Köln

Gefährlicher Alltag

Antisemitismus gehört zum Alltag an deutschen Schulen. Foto: dpa

Am 13. September veranstaltete das Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL) Köln gemeinsam mit der Ruhr-Uni Bochum und der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit die Fachtagung »Rassismus und Antisemitismus in der Schule. War da was?«. Mehr als 100 Personen, vor allem aus der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit, nahmen teil.

Die Vorsitzende des ZfL, Myrle Dziak-Mahler, eröffnete die Konferenz mit Berichten von verschiedenen Schulen. Äußerungen wie »Scheiß Jude!« fielen immer häufiger im schulischen Alltag, erklärte sie. Kurz vor der Veranstaltung habe sie mit einer jüdischen Mutter telefoniert, die gerade beschlossen hatte, ihr Kind wegen wiederkehrender antisemitischer Äußerungen von der Schule zu nehmen. Dies sei nicht in Sachsen oder Berlin-Schöneberg geschehen, sondern nicht weit entfernt vom Kölner Tagungsort, betonte Dziak-Mahler.

rassismus Anne Broden von der Kölnischen Gesellschaft ging auf das Spannungsfeld zwischen Rassismus und Antisemitismus ein. Sie hob in ihrer kurzen Einführung vor allem den sekundären Antisemitismus hervor und meinte, viele Deutsche hätten das Bedürfnis, den Hass gegen Juden in der aktuellen Zeit nur noch als ein muslimisches Problem darzustellen.

Saraya Gomis hielt das erste Impulsreferat über Alltagsrassismus und einen Lehrplan, der die Lebenswelten von schwarzen Kindern und Jugendlichen kaum einbezieht. Dass dies auch bei jüdischen Kindern der Fall ist, führte Astrid Messerschmidt aus. Im Unterricht würden Juden meist nur als Opfer der Schoa behandelt. Modernes oder sefardisches Judentum komme gar nicht vor.

Gleichzeitig werde auch das Thema Antisemitismus nur oberflächlich und in Bezug auf die deutsche Vergangenheit besprochen. Weder muslimischer noch sekundärer Antisemitismus fände Einzug in den Lehrplan. Insgesamt gingen Lehrkräfte von einer jüdischen Nichtpräsenz an ihren Schulen aus. Wissen sie von jüdischen Schülern, verkehre es sich in ein absurdes Gegenteil, und Lehrer seien regelrecht stolz darauf, einen Juden zu unterrichten.

Das bestätigte auch der Berliner Lehrer Mehmet Can, der mit der Bonner Lehrerin Michaela Lapp über die realen Zustände an Schulen diskutierte. So sprächen sich einige Lehrer mit Hinweis auf ihr gutes Verhältnis zu ihren muslimischen oder jüdischen Schülern von Rassismus und Antisemitismus frei, erklärte Can.

nahostkonflikt Vor allem in Schulen, in denen hauptsächlich »Herkunftsdeutsche« lernen, betrachte man Antisemitismus meist als Ideologie von Neonazis und Islamisten. Gleichzeitig forderten einige seiner Schüler einen Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheit. Offen antisemitische Aussagen kenne er von herkunftsdeutschen Schülern jedoch kaum, sondern nur von Schülern mit einem familiären oder religiösen Bezug zum Nahostkonflikt.

Im zweiten Teil der Tagung fanden verschiedene Workshops statt. Zwei davon stellten die Frage, welche Kompetenzen im Lehrberuf in Bezug auf Antisemitismus und Alltagsrassismus nötig seien. Zwei weitere befassten sich mit dem Thema Schulbücher. Ingolf Seidel machte eindrucksvoll deutlich, welche Mittel angewandt werden, um Israel in Schulbüchern als Aggressor darzustellen.

Die Tagung kann im Hinblick auf das große Interesse und den regen Austausch als Erfolg gewertet werden. Einige Teilnehmer wünschten sich jedoch eine stärkere Thematisierung von muslimischem Antisemitismus, da sie in ihrem Arbeitsalltag immer wieder damit konfrontiert würden.

Fernsehen

Adolf und seine »Akte«

Die fünfte Staffel von »Babylon Berlin« spielt 1933 zur Zeit von Hitlers Machtergreifung. Unterhaltung mit politischem Anspruch, aber stimmen die Fakten?

von Ayala Goldmann  29.09.2026

Hard-Rock-Legenden

Kiss feiern 50 Jahre »Rock and Roll Over«

Eine umfangreiche Neuauflage des Albums kommt. Was ist enthalten?

 29.09.2026

Fußball

Im Kreuzfeuer: Irischer Nationalspieler mit israelischer Mutter

Finn Azaz wurde für Irlands Nationalkader für die Länderspiele gegen Israel nominiert. Weil er eine israelische Mutter hat, soll seine Zukunft im irischen Team aber infrage stehen

von Michael Thaidigsmann  29.09.2026

Geburtstag

Streitbare Mahnerin: Lea Rosh wird 90 Jahre alt

Ihr Name ist eng verbunden mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin. Schon früh beschäftigte sich die Journalistin Lea Rosh mit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus. Am Donnerstag wird sie 90 Jahre alt

von Birgit Wilke  29.09.2026

Die frühere rbb-Intendantin Patricia Schlesinger

Berlin

Strafprozess gegen Ex-RBB-Intendantin Schlesinger

Im Sommer 2022 erschüttert der RBB-Skandal den öffentlich-rechtlichen ARD-Sender. Der Fall beschäftigt auch die Justiz. Nun soll es wegen Untreue-Vorwürfen zum Prozess kommen.

 29.09.2026

Berlin

CDU-Kulturexperte schlägt Wolf Biermann für Nobelpreis vor

»Biermanns Werk, seine poetische Stimme stehen für die Unantastbarkeit individueller Freiheit als Würde des einzelnen Menschen bis heute«, schreibt Uwe Lehmann-Brauns zur Begründung

 29.09.2026

Archäologie

Hoffnung auf Latrinen - Grabung legt mittelalterliche Keller frei

Die Funde auf dem Areal der zweiten Jüdischen Gemeinde informieren über das Leben im mittelalterliche Erfurt. Zugleich geben sie Einblicke in die Stadtplanung des 13. Jahrhunderts

von Matthias Thüsing  28.09.2026

Sachsen-Anhalt

Der 7. Oktober und die Folgen: Podiumsdiskussion in Halle

Vor drei Jahren überfielen islamistische Terroristen Israel und rissen damit Gaza in einen bis heute andauernden Krieg. Zeitgleich nahmen weltweit antisemitische Ausschreitungen zu. Diskutanten erörtern die Ursachen

 28.09.2026

Berlin

Verschollene Golem-Filmmusik feiert Berliner Erstaufführung

Der Komponist Hans Landsberger, ein späteres Holocaust-Opfer, hatte die sinfonische Begleitmusik für den Film geschrieben. Seine Komposition gilt als Meilenstein in der Entwicklung der Filmmusik

 28.09.2026