Am Anfang ist die Jeans kein Allerweltskleidungsstück, das jeder kennt, schon Babys angezogen und jährlich millionenfach verkauft wird. Am Anfang ist sie eine vernietete Arbeitshose, die nicht kaputtgeht. Die Geschichte hinter der weltberühmten Levi’s Jeans erzählt die ARD im Vierteiler »Levi Strauss und der Stoff der Träume«, der vom 3. Januar an ausgestrahlt wird und bereits in der Mediathek abrufbar ist.
Auf den ersten Blick erinnert die Geschichte des Unternehmers Levi Strauss, der 1829 geboren wurde und 1902 starb, an die vielzitierten Traumkarrieren in den USA, dem Land der sprichwörtlich unbegrenzten Möglichkeiten. Vom Sohn eines ärmlichen jüdischen Wanderkaufmanns aus dem oberfränkischen Buttenheim bringt Strauss es zum erfolgreichen Geschäftsmann im US-amerikanischen Westen.
Nachdenklich und zurückhaltend
Doch Regisseurin Neele Leana Vollmar erzählt keine Heldenstory. Dafür ist ihre Version von Levi Strauss zu nachdenklich, zu zurückhaltend. Und dann gab es ja noch den eigentlichen Erfinder der Jeans, den lettischen Schneider Jacob Davis, ebenfalls jüdischen Glaubens. Doch es dauert, bis die beiden überhaupt zueinander finden. Strauss (Vincent Redetzki) muss sich zuerst gegen Schutzgelderpressung in San Francisco und die Zweifel seines älteren Bruders durchsetzen.
Davis (Anton von Lucke) ist ein Träumer, der die Denimhose mit Nieten zwar erfindet, aber die Vermarktung nicht wirklich vorantreibt. Das macht seine Frau Annie (Lea van Acken). Strauss und Davis geraten in einen Strudel zwischen Goldgräberstimmung und Rechtlosigkeit im Westen der USA. Und auch als sie schließlich zusammenarbeiten, gibt es noch Hürden: Das Patent wird zunächst abgelehnt, der Mann von Levis Schwester Fanny (Amy Benkenstein) stirbt.
Keine Rivalität zwischen den Gründern
»Während Zielstrebigkeit für Levi Strauss ein wichtiger Motor war, besaß Jacob Davis das Talent, aus jeder Situation das Beste machen zu können. Er war neugierig, bog auf seinem Weg auch gern mal ab, während Strauss immer nach vorn marschierte«, sagt Vollmar. »Jacob, der Emotionale, der mit offenen Armen auf die Menschen zuging, Levi der Rationale, dem es schwerfiel, eine Nähe zuzulassen. Und umso spannender ist es, dass genau diese zwei Menschen sich finden mussten, um die Jeans zum Leben zu erwecken.«
Dabei herrscht im Film keine Rivalität zwischen den beiden, keine Unehrlichkeit. Levi will das Patent auf die Hose komplett übernehmen, er bietet Jacob eine gutdotierte Anstellung auf Lebenszeit und ein großes Haus. Jacob akzeptiert: »Der Auswanderer aus Buttenheim« finde seinen Seelenfrieden eben nur, »wenn er das Zepter allein in der Hand hält«, so die Regisseurin.
Eine mögliche Interpretation
Filme über historische Stoffe haben oft das Problem, dass man ja weiß, wie es ausgeht - dass die Jeans aus dem Hause Strauss eine wirtschaftliche Erfolgsstory wird, ist wohlbekannter Fakt.
Trotzdem verfolgt man gespannt den Weg von Strauss und Davis, zumal es eben auch Seitenstränge gibt wie die Geschichte, dass Levi dem Schutzgeld-Gebaren des Patrons Mr. Eddie (Roland Koch) in San Francisco ein Ende bereitet. Und die Liebesgeschichte zwischen Annie und Jacob.
Denn an sich ist wenig bekannt aus dem Leben von Levi Strauss. Beim großen Erdbeben von 1906 in San Francisco wurden das Firmengebäude und viele Dokumente zerstört. »Mir war es wichtig, auf Basis der bekannten Fakten eine mögliche Interpretation zu zeigen, die dem Zuschauer diese beiden Persönlichkeiten nahebringt, ihre Stärken und auch Schwächen offenbart und deutlich macht, was es heißt, in dieser Zeit in einem fremden Land seinen Platz zu finden«, sagt Vollmar.
»Levi Strauss und der Stoff der Träume«, Freitag, 3. Januar, 20.15 - 23.15 Uhr, Das Erste (TV-Erstausstrahlung).