Finale

Der Rest der Welt

»Unser Wissen über Tora, Kaschrut und die Feiertage würde endlich aufgefrischt.« Foto: Thinkstock

Ein Gesetz wird in Israel heiß diskutiert. Das sogenannte Konversionsgesetz soll dem Staat erlauben, nur solche Übertritte anzuerkennen, die von seinen eigenen Institutionen durchgeführt wurden. Vor allem die Reformer bangen nun um den jüdischen Pluralismus. Ich dagegen finde: Das Gesetz geht nicht weit genug! Es sollte über Israel hinaus und vor allem rückwirkend gelten.

Denn ich frage mich: War Abrahams Konversion wirklich orthodox? Gut, manche Rabbiner argumentieren, da er vor dem Erhalt der Tora übertrat, könne es nicht mit dem heutigen formellen Prozess verglichen werden. Aber was ist mit Ruth? Sie gilt als die erste Konvertitin – nur ist das auch halachisch richtig gelaufen?

Zeitgeist Wenn ich mir das so recht überlege, kann vielleicht niemand heute mehr behaupten, Jude zu sein. Selbst jene, die als Juden geboren wurden, können sich nicht sicher sein, ob sie wirklich echte Juden sind oder bloß einer Reihe von Fake-Konversionen entstammen. Abgesehen davon, dass wir Juden mit »Fake-Konversion« auch ein populäres Wort mit Zeitgeist-Charakter auf den Markt bringen würden, hätte auch das Gesetz nur Vorteile. Alle Juden müssten kollektiv konvertieren!

Das wäre zum einen natürlich toll fürs Gemeinschaftsgefühl. Außerdem würde unser Wissen über Tora, Kaschrut und die Feiertage endlich aufgefrischt. Auch das Problem der »Vaterjuden« wäre zumindest für eine Generation geklärt. Und die latente Benachteiligung all jener, die als Juden geboren wurden, wäre beendet. Denn jemand, der als Jude geboren wurde, kann doch nie mit der gleichen Hingabe und dem gleichen Selbstmitleid Jude sein, wie jemand, der sich sein Schlamassel selbst ausgesucht hat.

Trick Ich höre natürlich schon kritische Stimmen, die befürchten, die meisten Juden würden bei dem Prozedere nicht mitmachen, und wir verlören wertvolle Mitglieder aus unserem Klub. Aber da hat der Charakter des Judentums einen wertvollen Trick! Eine Religion, die für jeden Tag des Jahres ein Verbot hat, das man brechen kann, ist ganz und gar aufs Sündigen ausgelegt. Und das macht schließlich nur Spaß, wenn man auch wirklich Jude ist.

Keine Sorge also, denn die Sünde ist ein elementarer Teil unserer gelebten Religion. Viele definieren ihren Glauben doch gerade darüber: mit dem Auto zwei Straßen vor der Synagoge parken, die Mesusa ergeben küssen – weil man zu Hause keine hat –, von dem Fisch, dessen Namen man nicht wissen wollte, genüsslich essen. Damit wären also auch die schrumpfenden Mitgliederzahlen der Gemeinden in Deutschland gelöst: Wenn, dann wollen wir jeckische Juden amtlich sündigen. Und für alle, die nach so etwas wie Pluralismus schreien: Von mir aus können wir über das Gesetz auch demokratisch abstimmen.

Wie etwa in der französischen Komödie Sie sind überall von Yvan Attal. Da entscheiden die Franzosen per Referendum, gemeinsam zum Judentum zu konvertieren. Ich freue mich schon, wenn wir dann in der Tagesschau auch mit »Schalom, meine Damen und Herren« begrüßt werden.

Schwäbisch Hall

Wenn Elefanten Synagogen tragen

In der kleinen Stadt sind die beiden einzigen erhaltenen Werke des Synagogenmalers Elieser Sussmann zu sehen – Paneele aus der Betstube von Unterlimpurg und der Frauenschul von Steinbach

von Michael Schleicher  09.06.2026

Interview

»Selbst ernannte progressive Linke haben offenbar das völkische Denken gelernt. Das ist alles so absurd«

Der Kabarettist Dieter Nuhr über den Erhalt des Leo-Baeck-Preises, Solidarität mit Israel und Kritik an seiner Person

von Detlef David Kauschke  09.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

Hollywood

Zoë Kravitz jagt Bankräuber

In der Action-Komödien-Thriller »How to Rob a Bank« spielt die jüdische Darstellerin eine Software-Ingenieurin unter Hausarrest

 09.06.2026

Kulturkolumne

Über Langzeitbeziehungen und Affären

Warum ich Esther Perel verehre

von Laura Cazés  09.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Kino

Spielbergs »Disclosure Day« feiert Kinostart

Als Inspiration für dieses Projekt nennt der jüdische Regisseur einen »New York Times«-Artikel über geheime UFO-Programme des Pentagon

 09.06.2026

Berliner Revue

»Berlin, Du coole Sau!«: Sharon Brauner auf Tour

Es handelt sich um eine der aufwändigsten Bühnenproduktionen ihrer Karriere. Im Herbst beginnt die Deutschlandtournee

 08.06.2026

Kommentar

Der Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026