freizeit

Beamer, Bildung und Ballett

Wenn Jean Bernstein sich zurücklehnt und die Au-
gen schließt, sieht er es: das Jugendzentrum der
Zukunft. Würde Geld keine Rolle spielen, überlegt der 21-Jährige, dann wäre sein Ju-
gendzentrum elastisch. »Je nachdem, wie viele Mädchen und Jungen an dem jeweiligen Tag kommen, würde es genug Platz für alle bieten«, sagt Jean. »Es soll ein richtiges zweites Zuhause sein, in dem sich die Kinder wohl und sicher fühlen und ihre Eltern wissen, dass den Kindern hier Gutes mit auf den Weg gegeben wird.«

Auf Nummer sicher An jedem Tag in der Woche sollte das Haus geöffnet sein, wünscht sich Bernstein, der in Düsseldorf als Madrich mitwirkt. »Wir müssten mehr Betreuer haben, die ganz unterschiedliche Hobbys einbringen und die Jugendlichen bilden, mit ihnen diskutieren und eine starke Gemeinschaft formen könnten«, philosophiert Bernstein.
Das Düsseldorfer Gemeindezentrum komme dem Ideal guter Jugendarbeit schon sehr nah. Deshalb engagiert er sich dort, obwohl er im 90 Kilometer entfernten Dortmund lebt. »Kadima« heißt das Jugendzentrum in Düsseldorf, »Vorwärts«. Es besteht seit mehr als 60 Jahren.
Einerseits sei es schön, an eine so lange Tradition anzuknüpfen, sagt Jean Bernstein, aber die Zeiten haben sich nun mal verändert. »Heute werden jüdische Schulen gebaut. Die Leute wollen hier bleiben, und durch diese neue Einstellung ändert sich die Erziehung von Kindern und Jugendlichen.«
Utopisch Mit den Jugendlichen, die sonntags in Bernsteins Gruppe kommen, geht er ins Café, schaut Filme an, diskutiert aber vor allem über politische und gesellschaftliche Themen. Ihnen möchte er etwas mitgeben. »Am wichtigsten ist mir, dass etwas hängen bleibt. Vielleicht etwas von mir selbst, so wie auch ich als Jugendlicher in Dortmund einen Madrich hatte, der für mich sehr prägend war.« Gerade hat Jean Bernstein mit einigen 16- bis 18-Jährigen über Amerika, über die Army und Videospiele gesprochen.
Der 21-Jährige wünscht sich, dass die unterschiedlichen Gruppierungen friedlich und tolerant miteinander leben. Denn ei-
nes braucht sein Jugendzentrum der Zu-
kunft, das er »Utopia« nennt und in »X-Stadt« ansiedelt, nicht: Polizeischutz, wie er heute am Gemeindezentrum in der Düsseldorfer Zietenstraße noch notwendig ist.
Ganz oben auf Jean Bernsteins Liste von »Utopia« steht: Ferienfreizeiten und Ausflüge auch für die Kinder zu ermöglichen, die es sich finanziell nicht leisten können. »Das wäre was. Denn die Erlebnisse verbinden einfach ungemein. Da entstehen Freundschaften, die ein Leben lang halten.« Ohne die fantastische Vorstellung, was alles möglich wäre, wenn Geld keine Rolle spielen würde, sei es oft schon problematisch, sonntags ins Café zu gehen. »Manche haben ihr Taschengeld für die Woche bereits verplant. Da können 2,80 Euro für einen Kaffee zum Problem werden«, sagt Jean.
Vernetzt Die Betreuerteams in den einzelnen Gemeinden brauchten eine stärkere Vernetzung. »Wir in Düsseldorf arbeiten mit Köln zusammen, was gut ist. Aber es wäre doch auch spannend, sich mal mit Gästen aus der Gemeinde Stuttgart auszutauschen«, findet er. Und nicht nur das: »Noch besser wäre es, wenn wir vom Ausland lernen könnten und umgekehrt.«
Jugendliche für die Aufgabe als Madrich zu begeistern, sei heute schwer. »Die Kinder haben so viel zu tun: Schule, Hausaufgaben, Ballett, Sport und Nachhilfe, am Wochenende Wettbewerbe.« Die Arbeit mit ihnen in den Gemeinden könnte ihnen Raum geben, ein jüdisches Kind zu sein und später jüdischer Betreuer in einem Team, in dem alle auch untereinander befreundet sind. »Das wäre vor allem für die Mädchen und Jungen wichtig, die den ganzen Tag nur vor der Playstation hocken. Sie müssen wir in Zukunft erreichen«, sagt Jean. Damit das klappt, müssten die Betreuer besser ausgebildet werden. Zumindest aber sollte es fest angestellte Verantwortliche wie etwa die Leiterin des Jugendzentrums, Shira Fleisher, geben.
Sie bietet die unterschiedlichsten AGs an. Es gibt Kochen, Basteln, Theater, Tanz, Literatur, Sport und Kultur sowie spezielle Kurse für Mädchen, in denen es etwa um Beauty-Themen geht. Außerdem feiern sie zusammen Schabbat, das Pessachfest, Chanukka und den Israel-Tag. Sie nehmen an Wettbewerben teil, gehen spazieren oder fahren zu Demonstrationen. All das, glaubt Jean Bernstein, wird auch der Kern einer Jugendarbeit der Zukunft sein.
»Und eine bessere technische Ausstattung wäre traumhaft«, sagt er. »Im Moment haben wir hier einen einzigen Computer, mit dem wir ins Internet gehen können. Eigentlich bräuchte jede Gruppe einen Laptop und einen Beamer. Mit medialen Vorführungen, seien sie noch so kurz, packt man Jugendliche ganz anders und schneller, als wenn immer nur geredet wird.«
Die Zahl der Kinder, die in die Gemeinde kommen, hat sich um 200 Prozent ge-
steigert, seitdem Shira Fleisher da ist. Aber Shira, Jean und ihr Team wollen mehr. Es gibt 800 Kinder in der Düsseldorfer Gemeinde. Zehn Prozent von ihnen will das Team ins Jugendzentrum locken. Jean Bernstein: »Wir müssen dafür sorgen, dass die Gemeinde lebendig bleibt, und das kann sie nur durch ihre Jugendlichen. Sie sind die Gemeinde von morgen.«

