Geiseln

Sie sagten: »Hol dir eine neue Frau, bessere Kinder«

Yarden Bibas kurz nach seiner Freilassung mit seiner Schwester Foto: picture alliance / Newscom

Yarden Bibas ist ein beeindruckender Mann. Nach unvorstellbarem Trauma als Opfer des 7. Oktobers zieht er sich nicht zurück, um seine verwundete Seele zu heilen, sondern kämpft unermüdlich für all jene, die noch immer in der Hölle Gazas gefangen sind. Jetzt sprach der Israeli in seinem ersten Interview überhaupt in der Sendung »60 Minutes« von CBS mit der amerikanischen Journalistin Leslie Stahl.

Bibas überlebte fast 500 Tage Geiselhaft in der Gewalt der Hamas und wurde am 1. Februar freigelassen. Seine junge Familie – Ehefrau Shiri und die beiden Kinder, der vierjährige Ariel und das neunmonatige Baby Kfir – kamen in Särgen aus Gaza zurück.  

»Sie wurden kaltblütig und mit bloßen Händen ermordet«, sagte Yarden und schilderte anschließend unvorstellbar grausamen Psychoterror der Hamas gegen ihn: »Die Terroristen sagte mir immer: ›Ach ist doch egal. Such dir eine neue Frau. Hol dir neue Kinder – eine bessere Frau, bessere Kinder.‹« Auf die ungläubige Frage von Stahl, ob ihm das wirklich so gesagt worden sei, antwortete er: »Oh ja, das haben sie gesagt. Immer wieder.«

Keith Siegel musste Folterungen von Geiseln zusehen

Mehrere Überlebende der Geiselhaft gaben CBS in der Sendung ein Interview, darunter Tal Shoham sowie Keith und Aviva Siegel. Einhellig forderten sie einen weiteren Waffenstillstand und die Freilassung der noch verbleibenden Geiseln. Agam Berger, Liri Albag und andere junge Späherinnen der IDF erschienen ebenfalls, einige davon per Videoanruf während der Aufnahmen.

Keith Siegel sprach über den Tag, als er und seine Frau Aviva entführt wurden: »Wir wurden nach Gaza gefahren und dann direkt in einen Tunnel gebracht. Wir rangen nach Luft.« Aviva und Keith waren zusammen, bis sie im Rahmen des ersten Waffenstillstandsabkommens im November 2023 freigelassen wurde. Keith blieb zurück.

»Ich wurde Zeuge, wie eine junge Frau von einem Terroristen gefoltert wurde«, so sein schockierender Bericht. »Ich meine, echte Folter, nicht im übertragenen Sinn.« Auch sexuellen Übergriffen an weiblichen Geiseln habe er zuschauen müssen. »Die Terroristen zwangen mich dazu.«

»David und Ariel sind noch immer in der schrecklichen Gefangenschaft, und ich weiß nicht, ob sie genug zu essen und zu trinken bekommen. Besonders jetzt, wo der Krieg wieder ausgebrochen ist.«

Siegel, der nach 484 Tagen zusammen mit Bibas und Ofer Kalderon extrem abgemagert aus dem Gazastreifen nach Hause kam, berichtete, dass er einmal im Monat baden durfte, und die Gefangenschaft von permanenter psychischer Qual geprägt gewesen sei.

Der 35-Jährige Bibas trug bei dem Interview ein schwarzes T-Shirt mit den Gesichtern von David und Ariel Cunio darauf, beide noch immer Geiseln in Gaza. David ist mit Sharon Cunio verheiratet. Auch sie und ihre kleinen Zwillinge Emma und Yuli, damals drei Jahre alt, waren am 7. Oktober verschleppt worden. Sharon und ihre Kinder kamen nach mehr als 50 Tagen während des ersten Waffenstillstands im November 2023 frei.

Ariel ist der Lebensgefährte von Arbel Yehoud, die erst nach 481 Tagen in Freiheit kam. Sie war von der Terrorgruppe Islamischer Dschihad festgehalten worden. Alle stammen aus dem geschundenen Kibbuz Nir Oz.

Insgesamt sind nach wie vor 59 Geiseln in Gaza. 24 von ihnen sollen am Leben sein, alles jüngere Männer, die in den Tunneln unvorstellbares Leid durchleben. Während sich die Hamas weiterhin weigert, die verschleppten Menschen freizugeben, hat die israelische Armee die Kämpfe gegen die Terrororganisation in der palästinensischen Enklave wieder aufgenommen.

