Auschwitz-Birkenau

Aufklärungsaktion auf Twitter

Foto: twitter/#AuschwitzMuseum

»Es ist der wichtigste Twitter-Account, dem ich jemals gefolgt bin«, sagt der US-amerikanische Schauspieler Mark Hamill, bekannt als Luke Skywalker. »Es ist nicht einfach, diesem Account zu folgen. Im Gegenteil, es ist einer der schrecklichsten und zugleich berührendsten Accounts auf Twitter und dabei einer der wichtigsten. Denn er dient als Erinnerung an eine der dunkelsten Zeiten der Geschichte, die wir niemals vergessen dürfen. Bitte folgt ihnen.« Hamill ist dabei. Jan Böhmermann auch.

»Es war eben nicht vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie«, heißt es unter @AuschwitzMemorial in einer Anspielung auf »Star Wars«. »Es geschah vor gar nicht so langer Zeit, und es passierte in unserer Welt. Es war eine tragische menschliche Geschichte, die wir auf keinen Fall vergessen dürfen.« Deswegen und damit sich nicht halb- oder falsches Wissen verbreitet, nimmt @AuschwitzMemorial seinen Bildungsauftrag sehr ernst: »Bildung ist einer der wichtigsten Teile unserer Mission, und die meisten Menschen werden die Gedenkstätte niemals besuchen. Deshalb müssen wir so viele Menschen wie möglich online erreichen.«

»Bildung ist einer der wichtigsten Teile unserer Mission, und die meisten Menschen werden die Gedenkstätte niemals besuchen. Deshalb müssen wir so viele Menschen wie möglich online erreichen«, heißt es.

biografien Pawel Sawicki ist für den Auftritt der Gedenkstätte in den sozialen Medien verantwortlich. Auf Twitter werden jeden Tag in englischer und polnischer Sprache kurze Biografien von in Auschwitz Ermordeten mit einem Bild vorgestellt. Da lächelt einem die junge Lieselotte Erdmann aus Saarbrücken zu, die im Juli 1943 in das KZ deportiert wurde. Sie hat nicht überlebt. Oder der polnische Jude Moszek Warm, der am 20. März 1942 im Alter von 27 Jahren im KZ starb. Das zwölfjährige Mädchen Germaine Steinlauf, das in Nizza geboren wurde und am 13. Februar 1944 in den Gaskammern umgebracht wurde. Und auch Pater Maximilian Kolbe, der für einen Mitgefangenen in den Tod ging.

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Bei diesen Biografien wird auf korrekte Sprache geachtet. Die Macher erklären, wenn man genau wisse, wie ein Mensch ums Leben kam, also erschossen, erhängt oder vergast worden sei, dann werde das auch so gesagt. Wenn nicht, dann benutze man den Begriff »verstorben« (perished).

bildungsauftrag Zum Bildungsauftrag gehört auch, falsche Fakten über das ehemalige Konzentrationslager, zum Beispiel in Romanen oder Sachbüchern, zu korrigieren. Bei vielen Followern hat das Buch Der Tätowierer von Auschwitz der australischen Autorin Heather Morris einen tiefen Eindruck hinterlassen. Wanda Witek-Malicka vom Auschwitz Memorial Research Center hat dazu einen Faktencheck geschrieben – der Ungenauigkeiten und Fehler aufzeigt und berichtigt. Wenn also Follower dem Account @AuschwitzMemorial von diesem Buch berichten, dann erhalten sie als Antwort den Faktencheck. Es gibt auch eine Liste mit Empfehlungen zur weiterführenden Lektüre von dem Leiter des Forschungszentrums, Piotr Setkiewicz.

In dem Account werden außerdem tagesaktuelle inakzeptable Vorgänge benannt: beispielsweise, dass der Streamingdienst Spotify es zulässt, dass Benutzer sich unter dem Namen von ehemals hochrangigen Nazis und selbst Adolf Hitler registrieren lassen und Playlists mit Namen wie »Auschwitz Train Sing Along« erstellen können. Diese tief verstörende Entdeckung hat die Zeitung »The Times of Israel« veröffentlicht – und das wurde von dem Account @AuschwitzMemorial verlinkt. Spotify hat darauf reagiert und angekündigt, Playlists mit antisemitischen Inhalten entfernen zu wollen.

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Im Hinblick auf den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers war bereits ein erster Aufruf um die Jahreswende, entsprechend 750.000 Follower zu erhalten, positiv verlaufen. Die neuen und alten Follower setzten dann ein neues, hohes Ziel, nämlich rechtzeitig eine Million Menschen für den Account zu interessieren. Ungefähr 80.000 Follower fehlen noch. Es ist nicht einfach, sich jeden Tag neu den Posts auszusetzen. Viele der Follower bringen es immer wieder auf den Punkt: Dem Account zu folgen, schmerzt.

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