Italien

Geschichte in der Deutschen Scola

In ihrer Blütezeit zählte die jüdische Gemeinde Padua rund 1300 Mitglieder. Heute sind es nur etwa 180. Doch es beeindruckt, was diese kleine Gemeinde auf die Beine stellt. Mit überwiegend eigenen Mitteln hat sie in der alten Synagoge, der ehemaligen Deutschen Scola, ein jüdisches Museum eingerichtet. Seit seiner Eröffnung vor einem halben Jahr ist es zu einer kulturellen Selbstverständlichkeit der Stadt geworden.

Anfangs war das Museum nur an zwei Tagen pro Woche geöffnet. Trotzdem wurden bereits mehr als 3000 Besucher gezählt, und es haben viele Veranstaltungen stattgefunden. Das Kuratorium hat zudem einen zweisprachigen Katalog und einen kleinen Führer durch das alte Ghetto und das jüdische Padua herausgegeben.

Mittelalter Die jüdische Geschichte der Stadt reicht bis ins Mittelalter zurück. Die Universität und die Rabbinische Akademie zogen viele Studenten an. Nach der Gegenreformation war die Universität Padua eine der wenigen Hochschulen in Europa, die für Juden geöffnet blieben. Viele jüdische Ärzte wurden dort promoviert. Während dieser Hochzeit kam es 1522 zur Grundsteinlegung der ersten Synagoge, der sogenannten Deutschen Scola. Wie der Historiker Gadi Luzzatto Voghera erzählt, stand sie damals im Zentrum des Ghettos und wurde später um eine zweite Synagoge aufgestockt (Scola grande). Das ursprüngliche Bethaus funktionierte als Beit Midrasch, als Lehrhaus, weiter.

Im Mai 1943 wurde das Gebäude durch Brandstiftung fast völlig zerstört. Ende der 80er-Jahre baute man das erste Stockwerk wieder auf und nutzte es für kleine Wechselausstellungen. Nach einem Entwurf des Florentiner Architekten David Palterer wurde es in den vergangenen Jahren zu einem Museum umgebaut.

Rundgang Wer das Haus besucht, sieht während des Rundgangs zwei Filme: zu Beginn eine elfminütige Einführung, später dann die 45-minütige Präsentation »Generation geht, Generation kommt« des Regisseurs Denis Brotto. Auf sechs Bildschirmen, die in etwa drei Metern Höhe angebracht sind, werden zehn wichtige Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte Paduas vorgestellt. Zu ihnen gehören der Philosoph Don Itzhak Abrabanel, ein ehemaliger Minister des portugiesischen Königs Alfons V., sowie Yehuda Mintz, der 1460 die Jeschiwa von Padua gründete, außerdem Bürgermeister Giacomo Levi Civita (1846–1922) und der Wirtschaftswissenschaftler und Parlamentarier Leone Wollemborg (1859–1932). Sie alle reden miteinander und bringen dem Besucher die Geschichte mit wechselnden Kulissen nahe.

Wie viele andere jüdische Museen zeigt auch das in Padua verschiedene Ritualobjekte. Zu den wichtigsten Stücken gehört eine Parochet aus dem 14. Jahrhundert – ein Vorhang vor dem Aron Hakodesch, in dem die Torarollen aufbewahrt werden. Ein anderes interessantes Exponat ist eine Hochzeitskarte, die der Erzbischof von Venedig, Giuseppe Sarto, der spätere Papst Pius X., an einen Juden in Padua gesandt hatte.

PC-Stationen Im Museum wird Wert darauf gelegt, dass der Besucher sein Wissen selbstständig vertiefen kann. So ermöglichen zwei PC-Stationen, in den Gemeindearchiven zu stöbern, durch Familienstammbäume zu blättern sowie synagogale Musik aus früheren Jahrhunderten zu hören. An zwei Sonntagen im Monat ergänzen Führungen über den alten jüdischen Friedhof in der Via Weil das Angebot.

Das Museum erfüllt eine wichtige Aufgabe: Es weckt ein neues Bewusstsein für die jüdische Geschichte einer der ältesten Städte Italiens. Ein Manko ist allerdings, dass die Öffnungszeiten derzeit noch sehr beschränkt sind.

Museo della Padova Ebraica
Via delle Piazze 26
Telefon 0039/049/66 12 67

www.facebook.com/JewisheritagePadua

Meinung

Sauna der Toleranz - aber nur ohne Davidstern

Zwei Frauen werden in Barcelona wegen eines jüdischen Symbols verhört, als »Zionistinnen« aussortiert und schließlich hinausgeworfen – im Namen einer Offenheit, die sich selbst ad absurdum führt

von Sabine Brandes  02.06.2026

Essay

Wenn ein Platz nicht schweigt

Gedanken zum 85. Jahrestag der Zerstörung der alten Synagoge von Esch-sur-Alzette durch die Nationalsozialisten

von Andreas Albrecht  02.06.2026

Hintergrund

»Lady Gaza« kommt in die Schweiz

Ein sozialdemokratischer Abgeordneter hat die umstrittene französische Europaabgeordnete Rima Hassan nach Bern eingeladen und damit Empörung ausgelöst. Erste Stimmen fordern nun ein Einreiseverbot

von Nicole Dreyfus, Michael Thaidigsmann  02.06.2026

Punta Cana

Gal Gadot und Mila Kunis zeigen sich entspannt im Karibikurlaub

Die jüdischen Schauspielerinnen gehen in Puerto Rico ganz besonderen Freizeitaktivitäten nach

 02.06.2026

New York

Ronald Lauder: »Israel verliert den globalen Informationskrieg«

»Wenn man die Mainstream-Presse liest, muss man sich fragen, wie der einzige jüdische Staat zur meistgehassten Nation der Erde werden konnte«, sagt der Präsident des Jüdischen Weltkongresses

 02.06.2026

Bergen-Belsen

Holocaust-Überlebender Tomi Reichental gestorben

In Irland gehörte er zu den prominentesten Zeitzeugen des Holocaust. Tomi Reichental überlebte als Kind das KZ Bergen-Belsen. Jetzt ist er gestorben

von Karen Miether  01.06.2026

Jubiläum

Dichter und Bürgerschreck: Allen Ginsberg vor 100 Jahren geboren

Er lehnte sich gegen eine spießige und militarisierte Gesellschaft auf und propagierte ein ökologisches Bewusstsein: Der US-Dichter Allen Ginsberg war ein Pionier der »Beat-Generation«. Seine Visionen sind heute wieder aktuell

von Holger Spierig  01.06.2026

Erinnerung

Jugendliche im Anne Frank Haus in Amsterdam - Ein Besuch

Rund eine halbe Million Jugendliche aus aller Welt besuchen jährlich das Anne Frank Haus in Amsterdam. Was denken sie, wenn sie das Versteck sehen? Und was ist ihr Eindruck vom vielleicht bekanntesten Tagebuch der Welt?

von Nina Schmedding  01.06.2026

Nachruf

Edgar Morin gestorben: Stimme des kritischen Denkens verstummt

Der französische Philosoph, Soziologe und Publizist wurde 104 Jahre alt

 01.06.2026