Bibas sendet Botschaft an US-Präsident Trump

Ob er meine, dass die erneuten Militäraktionen die Hamas dazu bringen würden, die Geiseln freizugeben, fragte die Journalistin. »Nein. Nein«, lautete Bibas’ Antwort. Er habe für sein Interview einen amerikanischen Sender gewählt, damit man ihn im Weißen Haus hören würde. Seine direkte Botschaft an den US-Präsidenten Donald Trump lautete: »Bitte stoppen Sie diesen Krieg. Und helfen Sie dabei, alle Geiseln zurückzubringen.« Ob er glaube, dass Trump dabei helfen könne? »Ich weiß, dass er es kann. Ich bin nur hier wegen Trump.«

Er sei derjenige, der Premierminister Benjamin Netanjahu überzeugen könne, so die ehemalige Geisel. »Er muss Netanjahu überzeugen, er muss die Hamas überzeugen. Und ja, ich bin mir sicher, dass er es kann.«

Bibas erzählte auch von der engen Verbindung zwischen den Cunio-Brüdern und ihm. »David und ich sind seit der ersten Klasse befreundet. Wir haben alles zusammen gemacht, er war in jedem wichtigen Moment meines Lebens für mich da. Bei meiner Hochzeit.« Und jetzt, wo er die schwerste Zeit seines Lebens durchmache, »ist er nicht bei mir«.

»David und Ariel sind noch immer in der schrecklichen Gefangenschaft, und ich weiß nicht, ob sie genug zu essen und zu trinken bekommen, besonders jetzt, wo der Krieg wieder ausgebrochen ist.« Sein Appell an die Welt: »Ich habe meine Frau und meine Kinder verloren, Sharon darf ihren Mann David nicht auch noch verlieren!«

Spanien

Ministerpräsident annulliert Munitionsgeschäft mit Israel

Pedro Sánchez fährt seinem Innenminister in die Parade und untersagt auf Druck seines linken Koalitionspartners den Einkauf von Munition für die Polizeitruppe Guardia Civil

von Michael Thaidigsmann  24.04.2025

Syrien

Al-Scharaa: Friedensschluss mit Israel nicht ausgeschlossen

Einst kämpfte Ahmed al-Sharaa für islamistische Terrororganisationen. Einem US-Abgeordneten zufolge könnte der neue Staatschef nun in eine ganz andere Richtung gehen

 24.04.2025

Justiz

Teilerfolg Israels vor Internationalem Strafgerichtshof 

Das Weltstrafgericht erließ Haftbefehl gegen Israels Premier Netanjahu. Israel legte Einspruch ein, doch scheiterte - bis jetzt

 24.04.2025 Aktualisiert

Meinung

Geduld mit Trump

US-Präsident Trump ist vielleicht nicht der perfekte Freund Israels und der Juden, aber der beste, den sie haben. Vorschnelle Kritik an seinem Handeln wäre unklug

von Michael Wolffsohn  24.04.2025

Vermisst

Er verteidigte seinen Kibbuz

Tal Chaimi kam als Einziger des Noteinsatzteams nicht zurück

von Sophie Albers Ben Chamo  24.04.2025

Meinung

Wenn deutsche Ex-Diplomaten alle antiisraelischen Register ziehen

Deutschland darf nicht länger schweigen? Eine Erwiderung von Daniel Neumann auf den vielsagenden »FAZ«-Gastbeitrag ehemaliger Botschafter

von Daniel Neumann  24.04.2025

Meinung

Nur scheinbar ausgewogen

Die Berichte der Öffentlich-Rechtlichen über den Nahostkonflikt wie die von Sophie von der Tann sind oft einseitig und befördern ein falsches Bild von Israel

von Sarah Maria Sander  24.04.2025

Jom Haschoa

»Für mich ist es wie ein zweiter Holocaust«

Der Holocaust-Überlebende Michael Kupershtein nimmt für seinen Enkel Bar, einer Hamas-Geisel, am Marsch der Lebenden teil

von Sabine Brandes  24.04.2025

Jom Haschoa

Holocaust-Gedenktag in Israel - Sirenen heulen landesweit

Zur Erinnerung an sechs Millionen ermordete Juden stand Israel still, zwei Minuten heulten die Sirenen. Die wichtigsten Gedenkzeremonien finden in Yad Vashem statt, begleitet von mahnenden Worten

 24.04.2025