Umweltschutz

Ökoshooter

von Sabine Brandes

Es ist schön hier, bunte Blumen erfreuen das Auge, freundliche Menschen spazieren umher, Grillen zirpen. Doch schon hinter der ersten Biegung verschandeln Dosen, Glasscherben, alte Zeitungen, leere Batterien das Bild. All dieser Müll liegt auf einer saftig grünen Wiese und stinkt zum Himmel. Die Bewohner des idyllischen Fleck-
chens sind aufgefordert, den Abfall aufzusammeln und in Recyclingcontainer zu werfen. Und sie tun es tatsächlich. Funktionierender Umweltschutz – zumindest in der virtuellen Welt von Ekoloko.
Auf der Website der israelischen Firma »virtual tweens« dreht sich alles um den Naturschutz. Dort wird Kindern und Ju-
gendlichen vermittelt, was man alles für die Umwelt tun kann. Ob Abfall aufsammeln und verwerten, Förstern bei ihrer Arbeit helfen oder sich für den Erhalt des Dschungels einsetzen, sämtliche Spiele haben eine ökologische Botschaft. Geschäftsführer Guy Spira erklärt, dass sich alles bei Ekoloko um eine saubere Welt und soziales Bewusstsein dreht. Spielerisch lernen: Für ihren Einsatz im Internet bekommen die Mitspieler Aktivitäts- oder Führungspunkte sowie Kokos, die Währung in der Ekoloko-Welt.
Vor vier Monaten erst ist die Site von Israel aus ins Internet gestellt worden, und täglich wächst die grüne Fangemeinde. Schon nach einem Monat gab es mehr als 5.000 Mitglieder, heute sind es 60.000 und monatlich kommen um die 20.000 hinzu. Spira weiß warum. »Die Kinder finden un-
sere Welt einfach klasse. Während sie Spaß haben und Abenteuer erleben, lernen sie und bekommen echte Werte vermittelt.« Anders als bei den meisten Websites dieser Art, bei denen durch Spiele virtuelles Geld verdient und damit konsumiert wird, könnten sich die Mitglieder bei Ekoloko einbringen und mit ihren Handlungen die Welt vor der Zerstörung bewahren. Zumindest auf dem Bildschirm.
»Wir haben eine wichtige Mission«, macht Spira klar. Es ginge nicht darum, beispielsweise ein Monster zu besiegen und den Goldschatz zu holen, hier habe jedes Spiel eine Geschichte mit Botschaft. So et-
wa die vom kranken Dschungelkönig, den die Mitglieder gesund pflegen müssen und dabei lernen, dass etwa 25 Prozent aller Arzneimittel aus dem Dschungel stammen. Wissenschaftliche Berater und professionelle Geschichtenschreiber sorgen dafür, dass die Informationen Hand und Fuß ha-
ben. Mitgliedschaft und die meisten Bereiche in Ekoloko sind kostenlos. Die Home-page ist bilingual, Spieler können wählen, ob sie in Hebräisch oder Englisch aktiv werden möchten.
Die virtuellen Kinderwelten sind derzeit extrem beliebt und bergen ein enormes Wirtschaftspotenzial, weiß der Macher von Ekoloko, der die naturbewussten Seiten ge-
meinsam mit seinem Schwager Gal Darom entwickelt hat. Spira: »Heute sind weltweit bereits mehr als 350 Millionen Menschen Mitglieder, 40 Prozent von ihnen Kinder. Der Markt für die unter 16-Jährigen wächst schneller als jeder andere.« Experten gehen davon aus, dass sich in etwa vier Jahren eine Milliarde Menschen regelmäßig lieber in einer virtuellen statt in der realen Welt bewegen.
Der siebenjährige Shawn Chotoli ist seit zwei Wochen bei Ekoloko dabei. Fleißig wirft er in der animierten Umgebung Plas-tikflaschen in Sammelbehälter, spart Wasser und lernt Wissenswertes über die verschiedenen Landschaftsformen wie Wüste, Dschungel und Küstenregion. Für die verdienten Kokos kauft er im virtuellen Laden Kleidung und Möbel für seine Spielfigur. Seiner Mutter Tamar gefällt’s. »Die Kinder sitzen doch ohnehin oft vor dem Computer und spielen, man kann es zwar einschränken, aber nicht ganz verbieten. Es gehört zu unserer Zeit dazu. Dann ist es doch gut, wenn sie dabei etwas Sinnvolles lernen.« Stolz erklärt Shawn, dass er jetzt auch im wahren Leben die Flaschen in den Container bringt.
Genau das ist Spiras Ziel. Dass sich das Engagement vor dem Bildschirm auf den Alltag überträgt. Er und Darom haben selbst Nachwuchs und wissen, was der will. »Kinder wollen Teil einer Gemeinde sein und miteinander in Kontakt treten«, erklärt der Spielemacher, »und das können sie in Ekoloko.« Ob Facebook, Twitter oder für die Sieben- bis Zwölfjährigen Club Penguin von Disney – immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit beim sogenannten Social Networking, dem Austausch mit Gleichgesinnten auf entsprechenden Websites im Internet.
Wenn es nach Spira und Darom gibt, werden nicht nur die israelischen Mädchen und Jungs durch die bunten Seiten Anregungen für den Umweltschutz bekommen. In der zweiten Jahreshälfte soll Ekoloko in Nordamerika starten und anschließend in Europa. »Damit wir so viele Kinder und Jugendliche wie möglich in aller Welt mit unserer grünen Botschaft erreichen.«
www.ekoloko.com

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