POLEN

Kulinarische Weltkarte

Challot für den Schabbat Foto: Maciek Jazwiecki

POLEN

Kulinarische Weltkarte

Mit der Ausstellung »What’s Cooking« setzt das Warschauer Museum POLIN auf die jüdische Kochkunst

von Gabriele Lesser  08.12.2022 12:02 Uhr

Eigentlich ist alles da: frische Zutaten aus aller Welt, dazu Töpfe, Pfannen und sogar ein Kännchen für ausgelassenes Gänsefett, wie es früher in der jüdischen Küche unentbehrlich war. Aber auch, wenn einem beim Anblick von gebratenem Lachs, einer Spinat-Käse-Torte oder einem knackig-grünen Salat das Wasser im Munde zusammenläuft: Kein Gourmetkoch kann aus den prachtvollen Fotos ein Gericht zaubern.

Aber POLIN, das Museum für die Geschichte der Juden in Polen, hat sich schon vor Jahren mit dem Restaurant »Menora« am Grzybowski-Platz zusammengetan. Wer will, kann dort die Grundregeln der koscheren Küche erlernen, eine Challa für den Schabbat backen oder eines der vielen Gerichte auf der Speisekarte nachkochen. Mit der Ausstellung What’s Cooking? setzt das POLIN erneut auf die Kochkunst.

»Wir wollen anhand der kulinarischen Kultur der Juden auch etwas über jüdische Religion und Geschichte erzählen, über Israel und die Diaspora«, erläutert Ausstellungskuratorin Tamara Sztyma. »Wir begeben uns auf eine Reise«, sagt sie, dreht sich mit einer Armbewegung um die eigene Achse und deutet auf die gelb, grasgrün, ocker und rot gestrichenen Säle. »Es ist eine Reise durch Zeiten und Kontinente, die wir am Berg Sinai beginnen, wo Moses die Tora erhielt. Die kulinarische Kultur des Judentums geht auf die Religion zurück.«

KOSCHER Vor einem Piktogramm stehen zwei Frauen und diskutieren leise über Rinder, Gänse, Schweine, Fische, Hummer, Gemüse, Obst, Milch und Käse: Was ist koscher, was trefe und parve?

»Wir haben uns bemüht, die Kaschrut möglichst einfach zu erklären«, so Sztyma. »Daher die Piktogramme, Fotos, Interviews und natürlich Rezepte.« Aber das Thema ziehe sich durch die ganze Ausstellung, da die jüdische Küche sich von den Landes- und Regionalküchen der Welt oft nur durch die Speisegesetze unterscheide. Eine kulinarische Weltkarte zeigt die für die jeweilige Region typischen Lebensmittel an.

Danach geht es ins Detail. In Deutschland, Polen und überhaupt in Mittel- und Osteuropa mit den kalten Jahreszeiten seien die Speisen prinzipiell nahrhafter als im Nahen Osten, erklärt die Ausstellungskuratorin. »Traditionell essen Aschkenasim am Schabbat einen Tscholent, Kugel oder Gefilte Fisch.« Gerichte mit Rindfleisch und Geflügel seien typisch, Knoblauch, Zwiebeln, Mohrrüben, eingelegte Gurken. Diese Küche habe ihren Ursprung im mittelalterlichen Deutschland. »Von dort, so nimmt man an, stammt auch die geflochtene Challa. Sie ist keine jüdische Erfindung, sondern war Teil der mittelalterlichen Brotkultur in Deutschland.«

Rugelach Am Nachmittag zu Tee oder Kaffee gönnen sich Aschkenasim traditionell gern noch einen österreichisch-ungarischen Strudel oder auch Rugelach, süß gefüllte Kipferl. Aus Polen und Litauen kamen später Quarkspeisen, Pfannkuchen, gefüllte Teigtaschen aller Art und viele Heringsgerichte hinzu und bereicherten die jüdische Küche. Und aus dieser Region kam natürlich auch der Wodka.

Die Küche der Sefarden, die ursprünglich in Spanien und Portugal lebten und Ende des 15. Jahrhunderts von dort vertrieben wurden, basiert auf Gemüsesorten, die in warmem und heißem Klima gedeihen: Auberginen, Zucchini, Tomaten, Paprika, Artischocken. Den Geschmack verfeinern Olivenöl, Gewürze und Kräuter. Anstelle von Kartoffeln werden Reis und Couscous gegessen, statt Rind- gibt es oft Ziegen- oder Hammelfleisch.

Längst haben Hummus und Falafel ihren Siegeszug um die Welt angetreten. Neben jenen Kichererbsenspeisen hat sich das Eiergericht Schakschuka, das zumeist zum Frühstück gegessen wird, über die Jahre zum Nationalgericht Israels entwickelt.

Die Ausstellung »What’s Cooking« ist noch bis Mitte Dezember im Museum POLIN in Warschau zu sehen und danach online auf der Webseite https://polin.pl/en

New York

Mamdani legt Antisemitismus-Plan vor, jüdische Organisationen üben scharfe Kritik

Das Konzept des Bürgermeisters blende den Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Juden in New York und antiisraelischer Propaganda bewusst aus, sagt einer der Kritiker

 30.09.2026

Kiew

85. Jahrestag: Selenskyj gedenkt ermordeter Kyjiwer Juden

Vor 85 Jahren besetzten deutsche Truppen die heutige ukrainische Hauptstadt. Sie ermordeten zehntausende Menschen. Präsident Selenskyj stellt bei einer Gedenkfeier den Bezug zur Gegenwart her

 30.09.2026

Fußball

Im Kreuzfeuer: Irischer Nationalspieler mit israelischer Mutter

Finn Azaz wurde für Irlands Nationalkader für die Länderspiele gegen Israel nominiert. Weil er eine israelische Mutter hat, soll seine Zukunft im irischen Team aber infrage stehen

von Michael Thaidigsmann  29.09.2026

Interview

»Es ist beängstigend, wie sich die Geschichte wiederholt«

Evan Bernstein (51) ist seit Kurzem neuer CEO von B’nai B’rith International, der ältesten jüdischen Wohltätigkeitsorganisation. Um den wachsenden Antisemitismus zu bekämpfen, will Bernstein vor allem die lokale Vernetzung verbessern

von Michael Thaidigsmann  29.09.2026

Vergessener Held

Die vielen Leben des Jack Boeki

Ein jüdischer US-Agent und die Naziverbrecher in Nürnberg

von Joachim Heinz  29.09.2026

Niederlande

»Der 7. Oktober, das bin ich«: Student der Uni Maastricht will an Terrorangriff teilgenommen haben

Ein 22-jähriger Palästinenser, der in den Niederlanden studiert, erweckt in einem Instagram-Video den Eindruck, er habe an der Terrorattacke der Hamas auf Israel teilgenommen. Jetzt griff die Hochschule durch

 28.09.2026

London

Reporter oder doch Terroristen? BBC prüft Liste in Gaza getöteter Journalisten

Konkret geht es um 53 Personen, bei denen Verbindungen zu palästinensischen Terrororganisationen festgestellt wurden

 28.09.2026

Schweiz

Eine Sukka voller Fragen

Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich hat ihre nichtjüdischen Nachbarinnen und Nachbarn in die Laubhütte eingeladen. Zu selbstgemachtem Hummus darf alles gefragt werden. Ein Besuch

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  25.09.2026