China

»Schanghai war unsere Rettung«

Auffanglager für ausgewanderte europäische Juden im Stadtteil Hongkeu in Shanghai Foto: ullstein

Rund 18.000 jüdische Flüchtlinge aus Europa fanden in Schanghai eine vorübergehende Zuflucht vor dem Naziterror. Anders als überall sonst auf der Welt, brauchten sie aufgrund des internationalen Status der Stadt kein Visum. In den vergangenen Jahren wurden etliche Biografien von ehemaligen »Schanghailändern« veröffentlicht, wissenschaftliche Arbeiten über das »Ghetto Schanghai« verfasst, Dokumentarfilme gedreht und Bücher geschrieben.

Rechtzeitig vor Beginn der Weltausstellung EXPO 2010, die am Samstag in der 18-Millionenstadt eröffnet wird, hat sich das Jüdische Flüchtlingsmuseum in Schanghai entschlossen, eine Ausstellung zu zeigen. Sie trägt den Titel »Der Vergangenheit gedenken, eine neue Zukunft schaffen« und entstand in Zusammenarbeit mit dem deutschen Generalkonsulat. Endlich wird den Schicksalsjahren jener dunklen Epoche Raum zur Verfügung gestellt.

einzelschicksale Mit dem Thema »Juden in Schanghai« verbrennt sich das offizielle China jedoch kaum die Finger, im Gegenteil: Man kann sich des Lobes von allen Seiten sicher sein – und das zu Recht. Dazu trägt gewiss auch bei, dass politisch heiklere Themen wie etwa der damalige Umgang der Japaner mit den Juden gar nicht erst berührt werden, sondern der Schwerpunkt in der Ausstellung auf Einzelschicksale gelegt wird: Menschen, die in Schanghai geboren wurden, die als Kleinkinder mit ihren Eltern hierher verpflanzt wurden oder die hier ihre Liebe fanden und China »treu« geblieben sind. Sie alle eint die Tatsache, dass sie ihr Überleben diesem Land verdanken.

Der Ausstellungsraum hinter der ehemaligen Synagoge im einstigen, 1943 von den Japanern proklamierten »Jüdischen Ghetto«, teilt sich in mehrere Bereiche: angefangen bei den Kindheitserinnerungen (»Wir spielten häufig mit den Chinesen«) über das Ereignis der Barmizwa (»Nachbar Wang war auch dabei«) bis hin zum Überleben in einer exotischen Umgebung (Michael Blumenthal über seine Zeit als Brotausträger).

interesse Alle Porträtierten äußern ihre Sympathie für die chinesischen Nachbarn, die ja eigentlich auch Flüchtlinge waren und angesichts der japanischen Besatzung noch viel Schlimmeres zu erdulden hatten. Fotografien, Dokumente und Kartenmaterial, vor allem aber Zitate von Überlebenden bieten dem Zuschauer einen an- schaulichen Unterricht in lebendig gemachter Zeitgeschichte. Insbesondere jüngere Schanghaier zeigen großes Interesse an dieser einzigartigen Begegnung zwischen Ost und West in Zeiten von Krieg und Elend.

Die Ausstellung »Remembering the past and creating a new future: Jewish refugees in Shanghai« ist bis Ende Oktober im Shanghai Jewish Refugees Museum, Changyang Lu 62 (Ecke Haimen Lu) zu sehen.

USA

Das bedeuten Trumps Strafzölle für Israel und Juden in Nordamerika

Ab dem 9. April werden 17 Prozent Strafzölle auf Produkte aus Israel fällig

 03.04.2025

Budapest

»Moralischer Holocaust am Ungartum«

Erneut gingen Verdienstkreuze des Landes auch an zwei Prominente, die durch antisemitische Äußerungen aufgefallen sind

von György Polgár  03.04.2025

Todestag

Wenn Worte überleben - Vor 80 Jahren starb Anne Frank

Gesicht der Schoa, berühmteste Tagebuch-Schreiberin der Welt und zugleich eine Teenagerin mit alterstypischen Sorgen: Die Geschichte der Anne Frank geht noch heute Menschen weltweit unter die Haut

von Michael Grau, Michaela Hütig  02.04.2025 Aktualisiert

Nachruf

Die Frau, die den Verschlüsselungscode der Nazis knackte

Im Zweiten Weltkrieg knackten die Briten in Bletchley Park den Verschlüsselungscode der Nazis. Eine der Frauen, die beim Entziffern feindlicher Nachrichten half, war Charlotte »Betty« Webb

von Julia Kilian  01.04.2025

Interview

»Es ist sehr kurz vor zu spät«

Für eine »Restabilisierung« der Gesellschaft und die Verteidigung der Demokratie bleiben höchstens fünf Jahre Zeit, warnt Michel Friedman

von Steffen Grimberg  28.03.2025

Imanuels Interpreten (7)

Peter Herbolzheimer: Der Bigband-Held

Der jüdische Posaunist, Komponist, Arrangeur, Bandleader und Produzent rettete Bigbands, gründete seine eigene und wurde Jazz-Rock-Pionier

von Imanuel Marcus  27.03.2025

Irak/Iran

Die vergessene Geisel

Seit zwei Jahren befindet sich Elizabeth Tsurkov in der Gewalt einer pro-iranischen Terrormiliz. Nun sorgt Druck aus Washington für Bewegung

von Sophie Albers Ben Chamo  24.03.2025

Schweiz

Trauer um eine »Macherin«

Die Zürcher Verlegerin und Mäzenin Ellen Ringier ist im Alter von 73 Jahren verstorben. Ein Nachruf

von Peter Bollag  24.03.2025

New York

Von Gera nach New York

Der Journalist Max Frankel, früherer Chefredakteur der New York Times, ist tot. Er wurde 94 Jahre alt

 24.03.2025