Athen

Trügerische Idylle

von Torsten Haselbauer

Wie aus Fenstern kleiner Häuser in einem Dorf schauen den Besucher Menschen an: Ganz normale Leute, die arbeiten, feiern, sich vor einer Synagoge aufgestellt haben oder Kinder, die auf der Straße Ball spielen. Es ist Vorkriegszeit in Griechenland, und die jüdischen Gemeinden in Hellas leben in einer Art trügerischen Idylle. Unter den unscharfen, verschwommenen Schwarzweißfotos aus dieser fernen Zeit stehen Zitate, Satzfragmente. Juden, die damals Kinder oder junge Erwachsene waren, haben ihre Erinnerungen in Worte gefasst, glücklich wie gleichsam melancholisch. »Das Leben in der Nachbarschaft war wundervoll. Besonders an den langen, lauen Sommerabenden. All die Kinder waren zusammen und spielten Verstecken, Seilhüpfen oder tausend andere Spiele. Es gab keine Autos auf den Straßen. Wir waren frei«, hat Allegra Carasso aus Thessaloniki erzählt. Das ist nur eines von vielen Zitaten zu den Fotos aus dieser Zeit, die das Jüdische Museum in Athen in mühevoller, fast vierjähriger Arbeit gesammelt und nun zu einer Ausstellung verarbeitet hat. Sie ist nun in dem neoklassizistischen Gebäude unweit der Plaka, der Altstadt der griechischen Hauptstadt, zu sehen. Der Titel: »Jüdische Nachbarschaften in Griechenland«.
Aus zwölf Jüdischen Gemeinden in ganz Griechenland wurden Fotos und Dokumente zusammengetragen und aufgearbeitet, mit Zeitzeugen geredet und alles so aufgeschrieben, wie es spontan gesagt wurde. »Wir wollen das Alltagsleben der jüdischen Gemeinden vor dem Holocaust darstellen«, erklärt Museumsdirektorin Zanet Battinou. Das meiste Material kam aus den Großstädten Athen und Thessaloniki, aber auch auf den entfernten Inseln wie Zakynthos, Rhodos oder Korfu, in Provinzstädten oder in abgeschiedenen Bergdörfern wurden die Ausstellungsmacher fündig.
Schon bei der ersten Sichtung wurde deutlich: Die jüdischen Gemeinden in der Vorkriegszeit waren das, was man gemeinhin als intakt bezeichnet. Das religiöse Leben war rege und das Verhältnis zu den vornehmlich christlichen Nachbarn überaus harmonisch.
Bis zur deutsch-italienisch-bulgarischen Besatzung des Landes im Jahr 1942 lebten in Griechenland rund 78.000 Juden. 93 Prozent von ihnen wurden im Holocaust ermordet. »Was in Griechenland mit den Juden geschah, kann nur verstanden werden, wenn wir zeigen, was davor war«, sagt Zanet Battinou. Heute leben in Griechenland noch rund 5.000 Juden.

»Jewish Neigbourhoods of Greece«, Jüdisches Museum Griechenland, 39 Nikis/Syntagma, Athen. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. März 2009 zu sehen und geöffnet jeden Montag von 9.00 Uhr bis 14.30 Uhr.
www.jewishmuseum.gr

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Westjordanland

Auslandspresseverband in Israel fordert Schutz für Journalisten

Gewalttätige Siedler attackieren US-Journalisten im Westjordanland – der Auslandspresseverband warnt vor einem gefährlichen Trend

 30.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Desinformation

Was steckt hinter dem International Burke Institute?

Die KI-Firma OpenAI hat nach eigenen Angaben eine verdeckte russische Beeinflussungskampagne aufgedeckt, die sich als israelisch inszeniert haben soll

 26.08.2026

Würdigung

Hamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

In der Hansestadt gibt es künftig eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park

 24.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026

Vandalismus

Deportationsmahnmal in Berlin beschmiert

Das Denkmal an der Putlitzbrücke soll an die über 30.000 Juden erinnern, die zu NS-Zeiten vom benachbarten Moabiter Güterbahnhof aus in Konzentrationslager deportiert wurden

 18.08.2026