Mumbai

Kaddisch für Gavriel und Rivka

von Miryam Gümbel

Auf jedem Synagogenplatz liegen Kopien mit dem Bild eines kleinen Jungen. Es ist das Foto von Mosche Holtzberg, dem Sohn von Rabbiner Gavriel Holtzberg sel. A. und seiner Frau Rivka sel. A., die am 28. November ermordet wurden. In der Ohel Jakob Synagoge gedenken die Münchner der Opfer des Terroranschlags im Chabad Zentrum von Mumbai (Bombay).
»Die Opfer wurden misshandelt und hingerichtet von fanatischen Islamisten, denen ein Menschenleben nichts mehr wert ist«, stellt Präsidentin Charlotte Knobloch fest. Sie ist sich »sicher, dass das Chabad-Zentrum in Mumbai nur angegriffen wurde, weil sich jüdische Menschen darin aufhielten«. Die Gastfreundschaft des Chabad-Hauses sei ausgenutzt worden, um die Verhältnisse dort auszuspionieren. Das Vertrauen von Rabbiner Gavriel Holtzberg in das Gute im Menschen, seine Offenheit und sein großes Herz seien ihm und den anderen Ermordeten letztlich zum Verhängnis geworden.
Knobloch erinnert daran, dass das Chabad-Zentrum eine beliebte Herberge für Reisende aus aller Welt war. Besonders Israelis und Amerikaner hätten sie gern als Unterkunft genutzt. Knobloch weiter: »Es besteht kein Zweifel daran, dass die Terroristen insbesondere Israel und alle Juden in der Diaspora mit dem Anschlag treffen wollten.«
Rabbiner Israel Diskin von Chabad Lubawitsch schildert die Entstehung des Chabad-Hauses in der indischen Metropole und das Engagement des ermordeten Rabbinerpaares. Gavriel Holtzberg wurde in Israel geboren und wuchs in Brooklyn auf. Er studierte an Jeschiwot in New York und Argentinien, war in Thailand und China, bevor er gemeinsam mit seiner Frau Rivka, einer Israelin, vor fünf Jahren in Mumbai das Chabad-Haus gründete.
Jugendliche der Zionistischen Jugend Deutschlands und Neshama erinnern an jeden Einzelnen der Ermordeten. Neben dem Rabbiner-Ehepaar sind dies Norma Rabinowitsch-Schwarzblat sel. A., Jochewed Orpas sel. A., Alan und Naomi Scherr sel. A., Reb Benzion Chroman sel. A. sowie Raw Arje Leibisch Teitlebaum sel. A. Sie alle waren Opfer eines der schlimmsten Terroranschläge in Indien geworden.
Zum ideologischen Fundament des militanten Islamismus gehören, so Charlotte Knobloch in ihrer Ansprache weiter, neben dem Hass auf Freiheit und Demokratie ein mörderischer Antisemitismus und Antizionismus. Und sie warnt: »Es wäre ein Irrglaube anzunehmen, dass wir in Deutschland sicher sind. Die Gefahr, die bei uns von den fanatischen Islamisten ausgeht, wird vielfach unterschätzt.« Sie ermahnt daher Politik und Sicherheitsbehörden, alle Maßnahmen zum Schutz der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland zu ergreifen. Knobloch richtet ihre Kritik auch gegen manche deutsche Medien. Sie verweist dabei auf einen Brief von Michael Wolffsohn an die Verantwortlichen der Tagesschau, die es nicht für nötig gehalten hätten, in ihrer Berichterstattung auf den Terrorakt im Chabad-Zentrum von Mumbai hinzuweisen.
»Angriffe auf Juden sind nicht schlimmer als auf Nichtjuden, aber die Auswahl des Zieles, nur weil es jüdisch ist, hat eben deshalb etwas Besonderes. Ein jüdisches Zentrum hat keine Minimalchance des Entkommens, weil es jüdisch ist. Das ähnelt nationalsozialistischer ‚Selektion‘. Andere Opfer haben wenigstens die Chance zu entkommen. Juden nicht, weil sie eben Juden sind. Ich sage nicht: Islamisten sind Nationalsozialisten, aber ich sage: Jene wählen ihre Opfer wie diese«, zitierte sie Wolffsohn.
»Die Terroristen haben bei dem Anschlag den kleinen Mosche zum Waisen gemacht«, erinnert Charlotte Knobloch noch einmal zum Abschluss ihrer Rede. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland hatte die Idee zu einer Spende für dieses Kind und und bittet, diese Initiative zu unterstützen.

Spenden sind erbeten an die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern, Stadtsparkasse München, BLZ 701 500 00, Konto-Nummer 111 102 000, Stichwort: Mosche.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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