Mehr Wahlhelfer als bei der ersten im Dezember werden am Sonntag, dem 22. Januar, bei der Wiederholungwahl zur Repräsentantenversammlung im Einsatz sein. Etwa 120 Helfer sollen am Sonntag ehrenamtlich die Stimmabgaben begleiten, beobachten und kontrollieren, sagt Andreas Schmidt von Puskás, Leiter des Wahlausschusses.
Nicht nur Mitglieder und Mitarbeiter der Gemeinde werden hinter den Tischen sitzen und die Stimmzettel ausgeben, es werden auch etliche Mitarbeiter der Bezirksämter und des Landesamtes für Statistik dabei sein.
Die jeweils achtköpfigen Wahlvorstände »sollen vernünftig zusammengesetzt sein«, sagt Schmidt von Puskás. In einer mehrstündigen Schulung in diesen Tagen lernen sie ihre Aufgaben kennen und erfahren, wie wichtig eine genaue Überprüfung der Papiere und die Dokumentation des Ablaufes sind.
Stimmen Auf die Gemeindemitglieder und Mitarbeiter als Wahlhelfer möchte Schmidt von Puskás indes nicht verzichten, denn etliche von ihnen beherrschen auch Russisch – und viele der Stimmberechtigten seien in der deutschen Sprache nicht so sicher und bräuchten schon mal Hilfe in ihrer Muttersprache.
»Die Organisation ist auf die Helfer angewiesen – und darauf, dass alle aufmerksam sind, gut arbeiten und sich gegenseitig kontrollieren.« Der Leiter des Wahlausschusses, der mehrere Wahlen in der Jüdischen Gemeinde begleitet hat, ist »verhalten optimistisch«. Er könne sich vorstellen, dass die Wahlbeteiligung nun höher sein wird als bei der ersten Stimmabgabe am 4. Dezember, wo sie lediglich bei 27 Prozent lag.
Denn die Anträge auf Briefwahlunterlagen seien zum vergleichbaren Zeitpunkt diesmal etwas höher. Ferner seien doch etliche Gemeindemitglieder über die geringe Beteiligung überrascht gewesen, und er glaubt, dass diesmal mehr den Weg zur Stimmabgabe finden werden.
Die Wiederholung ist nötig, weil Anfang Dezember in einem Wahllokal vier Stimmzettel zu viel auftauchten. Schmidt von Puskás vermutet, dass es zu dem Fehler kam, weil Wahlhelfer wohl vergessen hatten, bei der Ausgabe der Stimmzettel ein Häkchen auf der Liste zu machen. Andere Gemeindemitglieder denken hingegen an eine Manipulation.
Statistik In dem Wahlbüro an der Dernburgstraße seien Mutter und Schwiegermutter eines Kandidaten als Helfer eingesetzt gewesen. Außerdem hatte eine Seite in dem Wählerverzeichnis gefehlt.
Andreas Schmidt von Puskás betont, dass die »Dokumentation der Wählerschaft nicht perfekt« war, doch dass dort Verwandte halfen, war wohl eher ein Zufall: »In der Statistik hat es vier Striche weniger gegeben, als nachher Wahlzettel in der Urne waren. Was die Ursache dafür war, lässt sich im Nachhinein jedoch nicht mehr aufklären.«
Aufgrund dieser Tatsachen entschied der Schiedsausschuss der Jüdischen Gemeinde am 19. Dezember, dass die Wahl wiederholt werden muss.
Alle 62 Kandidaten stehen noch einmal zur Wahl. Einige, die am 4. Dezember auf die hinteren Plätze gekommen waren, hatten allerdings nachgefragt, ob sie von der Liste gestrichen werden könnten. »Das geht nicht – man kann aber die Wahl nicht annehmen, wenn man sich das anders überlegt hat«, sagt Schmidt von Puskás.
Andreas Schmidt von Puskás
Der studierte Verwaltungsjurist ist Wahlleiter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Davor arbeitete er als Rechtsanwalt und war von 1972 bis zur Pensionierung vor vier Jahren bei der Innenverwaltung des Berliner Senats tätig. Seit 1981 war er stellvertretender Landeswahlleiter in Berlin. Ab 2001 leitete er das Amt. Der gebürtige Schlesier lebt seit Mitte der 60er-Jahre in der Stadt.