegen, die Jugendlichen reflektieren das Gesagte. Gerade in Zeiten, in denen rechte Parteien wieder offen werben, teilweise vor den Schulen, müssen wir Flagge zeigen. Nie wieder darf so etwas passieren, nie wieder dürfen Menschen aufgrund ihrer Religion oder Hautfarbe verfolgt werden. Die Kinder in diese Richtung zu prägen, ist mir ein Herzensanliegen. Es ist sozusagen Tikkun Olam eines deutschen Gois (lacht).

Das Gespräch führte Philipp Peyman Engel.

www.petermaffaystiftung.de

Los Angeles

Kate Hudson bekommt »Walk of Fame«-Stern

Die jüdische Schauspielerin ist einer von 33 Stars, die eine Ehrung auf dem Hollywood Boulevard erhalten sollen

 24.07.2026

London

Gal Gadot spielt Hauptrolle in rasantem Thriller »The Runner«

Gadot spielt die erfolgreiche Wirtschaftsanwältin Maia Marten, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Sohn entführt wird

 23.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  23.07.2026

Interview

»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) über ein neues Kompetenznetzwerk zu jüdischer Gegenwartsforschung, eine Förderrichtlinie und den Einsatz gegen Israel-Boykott

von Leon Stork, Ayala Goldmann  23.07.2026

Chicago

Heavy-Metal-Auftritt: William Shatner geht mit 95 auf die Bühne

Mit seiner Gruppe The *uckers hat der jüdische Schauspieler und Musiker auch sein erstes Album aufgenommen. Der Titel: »What the F Is Heavy Metal«

 23.07.2026

Kulturkolumne

Kampf um eine schwarze Puppe

Erinnerungen an einen gar nicht idyllischen Sommerurlaub in Österreich in den 60er-Jahren

von Maria Ossowski  23.07.2026

Literatur

Zoff im PEN-Club

Wie erwünscht sind jüdische Schriftsteller heute noch in den USA?

von Hannes Stein  23.07.2026

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Europatournee

Bob Dylan kommt im Herbst nach Deutschland

Der jüdische Sänger und Songschreiber wird sieben deutsche Bühnen in Beschlag nehmen. Heute beginnt der Vorverkauf

 22.07.2026