Leipzig

Gegensätzliche Nahost-Demos linker Gruppen 

Ein Team des MDR wurde aus der antiisraelischen Demo heraus angegriffen

 17.01.2026

TV-Tipp

Als David Bowie weinte: Arte-Doku beleuchtet die Schattenseiten eines musikalischen Genies

Oft feiern Filmporträts ihre Protagonisten mehr oder weniger unkritisch. Eine Arte-Doku über Popstar David Bowie wählt einen anderen Weg - und ist genau deshalb so gelungen

von Manfred Riepe  14.01.2026

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Antisemitismus

Die kruden Thesen eines AfD-Abgeordneten

Ein AfD-Parlamentarier teilte einen Instagram-Post, in dem die Rothschild-Familie mit dem Untergang der »Titanic« 1912 in Verbindung gebracht wird

 08.01.2026

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026

Westjordanland

Netanjahu schreibt Siedlergewalt einer »Handvoll Kids« zu

Nach Kritik der Trump-Regierung an Israels Vorgehen in der Westbank wiegelt Israels Premierminister ab - und zieht noch mehr Kritik auf sich

 01.01.2026

Israel

Israel führt Gedenktag für marokkanische Juden ein

Die Knesset hat beschlossen, einen Tag zur Erinnerung an die marokkanisch-jüdische Einwanderung zu schaffen

 31.12.2025

Gaza

37 Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland droht Lizenz-Entzug

Israel will sich vor Terrorverbindungen in Hilfsorganisationen schützen. Die Einrichtungen warnen vor humanitären Konsequenzen

 31.12.2025